DE FA

Bis auf zwei Ausnahmen können sich die NHL-Spieler aus Deutschland, der Schweiz und Österreich bei der am 1. Juli beginnenden Free Agency in Sachen Vertragsverhandlungen entspannt zurücklehnen. Lediglich Akira Schmid und Philipp Kurashev haben für die Saison 2026/27 kein Arbeitspapier in der Tasche. Als Restricted Free Agents kommen die beiden Schweizer jedoch erst einmal nicht auf den freien Markt. Die Rechte liegen zunächst weiter beim letzten Klub. Im Fall von Schmid sind dies die Vegas Golden Knights und bei Kurashev die San Jose Sharks. Sollten sie kein qualifiziertes Angebot von den Teams erhalten, können sie sich ohne Einschränkungen nach einer neuen Herausforderung umsehen.

Schmid befindet sich durchaus in einer guten Verhandlungsposition. Der Torhüter hat in der zurückliegenden Saison bewiesen, dass er das Zeug hat, um sich in der NHL festzusetzen. Nachdem er 2024/25 die meiste Zeit beim AHL-Farmteam Henderson Silver Knights auflief, erkämpfte er sich zu Beginn der vergangenen Spielzeit einen Platz im NHL-Kader von Vegas. Nach der Verletzung von Stammtorwart Adin Hill stieg er sogar zur Nummer 1 auf.

Akira Schmid im Interview über Vegas, das Finale und seine weiße Maske

Ende Oktober verpflichteten die Golden Knights mit Carter Hart einen zusätzlichen Schlussmann. Doch auch nach dessen Aktivierung im Dezember und der Rückkehr von Hill im Januar kam Schmid auf eine nennenswerte Zahl an Einsätzen. Nach der Wiederaufnahme des Spielbetriebs nach den Olympischen Winterspielen Milano Corina 2026 änderte sich das schlagartig. Nur noch fünfmal stand er zwischen den Pfosten, zuletzt am 21. März in der Partie gegen die Nashville Predators. Nach dem Rauswurf von Trainer Bruce Cassidy kurz vor Schluss der regulären Saison setzte dessen Nachfolger John Tortorella ausschließlich auf das Tandem Hill und Hart. 34 Spiele, ein Gegentorschnitt von 2,59 und eine Fangquote von 89,3 Prozent lautete die Saisonbilanz für Schmid, der auch während des gesamten Playoff-Runs der Golden Knights einschließlich der Finalserie gegen die Carolina Hurricanes außen vor blieb.

Obwohl die Karten zur Saison 2026/27 bei der Vertretung aus Nevada durch die Ernennung von Ryan Craig als künftigen Coach neu gemischt werden, ist die Ausgangslage für Schmid kompliziert. Eine Rückkehr in die AHL dürfte für ihn nach den gezeigten Leistungen nicht in Frage kommen. Aber genau die könnte ihm blühen, wenn er sich entschließt, den Konkurrenzkampf gegen Hill und Hart aufzunehmen und dabei den Kürzeren zieht.

Realistischer sind deshalb zwei Szenarien. Die erste Möglichkeit ist ein Trade zu einem anderen NHL-Klub. Es gibt einige Mannschaften, die momentan auf dieser Position nach einer Verstärkung suchen. Und trotz einer ihm zustehenden Gehaltserhöhung wäre Schmid immer noch eine relativ preiswerte 1B-Lösung fürs Tor. Sollten alle Stricke reißen bliebe dem 26 Jahre alten Berner als zweite Option die Rückkehr in die Heimat. In der National League würde man ihn mit Kusshand aufnehmen und ihm nicht minder lukrative Verdienstmöglichkeiten bieten wie in Nordamerika.

Während Schmid mit seinen Darbietungen in der vergangenen Spielzeit positiv auf sich aufmerksam machte, durchlief sein Landsmann Kurashev ein weiteres schweres Jahr. Verletzungen und Krankheiten durchkreuzen seinen Plan, sich mit guten Auftritten für einen Anschlussvertrag in der NHL zu empfehlen. Nach seiner Breakout-Saison 2023/24 mit 54 Punkten (18 Tore, 36 Assists) aus 75 Einsätzen für die Chicago Blackhawks zeigte die Leistungskurve in den folgenden 24 Monaten aus den genannten Gründen deutlich nach unten. Selbst der Transfer zu den San Jose Sharks im letzten Sommer brachte nicht den erhofften Push. Kurashev kam lediglich auf 20 Punkte (sieben Tore, 13 Assists) aus 43 Partien. 2024/25 hatte er in Chicago sogar nur 14 Zähler in 51 Begegnungen gesammelt.

SJS@COL: Kurashev erobert den Puck und trifft per Tunnel

Zum jetzigen Zeitpunkt ist unklar, ob und wie die Sharks-Verantwortlichen mit Kurashev planen. Aufgrund der Leistungsdaten ist es durchaus denkbar, dass sie ihm gar kein Angebot unterbreiten und ihn ziehen lassen. Aus der Schweiz wird jedenfalls schon Interesse an dem 26-jährigen Center kolportiert.

Obwohl alle anderen Spieler aus dem DACH-Raum noch mit einem NHL-Vertrag ausgestattet sind, bedeutet nicht, dass ihnen die Free Agency völlig egal sein kann. Ein Trade, wie dies jüngst bei JJ Peterka der Fall war, ist nämlich nie völlig auszuschließen. Er wurde einigermaßen überraschend von den Utah Mammoth an die Boston Bruins abgegeben.

Verwandte Inhalte