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Vom 1. August an nimmt NHL.com/de in der Serie 32 in 32 täglich ein Team der Liga mit Blick auf die Saison 2026/27 unter die Lupe.

In dieser Ausgabe: Die Analyse der Los Angeles Kings

Sportlich haben die Los Angeles Kings ihre Minimalziele erreicht. 2025/26 qualifizierten sie sich als zweiter Wildcard-Vertreter der Western Conference für die Stanley Cup Playoffs. Dort war allerdings nach vier Spielen gegen die Colorado Avalanche Schluss. Damit setzte sich eine bemerkenswerte Serie fort: Zum fünften Mal in Folge erreichten die Kings die Postseason, zum fünften Mal scheiterten sie jedoch bereits in Runde eins. Mit 35 Siegen, 27 Niederlagen und 20 Niederlagen nach Verlängerung oder Shootout kamen sie in der regulären Saison auf 90 Punkte.

Den Verantwortlichen bereitet momentan etwas anderes Sorgen. Nach dem Karriereende von Kapitän Anze Kopitar muss Los Angeles nicht nur dessen offensive Produktion in Form von Scorerpunkten ersetzen. Der Slowene hinterlässt vor allem im Zentrum als Spielmacher und bei den wichtigen Shifts eine gewaltige Lücke.

Die wichtigsten Veränderungen im Kader

Insgesamt gehörten die Kings 2025/26 mit 220 Toren und Platz 29 zu den offensivschwächsten Mannschaften der Liga. General Manager Ken Holland reagierte deshalb mit einer Ansammlung erfahrener Neuzugänge. Mats Zuccarello, Erik Haula, Corey Perry und Erik Gustafsson sollen gemeinsam mit dem zurückgeholten Scott Laughton für mehr Tiefe sorgen. Neuer Trainer ist Peter Laviolette.

Der größte Einschnitt ist zweifellos Kopitars Abschied. Gleichzeitig wurde der Kader mit reichlich Erfahrung aufgefüllt. Zuccarello kam aus Minnesota, wo er für die Wild zuletzt 54 Punkte in 59 Spielen sammelte. Haula steuerte für die Nashville Predators 38 Punkte in 81 Begegnungen bei. Laughton, der erst zur Trade Deadline nach Los Angeles gewechselt war, erhielt einen Dreijahresvertrag über 10,5 Millionen US-Dollar. Perry kehrt nach einer starken Saison ebenfalls zurück. Das Durchschnittsalter der Kings wird dadurch allerdings weiter steigen.

MIN@COL, Sp 1: Zuccarello verkürzt glücklich auf 6:7

Schlüsselspieler

In der Defensive soll Brandt Clarke eine immer wichtigere Rolle übernehmen. Der 23-Jährige stellte 2025/26 mit acht Toren, 32 Assists und 40 Punkten persönliche Bestmarken auf und war damit der punktbeste Verteidiger der Kings. Im Juni wurde er mit einem Fünfjahresvertrag über 7,4 Millionen US-Dollar jährlich ausgestattet. Drew Doughty bleibt trotz seiner 36 Jahre eine zentrale Figur, während Mikey Anderson, Joel Edmundson, Brian Dumoulin und Cody Ceci für Stabilität sorgen sollen.

Im Tor setzt Los Angeles erneut auf Darcy Kuemper und Anton Forsberg. Kuemper hatte nach einer Verletzung eine schwierige Saison und kam in 50 Einsätzen auf einen Gegentorschnitt von 2,78 und eine Fangquote von 89,1 Prozent. Forsberg spielte sich dagegen im Saisonverlauf in den Vordergrund und erhielt in den Stanley Cup Playoffs den Vorzug.

An seiner Stelle könnte Adrian Kempe vom Flügel ins Zentrum rücken.. Quinton Byfield erzielte 24 Tore und 25 Assists in 79 Partien und soll nun möglicherweise noch stärker in die Rolle des ersten Centers hineinwachsen.

An Adrian Kempe führt in Los Angeles kein Weg vorbei. Der Schwede war 2025/26 mit 36 Toren und 37 Assists zu 73 Punkten der mit Abstand produktivste Angreifer der Kings und wurde zu ihrem wertvollsten Spieler gewählt. Er führte die Mannschaft bei den Toren, Assists und Punkten an. Besonders beeindruckend: 25 seiner Treffer fielen bei gleicher Spielerzahl, womit er in dieser Kategorie ligaweit auf Platz sechs lag. Nun könnte der 29-Jährige die Antwort auf die Kopitar-Lücke im Zentrum liefern.

VAN@LAK: Kempe lenkt den Puck ins Tor

Auch Byfield steht vor einem entscheidenden Jahr. Der 23-Jährige hatte einen starken Saisonendspurt und verbuchte in seinen letzten 16 Spielen elf Tore und fünf Assists. Die Anlagen für einen echten Top-Center sind vorhanden. Nun muss er allerdings beweisen, dass er über eine komplette Saison konstant auf diesem Niveau agieren kann.

Im Angriff kommt mit Artemi Panarin zudem ein außergewöhnlich kreativer Spieler hinzu, der nach seinem Wechsel aus New York in 26 Partien 27 Punkte sammelte.

Spieler aus dem DACH-Raum

Der Schweizer Kevin Fiala soll nach seiner schweren Beinverletzung ebenfalls wieder eine wichtige Rolle übernehmen. Er absolvierte 2025/26 lediglich 56 Partien, kam dabei aber auf 40 Punkte (18 Tore, 22 Assists). Bei den Olympischen Winterspielen in Italien zog er sich im Spiel gegen Kanada einen Bruch des linken Unterschenkels zu und verpasste anschließend den Rest der NHL-Hauptrunde sowie die Playoffs.

Fiala soll zum Trainingslager wieder vollständig zur Verfügung stehen. Seine Rückkehr ist für die Kings enorm wichtig, denn gemeinsam mit Byfield hatte er bereits in der Vorsaison gezeigt, wie gefährlich diese Kombination sein kann. Er bringt Kreativität, Tempo und Abschlussstärke mit – Fähigkeiten, die Los Angeles dringend benötigt.

Im NHL Draft 2026 sicherte sich Los Angeles die Rechte an Tobias Krestan, der in der 7. Runde an 209. Stelle ausgewählt wurde. Der in Hanau geborene Angreifer lief in der vergangenen Saison für die U20 von HV71 in Schweden auf und sammelte in 21 Spielen 18 Punkte (acht Tore, zehn Assists).

Schaut Euch Fialas schönste Tore der regulären Saison 2025/26 an

Stärken

Die größte Stärke der Kings liegt in der individuellen Qualität und Erfahrung. Kempe, Panarin, Fiala und Byfield haben offensiv erheblich mehr Potenzial, als es die Statistiken aus der vergangenen Saison vermuten lassen. Zudem ist die Defensive der Kings erfahren besetzt. Mit Doughty, Anderson, Edmundson, Dumoulin und Ceci stehen mehrere Spieler zur Verfügung, die schwierige Minuten übernehmen können.

Auch Clarke entwickelt sich zu einem echten Schlüsselspieler. Seine 40 Punkte waren nicht nur eine persönliche Bestmarke, sondern machten ihn zum punktbesten Kings-Verteidiger. Mit seiner offensiven Qualität könnte er 2026/27 noch stärker in den Mittelpunkt rücken.

Verbesserungspotenziale

Neben der Offensivausbeute muss auch das Penalty Killing bei den Kings besser werden. Während der regulären Saison gehörte die Mannschaft lange Zeit zu den schwächeren Teams bei Unterzahl. In der Playoff-Serie gegen Colorado funktionierte das Unterzahlspiel ganz gut (nur ein Gegentor bei elf Situationen), doch hier blieb das Powerplay mit lediglich drei Treffern bei 16 Möglichkeiten hinter den Erwartungen zurück.

Vielversprechende Talente

Henry Brzustewicz steht an der Spitze der erfolgversprechenden Nachwuchsspieler. Der 19-jährige Verteidiger wurde 2025 im NHL Draft an 31. Stelle ausgewählt und überzeugte zuletzt bei den London Knights in der OHL. Brzustewicz ist ein moderner Zwei-Wege-Verteidiger, der gut Schlittschuh läuft, über einen ordentlichen Schuss verfügt und sich gerne in den Angriff einschaltet. In der kommenden Saison könnte er zu den besten Abwehrspielern der OHL gehören und um einen Platz im US-Team für die Junioren-Weltmeisterschaft kämpfen.

Henry Brzustewicz

Hinter ihm folgen gleich zwei vielversprechende Torhüter. Hampton Slukynsky wurde 2023 erst in der vierten Runde gedraftet (Position 118), hat sich seitdem aber stark entwickelt. Mit Western Michigan gewann er 2025 die nationale College-Meisterschaft und sammelte anschließend erste Erfahrungen bei den Ontario Reign in der AHL. Der 21-Jährige gilt als mental stark, ruhig und technisch überzeugend. Eine NHL-Premiere scheint nicht mehr allzu weit entfernt.

Auch Carter George gehört zu den großen Hoffnungen der Kings. Der 20-Jährige wurde im NHL Draft 2024 in der zweiten Runde (Position 57) ausgewählt und zählte über drei Jahre zu den besten Torhütern der OHL. Zudem stand er bei den vergangenen beiden Junioren-Weltmeisterschaften für Kanada im Tor und gewann zuletzt Bronze. George besticht vor allem durch seine Positionierung, seine Ruhe und mentale Stärke. Nun soll er sich in der AHL beweisen.

Playoff-Chancen

Die Kings dürften erneut um die Playoffplätze kämpfen. Die Offensive besitzt nach den Verpflichtungen von Panarin, Zuccarello, Haula und Perry mehr Tiefe, während Kempe, Fiala und Byfield genügend individuelles Potenzial besitzen, um die Torproduktion deutlich zu steigern. Gleichzeitig bleibt das Durchschnittsalter hoch und die Kopitar-Lücke gewaltig. Wenn Laviolette die neue Mischung aus Routiniers und jüngeren Spielern zusammenbekommt und Kuemper zu seiner alten Form zurückfindet, ist die erneute Qualifikation für die Postseason realistisch. Für mehr als die übliche Erstrundenreise nach Hause muss allerdings der nächste Entwicklungsschritt gelingen.

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