Philipp Grubauer #31 of the Seattle Kraken stands for the national anthem before the game against the Anaheim Ducks at Climate Pledge Arena on January 23, 2026 in Seattle, Washington. (Photo by Steph Chambers/Getty Images)

Philipp Grubauer spielt eine regelrechte Bounce-Back-Saison: Kam der deutsche Torwart in der Vorsaison kaum zum Einsatz und wurde zwischenzeitlich sogar zum Farmteam Coachella Valley Firebirds in die AHL geschickt, zählt der 34-jährige Rosenheimer plötzlich wieder zu den besten Torhütern in der gesamten NHL und kommt regelmäßiger beim Seattle Kraken zum Zug. Bei den anstehenden Olympischen Spielen Milano Cortina kommt auf den 1,85 Meter große Linksfänger ebenfalls eine tragende Rolle zu.

Einer der besten Goalies in der NHL

„Ich spiele nur so gut, weil ich jetzt einen Bart habe“, scherzt Grubauer in einem Mediengespräch am Montag, an dem auch NHL.com/de Fragen stellte und schob dann seine ernstgemeinte Erklärung hinterher: „Eigentlich habe ich im Sommer nichts anders gemacht, mich auch nicht mehr oder weniger fokussiert. Wir haben einen neuen Trainer, ein neues System und auch die Spielzeit auf dem Eis ist extrem hilfreich. Ich kann kontinuierlich spielen und sitze nicht vier Wochen auf der Bank, um mal das Zweite eines Back-to-Back-Spiels zu bekommen. Es hilft, jede Woche auf dem Eis zu stehen und die Situationen durchzuspielen. Das Selbstvertrauen und auch das Vertrauen des Trainers zu bekommen, ist für mich der entscheidende Unterschied.“

Seitdem beim Kraken Lane Lambert für Dan Bylsma übernommen hat, geht auch Grubauers Formkurve merklich nach oben. In der Spielzeit 2024/25 erhielt er unter Bylsma nur 26 Spiele (26 Starts, 8-17-1, 3,49 Gegentore/Spiel, 87,5 Prozent Fangquote). 2025/26 kommt er in 20 Spielen (17 Starts, 10-5-3, 2,41 Gegentore/Spiel, 91,8 Prozent Fangquote) auf deutlich bessere Statistiken. Unter allen NHL-Torhütern mit mindestens 20 Spielen und mindestens 15 Starts hat der Stanley Cup Champion von 2018 (Washington Capitals) sogar die beste Fangquote (gleichauf mit Andrei Vasilevsky vom Tampa Bay Lightning und Scott Wedgewood von der Colorado Avalanche).

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Die Stanley Cup Playoffs als Ziel

„Wir orientieren uns mehr aufs Verteidigen“, hat der Goalie auch einen Unterschied im Spielsystem ausgemacht „Das war letztes Jahr nicht der Fall. Wir haben gar kein System gehabt, wenn man das mit heute vergleicht. Der Trainerstab macht einen extrem guten Job. Jeder weiß, wo er hingehen muss, egal ob beim Forecheck, in der neutralen Zone oder bei 5-gegen-5. Letzte Saison haben wir den guten Spielern zu viel Zeit gegeben, das geben wir ihnen dieses Jahr nicht. Wir verteidigen einfach mehr, was es uns Torhütern erlaubt, in gewissen Situationen einen Schritt zurückzugehen, nicht zu aggressiv spielen zu müssen und das Spiel besser zu lesen. Es hilft sehr, was die Spieler vor dir machen.“

Entsprechend ist Seattle (23-19-9) mittendrin im Rennen um die Stanley Cup Playoffs und punktgleich mit einem Wildcard-Platz in der Western Conference.

„Du verlierst ein Spiel und bist aus den Playoff-Rängen raus. Du gewinnst wieder eins und bist wieder drin. Gerade haben wir einen kleinen Durchhänger und sind wieder raus. Alles ist sehr eng, das macht es interessant“, sagt Grubauer. „Nach der Olympia-Pause kommt die Trade Deadline - bis dahin wird sich die Spreu vom Weizen trennen. Wir haben schon ziemlich gute Chancen, haben in jedem Spiel die Chance, zu gewinnen. Wenn wir so weiterspielen und unser Ding machen, dann werden wir schon in die Playoffs reinkommen.“

Olympia als Superlative für den Eishockey-Sport

Bevor die reguläre NHL-Saison in die vielleicht entscheidende Phase einbiegt, vertritt Grubauer Deutschland bei den Olympischen Spielen 2026 in Italien.

„Für uns verändert sich ja fast nichts, vom Spielplan her. Wir landen, kommen an, haben zwei, drei Trainingseinheiten und müssen dann spielen. Das ist ‚Business as usual‘“, weiß Grubauer. „Mit Seattle haben wir 17 Spiele im Januar, was gewaltig ist. Auch mit der Zeitverschiebung und der Reise. Das ist schon nochmal ein Kraftakt.“

Anders als beim Kraken ist seine Rolle in der Nationalmannschaft die der glasklaren Nummer 1. Mehr noch: Will Deutschland eine der großen Nationen schlagen, braucht es Grubauer als ultimativen Unterschiedsspieler.

„Die Verantwortung wird für die NHL-Jungs ein bisschen größer sein. Wir freuen uns darauf, es wird bestimmt ein geiles Turnier“, so Grubauer. „So etwas habe ich auch noch nie erlebt. Das wird das beste Eishockey, was ich jemals gespielt habe. Wie oft passiert es, dass alle Top-Spieler aus der NHL in Europa spielen? Das hast du sonst nie. Alle Superstars von jeder Nation werden dabei sein. Es wird das beste Eishockey sein, was jeder in jeder Mannschaft jemals spielen wird.“

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Grubauer: „Das ist unser Vorteil“

Nun braucht es nur noch einen Schlachtplan, wie Deutschland auch gegen die Top-Nationen bestehen kann. Grubauer hat einen vielversprechenden Pluspunkt der DEB-Auswahl parat: „Unser Vorteil bei Olympia ist, dass sich unsere Mannschaft schon kennt. Kanada und die USA sind frisch zusammengestellt. Das ist unser Vorteil. Darauf wollen wir aufbauen.“

„Das ist bestimmt eine Ehre für ihn und geil, wenn er das machen könnte. Was Leon erreicht hat und was für einen Standpunkt er hat, da wäre es überragend, auch fürs Eishockey, wenn es sowas mal geben würde. Es freut mich für ihn.“

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