Der Samstagabend im Canadian Tire Centre bot den Zuschauern eine emotionale Achterbahnfahrt, die beispielhaft für die aktuelle Phase der Ottawa Senators steht. Die hart umkämpfte Partie gegen die Anaheim Ducks entwickelte sich von einer reinen Pflichtaufgabe im drängenden Wildcard-Rennen zu einem dramatischen Schauplatz um die persönliche Rekordjagd von Tim Stützle.

Am Ende stand ein hart erarbeiteter 2:0-Erfolg auf der Anzeigetafel. Dieser Sieg offenbarte eindrucksvoll den bemerkenswerten Entwicklungsprozess der Mannschaft unter Trainer Travis Green. Die Hausherren ließen sich weder von einem zähen Start noch von individuellen Rückschlägen aus der Ruhe bringen. Vielmehr bewiesen die Senators, dass sie in der wichtigsten Phase der Saison fähig sind, ihre defensive Spielweise konsequent durchzusetzen.

Ein solcher Auftritt verdeutlicht, dass die mannschaftliche Geschlossenheit in Ottawa längst Vorrang vor persönlichen Meilensteinen hat. Die Senators zeigten eine Reife, die man in den vergangenen Jahren in der kanadischen Hauptstadt oft vermisst hat.

Der schwedische Rückhalt sichert das Fundament

Ein wesentlicher Grund für diese neu gewonnene Stabilität trägt den Namen Linus Ullmark. Der schwedische Torhüter zeigte eine fehlerfreie Leistung und parierte alle 23 Schüsse der Gäste. Mit diesem souveränen Auftritt feierte er nicht nur seinen ersten Shutout seit Mitte Dezember, sondern trug sich gleichzeitig doppelt in die Geschichtsbücher ein.

Ullmark verbuchte den 14. Shutout seiner NHL-Karriere, was ihm den siebten Platz in der ewigen Bestenliste schwedischer Torhüter auf einer von Henrik Lundqvist angeführten Liste einbringt. Zudem avancierte er zum ersten Schlussmann in der Historie der Senators, der in seinen ersten beiden Spielzeiten für das Franchise jeweils mindestens 20 Siege sammeln konnte.

Diese statistischen Meilensteine spiegeln seinen immensen Wert für das Team wider. Besonders im hart umkämpften zweiten Drittel hielt er seine Mannschaft im Spiel. Stürmer Shane Pinto betonte die Wichtigkeit dieser Paraden für das kollektive Selbstvertrauen. „Das beruhigt uns, zu wissen, dass er da ist“, erklärte der Angreifer. „Das ganze Spiel über hat er so viele gute Paraden gezeigt.“

Die Offensive schlägt effizient zu

Auf diesem sicheren defensiven Fundament aufbauend, schlug die Offensive im Mittelabschnitt eiskalt zu. Zunächst brach Michael Amadio den Bann, als er nach knapp vier gespielten Minuten einen Konter über Pinto erfolgreich abschloss. Dieser Führungstreffer spielte den Senators perfekt in die Karten. Die Statistik belegt diese Stärke eindrucksvoll, denn Ottawa weist in dieser Saison eine herausragende Bilanz von 20 Siegen, fünf Niederlagen und fünf Overtime-Pleiten auf, wenn sie das erste Tor der Partie erzielen.

ANA@OTT: Pinto und Amadio sorgen gemeinsam für den ersten Treffer

Kurz darauf folgte der entscheidende Moment durch Thomas Chabot. Der formstarke Verteidiger verwertete ein weiteres Zuspiel von Pinto bei eigener Unterzahl zum viel umjubelten 2:0. Dieser Treffer markierte einen besonderen Meilenstein für den vielseitigen Abwehrspieler. Chabot stieg damit zum erst vierten Verteidiger in der Geschichte der Senators auf, der in seiner Laufbahn mehr als ein Shorthanded-Goal erzielen konnte. Er gesellt sich in diesem elitären Kreis zu den großen Franchise-Legenden Chris Phillips, Steve Duchesne und Zdeno Chara.

Das bittere Ende einer Rekordjagd

Während das Team kollektiv jubelte, erlebte einer der heißesten Spieler der Senators einen überaus frustrierenden Moment. Tim Stützle stand kurz davor, seine herausragende Punkteserie auf 15 Spiele auszubauen. Ein weiterer Zähler hätte dem gebürtigen Viersener die drittlängste Serie in der gesamten Geschichte des Franchises gesichert. Zur Mitte des Schlussdrittels schien dieser Moment gekommen zu sein.

Der deutsche Angreifer beförderte den Puck während eines Überzahlspiels per Rückhand an Torhüter Ville Husso vorbei ins Netz. Die Freude auf den Rängen währte jedoch nur kurz. Stützle stürzte, als er hart vors Tor zog und fiel dabei auf Husso, was als Torhüterbehinderung ausgelegt wurde und zur Aberkennung des Treffers führte.

Stützles bemerkenswerte Serie riss somit nach 14 Spielen, in denen er herausragende 19 Punkte (acht Tore, elf Vorlagen) gesammelt hatte. Bemerkenswert war in der Folge jedoch die Reaktion seiner Mitspieler auf diesen unerwarteten individuellen Rückschlag. Die Mannschaft fing ihren genialen Spielmacher sofort auf. „Ich dachte, sein Tor am Ende wäre ein gutes Tor gewesen“, erklärte Chabot nach der Partie. Gleichzeitig richtete der erfahrene Routinier den Blick umgehend wieder nach vorne. „Es ist eine weitere Chance für ihn, hier eine neue Serie zu starten.“

14-Spiele-Punkteserie: Tim Stützle stellt seine persönliche Bestmarke ein!

Das große Ziel fest im Blick

Diese kameradschaftliche Reaktion unterstreicht den enormen Fokus, der aktuell in der Kabine der Senators herrscht. Die nackten Zahlen der Tabelle lassen ohnehin keinen Raum für Ablenkungen oder langes Bedauern. Durch die beiden gewonnenen Punkte rückte Ottawa bis auf fünf Zähler an die Detroit Red Wings heran, die derzeit den so begehrten zweiten Wildcard-Platz in der Eastern Conference belegen.

Zusätzlich haben die Senators den immensen Vorteil, noch zwei Spiele mehr absolvieren zu dürfen als der direkte Konkurrent. Green zeigte sich im Anschluss an die Partie hochzufrieden mit der tadellosen Einstellung seiner Mannschaft. „Wir haben 60 Minuten lang unserer Identität entsprechend gespielt“, lobte der Trainer. Genau diese kompromisslose Einstellung wird in den kommenden Wochen über Erfolg oder Misserfolg entscheiden. Wenn es Ottawa gelingt, diese defensive Disziplin dauerhaft beizubehalten, ist das Erreichen der Postseason ein durchweg realistisches Szenario.

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