DET@TBL: Goncalves trifft erneut

Mit einem weiteren Meilenstein in seiner beeindruckenden Karriere hat Nikita Kucherov einmal mehr unterstrichen, warum er seit Jahren zu den prägenden Offensivspielern der NHL gehört. Beim 4:1-Erfolg der Tampa Bay Lightning gegen die Detroit Red Wings sammelte der russische Flügelstürmer am Donnerstag zwei Assists und durchbrach damit die Marke von 1100 Karrierepunkten. Gleichzeitig half er seinem Team, eine kleine Negativserie zu beenden.

Für Tampa Bay kam der Sieg zur rechten Zeit. Zwei Niederlagen in Folge und sechs Pleiten aus den vorherigen sieben Spielen hatten die Mannschaft zuletzt ausgebremst. Gerade deshalb hatte das Duell mit Detroit eine besondere Bedeutung im engen Rennen der Atlantic Division – ein klassisches Vier-Punkte-Spiel gegen einen direkten Konkurrenten.

Dass ausgerechnet Kucherov in dieser Situation mit einer historischen Leistung voranging, passte ins Bild einer Saison, in der der 31-Jährige immer wieder als Taktgeber und Antreiber seiner Mannschaft fungiert.

Ein Meilenstein unter den Größten der NHL

Mit seinen beiden Vorlagen erreichte der Russe die Marke von 1100 NHL-Punkten. In seinem 863. Spiel kam er damit auf 391 Tore und 709 Assists – Zahlen, die ihn in eine exklusive Gesellschaft heben.

Unter den außerhalb Nordamerikas geborenen Spielern ist er erst der 14., der diese Marke erreicht. Noch bemerkenswerter ist das Tempo, in dem er sie erreichte: Nur drei europäische Legenden waren schneller – Peter Stastny, Jari Kurri und Jaromir Jagr.

Damit steht Kucherov statistisch in einer Reihe mit einigen der größten Offensivspielern, die die Liga je gesehen hat. Seine Entwicklung vom hochbegabten Spielmacher zum dominierenden Superstar der Lightning lässt sich an solchen Zahlen besonders eindrucksvoll ablesen.

Auch innerhalb der europäischen NHL-Historie kletterte er weiter nach oben: Mit seinem jüngsten Multi-Assist-Spiel zog er an Nicklas Lidstrom vorbei und liegt nun auf Rang vier der Spieler außerhalb Nordamerikas mit den meisten Spielen mit mindestens zwei Assists. Vor ihm stehen nur noch Jagr, Stastny und Henrik Sedin.

Eine historische Saison nimmt weiter Fahrt auf

Der Meilenstein passt perfekt zu einer Saison, die für Kucherov ohnehin außergewöhnlich verläuft. Nach 60 Spielen steht der Lightning-Star bereits bei 106 Punkten (34 Tore, 72 Assists). Diese Marke wurde von Spielern außerhalb Nordamerikas in den ersten 60 Partien einer Saison bislang nur von Kurri und Jagr erreicht.

Ligaweit ist ein solches Tempo noch seltener. Seit der Saison 1996/97 gelang es lediglich Connor McDavid, in den ersten 60 Spielen mindestens ebenso viele Punkte zu sammeln. McDavid schaffte dies in der Spielzeit 2022/23 mit 113 Punkten.

Kucherov bewegt sich damit statistisch in Sphären, die nur den größten Offensivspielern ihrer Generation vorbehalten sind. Dass er dabei nicht nur als Torschütze, sondern vor allem als kreativer Spielmacher glänzt, macht ihn für Tampa Bay so wertvoll.

Seine Übersicht, seine Passgenauigkeit und sein Gespür für freie Räume sorgen regelmäßig dafür, dass Mitspieler in aussichtsreiche Abschlusspositionen gebracht werden – wie auch beim ersten Treffer des Abends gegen Detroit.

Zwei Assists als Schlüssel zum Sieg

Die Lightning gingen früh im zweiten Drittel in Führung. Jake Guentzel traf nach nur 49 Sekunden im Powerplay mit einem präzisen Handgelenkschuss aus dem rechten Bullykreis. Den entscheidenden Pass lieferte Kucherov, der die Scheibe nach einem Aufbau über Corey Perry perfekt in Szene setzte.

Später sorgten Gage Goncalves mit zwei Treffern sowie ein Empty-Net-Tor von Guentzel für den Endstand. Brayden Point steuerte ebenfalls zwei Assists bei, während Andrei Vasilevskiy im Tor der Lightning 24 Schüsse parierte.

Der zwischenzeitliche Anschlusstreffer der Red Wings durch J.T. Compher brachte Detroit zwar noch einmal ins Spiel, doch Tampa Bay behielt letztlich die Kontrolle.

Lightning-Trainer Jon Cooper zeigte sich nach der Partie zufrieden – auch wenn er noch Verbesserungspotenzial sah.

„Es war keineswegs ein perfektes Spiel, aber es gab viele Dinge, die wir aus dieser Partie mitnehmen können – abgesehen von den zwei Punkten“, sagte Cooper. „Wir haben mit deutlich mehr Emotion gespielt. Wir sind besser gelaufen. Wir haben die Scheibe vernünftiger aus der eigenen Zone gebracht. Insgesamt waren wir besser.“

Für Cooper selbst war der Abend ebenfalls historisch: Mit dem Sieg erreichte er 700 Erfolge mit der Lightning-Organisation (inklusive Stanley Cup Playoffs) und wurde damit neben Al Arbour und Lindy Ruff erst der dritte Trainer der NHL-Geschichte mit dieser Marke bei nur einem Franchise.

„Der beste Spieler der Liga“

Trotz all dieser Zahlen und Rekorde wirkt es manchmal, als würde Kucherov außerhalb von Tampa nicht immer die Aufmerksamkeit erhalten, die seine Leistungen rechtfertigen. In der Lightning-Kabine gibt es darüber allerdings keine Zweifel.

„Ich glaube, er bekommt wahrscheinlich nicht die Anerkennung, die er verdient“, sagte Doppel-Torschütze Goncalves über seinen Teamkollegen. „Er ist der beste Spieler der Liga. Vielleicht schafft er am Ende der Saison sogar 200 Punkte – wer weiß? Er ist unglaublich, und wir sind alle sehr stolz auf Kuch.“

Solche Aussagen mögen überschwänglich klingen, doch sie spiegeln wider, welchen Einfluss Kucherov auf das Spiel seiner Mannschaft hat. In den vergangenen vier Spielen sammelte er bereits zehn Punkte (zwei Tore, acht Assists) – ein weiterer Beleg für seine konstante Dominanz.

Für Tampa Bay könnte genau diese Form im Saisonendspurt entscheidend werden. Die Konkurrenz in der Atlantic Division ist dicht, und jeder Punkt zählt. Doch solange Kucherov weiterhin auf diesem Niveau produziert, verfügen die Lightning über eine der gefährlichsten Offensivwaffen der gesamten Liga.

Und während er weiter Punkte sammelt, scheint eines immer klarer zu werden: Die Marke von 1100 Punkten ist für Kucherov wohl nur ein weiterer Zwischenstopp auf einer Karriere, die längst Kurs auf die größten Kapitel der europäischen NHL-Geschichte genommen hat.