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Moritz Seider ist aktuell noch voll im Fokus auf die NHL-Saison 2025/26 mit den Detroit Red Wings. Wenn im Februar dann das Flugzeug Richtung Italien abhebt, wo die Olympischen Winterspiele Milano Cortina 2026 steigen, dann will sich der Verteidiger vom Olympischen Geist anstecken lassen und vor allem Werbung für das deutsche Eishockey machen.

Seider und Red Wings voll auf Kurs

Detroit (32-16-5) ist Spitzenreiter in Atlantic Division. Die Red Wings haben fünf Spiele in Folge gepunktet (4-0-1), acht der letzten zehn Spiele gewonnen (8-1-1) und zählen seit dem Jahreswechsel zu den fünf besten NHL-Teams (8-2-2). In Motor City lebt der Traum, die Durststrecke von neun Jahren ohne Playoffs in diesem Frühjahr zu beenden.

„Alles ist super, wir fühlen uns unheimlich wohl und sind sehr gut als Mannschaft zusammengewachsen“, sagt Seider in einem Mediengespräch am Montag, an dem auch NHL.com/de Fragen stellte. „Es funktioniert gut auf dem Eis, wir profitieren von den Special Teams, Überzahl ist ein wichtiger Faktor in unserem Spiel. Der Unterschied ist, dass wir in jedem Spiel dran sind und jedes Spiel gewinnen können. Auch haben wir zwei Torhüter, auf die Verlass ist. Das gibt einem viel mehr Stärke und Selbstvertrauen.“

Seider selbst hat einen großen Anteil am Erfolg seiner Mannschaft. Bis zur Verletzung von Simon Edvinsson bildete er mit dem Schweden ein kongeniales Abwehr-Tandem. Der 24-Jährige aus Zell (Mosel) ist mit sieben Treffern der torgefährlichste sowie mit 35 Punkten (53 Spiele, 7-28-35) der punktbeste Verteidiger der Red Wings. Behält der Rechtsschütze diese Produktivität bei, winkt ihm ein Karrierejahr in der NHL (hochgerechnet auf 82 Spiele: 11-43-54).

TOR@DET: Seider gleicht mit Distanzschuss aus

„Ich habe nicht viel verändert, um ehrlich zu sein“, sagt Seider. „Ich versuche, mit viel Freude und Spaß an die Situation ranzugehen. Die Herausforderung ist, in jedem Spiel Top-Leistungen abzurufen. Je häufiger das klappt, desto schöner ist es und desto glücklicher macht es mich. Ich will einfach nur gutes Eishockey spielen und mache mir nicht so viel Druck. Ich schaue nicht, was andere Medienvertreter schreiben, es ist gut, im Hier und Jetzt zu bleiben und eine gute Zeit zu haben. Vielleicht ist es das, was ich verändert habe.“

Ein Kandidat für die Norris Trophy

Seiders Leistungen werden ligaweit anerkannt. In den Medien fällt auch sein Name, wenn es um die Kandidaten für die Norris Trophy geht. Diese Trophäe wird an den Verteidiger verliehen, der in der regulären Saison mit den besten Allround-Fähigkeiten überzeugen konnte. Für Detroits 1,88 Meter großen und 95 Kilogramm schweren Abwehrchef könnten sich bislang 76 Checks und 118 Blocks diesbezüglich als enorm wichtig erweisen.

„So lange Cale (Makar) spielt, ist es schwer an ihm vorbeizukommen. Es ist unglaublich beeindruckend, was er mit der Scheibe machen kann“, räumt sich Seider selbst nur geringe Chancen ein. „Man könnte natürlich argumentieren, dass die defensive Seite weniger im Fokus steht. Trotzdem ist es schön, seinen Namen zu hören, das ehrt mich natürlich. Es zeigt, dass wir in Detroit gerade viel richtig machen. Ansonsten mache ich mir darüber wenig Gedanken. Du darfst nichts forcieren, sonst verkrampft man und will zu viel auf dem Eis. Alles kommt, wie es kommen soll.“

Zumal sich Seider bei seinen Offensivzahlen ohnehin nicht treiben lassen möchte: „Das Defensivspiel darf nicht darunter leiden. Das ist der schmale Grat, den du als Verteidiger gehen musst. Wichtiger ist es, hinten kein Gegentor zu bekommen. Vorne haben wir immer die Qualität, ein Tor zu schießen. Mit so viel Talent in unseren Reihen, ist es nicht so schwer, die Scheibe zu verteilen.“

Olympia-Tipps von Freundin Anna

Entsprechend verschwendet Seider auch noch keinen Gedanken an die Olympischen Spiele 2026, bei denen er wie im Klub auch in der Nationalmannschaft als Abwehrchef vorangehen muss.

„Da wird ein Kindheitstraum in Erfüllung gehen. Ich freue mich unheimlich auf diese Zeit“, sagt Seider, aber: „Alle wissen, dass wir hier erstmal noch einige Spiele haben, auf die es ankommt. Der Fokus liegt erstmal auf der Saison. Es steht gerade einfach zu viel auf dem Spiel. Nach dem Utah-Spiel werden schnell die Sachen gepackt, dann wird die Realität einen einholen. Davor werde ich mich nicht allzu sehr damit beschäftigen. Wir performen unheimlich gut, warum sollte man sich das nehmen?“

Wenn es soweit ist, kann sich der Nationalspieler vor seinen ersten Olympischen Spielen Tipps von seiner Freundin Anna Seidel holen. Die ehemalige Shorttrack-Eisschnellläuferin hat bereits an drei Olympiaden teilgenommen (2014, 2018 und 2022), ehe sie ihre Karriere aufgrund von Verletzungen beenden musste.

„Für uns persönlich ist es nun eine andere Situation: Zuletzt war ich Zuschauer, als sie auf der großen Bühne stand. Sie ist mittlerweile soweit, dass sie nicht mehr gefrustet ist und sich an unserer Aufgabe erfreuen kann“, erzählt Seider. „Ich soll es einfach genießen.“

Olympische Spiele als Werbung für den Sport

Wenn Deutschland am 12. Februar gegen Dänemark ins Olympische Eishockey-Turnier startet, will Seider den Olympischen Geist vorleben.

„Wir wissen es alle und es ist kein Geheimnis, dass es so eine Nationalmannschaft noch nie gab. Es ist unheimlich toll, dass wir alle zusammen Deutschland bei einer Olympia vertreten dürfen. Mit solchen Aussagen kommt aber immer auch eine Erwartungshaltung, der man gerecht werden muss. Man muss ehrlich zu sich sein: Wir haben das beste Team, alle anderen Mannschaften aber auch. Wir sind sehr positiv gestimmt, haben aber auch nur sieben Jungs aus der NHL dabei. Da fällt man schon ab, wenn mit den großen Nationen mithalten will. Wir müssen dieses Turnier als Chance sehen, das deutsche Eishockey nach vorne zu bringen. Ich freue mich unheimlich auf diese Aufgabe“, so Seider.

Seider selbst wird als einer der sieben deutschen NHL-Profis im Rampenlicht stehen - und sieht genau darin eine übergeordnete Aufgabe als „nur“ den sportlichen Erfolg: „Es ist die Aufgabe von jedem Eishockey-Spieler, der hier drüben spielt, dass wir den Sport wachsen lassen und Reichweite generieren. Egal, ob über Aktionen auf dem Eis sind, Image oder Social Media. Es wäre für mich das größte Glück, kleine Jungs Eishockey spielen zu sehen, weil man selbst den Sport vorangebracht hat. Es ist schwer, Fußball zu schlagen, weil die Gegebenheiten einfach anders sind. Trotzdem freut es einen, Kinder in Draisaitl-, Stützle- oder Seider-Trikots zu sehen. Wir haben eine Chance, das deutsche Eishockey voranzubringen, den Sport wachsen zu lassen. Wenn das am Ende kappt, ist es ein gelungener Schritt in die richtige Richtung.“

Draisaitl als möglicher Fahnenträger

Mit Superstar Leon Draisaitl von den Edmonton Oilers könnte ein NHLer zum Fahnenträger der gesamten deutschen Olympia-Mannschaft gewählt werden.

„Ich glaube, Leon brauche ich nicht vorstellen“, lacht Seider. „Er ist ein Spieler, der in der ganzen Liga bekannt ist, der zu den Top-5-Spielern der gesamten Liga zählt, konstant seine Leistung bringt und wenn es ihm möglich ist, immer für Deutschland bereitsteht. Das sind Charakterzüge, die man für so eine Position sucht. Leon bringt diese jeden Tag aufs Eis und in die Kabine. Seine Erfolge sprechen für sich, das ist klar. Ich freue mich schon riesig, wieder mit ihm auf dem Eis zu stehen zu dürfen. Ich hoffe, dass der Druck auf ihn nicht zu groß wird. Wir haben ein tolles Team und werden die Last verteilen.“

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