In der Serie „Catching Up With…” spricht NHL.com/de regelmäßig mit ehemaligen NHL-Profis, die mittlerweile außerhalb von Nordamerika spielen oder sich vom aktiven Eishockey als Spieler zurückgezogen haben.
In dieser Ausgabe: Dominik Kahun (Lausanne HC)
Seit Anfang November 2025 hat Dominik Kahun kein Eishockey mehr gespielt. Beim Deutschland Cup verletzte er sich im Trikot der deutschen Nationalmannschaft am Handgelenk und fiel seitdem aus. An diesem Donnerstag soll er im Heimspiel gegen den EHC Biel sein Comeback geben. Damit wird der 30-jährige Stürmer gerade rechtzeitig fit, um ein Schlüsselrolle bei den Olympischen Spielen Milano Cortina 2026 einzunehmen.
Kahun bringt die Erfahrung aus 186 NHL-Spielen (34-49-83) für die Chicago Blackhawks, Pittsburgh Penguins, Buffalo Sabres und Edmonton Oilers mit. Auch kam er insgesamt 206-mal in der DEL (48-101-149; drei Deutsche Meisterschaften mit dem EHC Red Bull München) sowie 196-mal in der Schweizer NL (49-109-158 für den SC Bern und Lausanne HC) zum Einsatz.
Mit NHL.com/de sprach mit Kahun über das anstehende Comeback für Lausanne, seine Begeisterung für Olympia und gedrückte Daumen für die Edmonton Oilers und Detroit Red Wings.
Servus Dominik! Du stehst unmittelbar vor dem Comeback. Was bedeutet es dir, wieder auf dem Eis zu stehen?
Die Vorfreude ist riesig! Als es passiert ist, war der Schock groß in Hinsicht auf Olympia. Ich bin sehr froh, dass ich wieder gesund bin.
Die Verletzung passierte ausgerechnet im Trikot der deutschen Nationalmannschaft beim Deutschland Cup und dauerte ein bisschen länger als erwartet. Was ist passiert?
Dass es eine Handverletzung war, ist kein Geheimnis mehr. Der Plan war, dass ich acht, neun Wochen ausfallen werde. Es ging aber auch darum, dass ich mich total wohlfühle. Alle Parteien waren sich einig, dass wir nichts überstürzen werden und ich erst wieder bei 100 Prozent sein soll. Ich stehe mit den Trainern eng in Kontakt und hätte schon am letzten Wochenende spielen sollen, doch es kam leider ein Infekt dazwischen.
Du bist jetzt über zwei Monate ausgefallen. Wie schafft man es, ein Teil der Mannschaft zu bleiben?
Das ist fast die einfachste Sache, weil man logischerweise jeden Tag mit den Jungs zusammen ist, es war also fast wie sonst auch, außer, dass ich nicht mit auf dem Eis war. Da ich keine Unterkörperverletzung hatte, konnte ich trotzdem recht schnell aufs Eis zurückkehren. Man sagt immer, dass man beim Eishockey gemeinsam in den Krieg zieht - das nicht zu können, war irgendwann auch mental schwierig. Wir trainieren ja jeden Tag, um zu spielen. So lange zuschauen zu müssen, war schwer. Ich bin froh, dass es wieder losgeht.
Am Freitag kommt es zum Duell mit den alten Kollegen vom SC Bern - ein besonderes Spiel für dich?
Ja auf jeden Fall. Vor allem, weil es in Bern ist, das macht es umso besonderer. Ich habe noch einige Jungs in Bern mit denen ich viel Kontakt habe. Als ich das erste Mal wieder gegen Bern gespielt habe, war es ein bisschen komisch. Das Auswärtsspiel hatte unglaublich viel Spaß gemacht. Ich war ja fast vier Jahre dort, da war es ungewohnt, in die Gästekabine zu gehen. Ich freue mich sehr, am Freitag wieder dort zu spielen. Das Spiel am Donnerstag ist aber erstmal wichtiger, weil es darum geht, ein gutes Gefühl zu kriegen und in den Spielrhythmus zu kommen.
Wie ist das Leben in Lausanne und wo würdest du es im Vergleich zu deinen vorherigen Stationen einordnen?
Der größte Unterschied ist die Sprache. Alles ist auf Französisch hier, das ist teilweise nicht so leicht. Wir leben aber im Jahr 2026, die meisten Leute können also Englisch sprechen, ein paar auch Deutsch. In der Mannschaft ist es sprachlich überhaupt kein Problem. Lausanne liegt direkt am Genfer See. Es ist eine tolle Stadt mit vielen Orten, die mit dem Wasser verbunden sind. Es ist leicht einen schönen Spot zum Essen gehen oder Abhängen zu finden. Ich habe auch eine schöne Wohnung direkt am Wasser, etwa zehn Minuten von der Eishalle entfernt. Es ist schwer mit meinen früheren Stationen zu vergleichen. Jeder Ort hatte seine schönen Seiten. Vom Lifestyle und der Schönheit des Lebens gehört Lausanne auf jeden Fall weit nach oben.
Lausanne ist als Vize-Meister in die neue Saison gegangen, ist die Meisterschaft das natürliche Ziel für euch?
Das ist unser großes Ziel, ja. Die Jungs wurden schon im Jahr davor, als ich noch nicht hier war, Vizemeister. Mit Zürich wurde zweimal gegen denselben Gegner verloren. Es ist fast wie in der NHL mit Edmonton und Florida. Am Anfang der Saison hatten wir einen riesigen Lauf und gehörten zu den Top-Teams der Liga. Jetzt gerade machen wir eine kleine Schwächephase durch. Ein paar Dinge funktionieren gerade nicht wie gewünscht. Die Qualität in unserer Mannschaft ist aber enorm. Vom Talent her zählen wir sicher zu den Top 2 oder 3 der gesamten Liga. Wir wollen wieder zum dem Eishockey zurückkommen, das wir am Anfang der Saison gespielt haben. Es geht auch darum, in den letzten Spielen vor den Playoffs den Schalter wieder umzulegen. Wir wollen Erster oder Zweiter werden, um Heimrecht zu haben. Dafür müssen wir unser bestes Hockey spielen. Für uns haben die Playoffs gefühlt also schon begonnen.
Wie wichtig ist es, vor dem Start der Olympischen Spiele Milano Cortina 2026 jetzt noch ein wenig Spielpraxis in der Liga zu sammeln?
Sehr wichtig. Ich glaube mit so einer langen Ausfallzeit ist es nie so leicht, schnell wieder reinzukommen. Da ich nur eine Handverletzung hatte, konnte ich mich gut fithalten. Das merke ich jetzt auf dem Eis. Konditionell habe ich gar kein Problem. Es ging aber lange darum, Kontakt auf die Hand zu vermeiden. Mein Ziel ist, mich so schnell wie möglich wieder an die Zweikämpfe zu gewöhnen. Ich sehe alles sehr positiv und kann Olympia kaum erwarten.
Wie hast du von deiner Nominierung für den Olympia-Kader erfahren und wie hast du reagiert?
Der Harry (Bundestrainer Harold Kreis, d. Aut.) hat mich angerufen. Das war bestimmt zweieinhalb Wochen vor der offiziellen Bekanntgabe. Er hat mir gesagt, dass ich dabei bin. Ich habe mich gefreut wie bei meiner ersten Nominierung. Ich freue mich immer wieder aufs Neue, egal ob es für die Olympischen Spiele, eine Weltmeisterschaft oder den Deutschland Cup ist. Olympia ist das Größte. Schon als kleiner Junge habe ich immer davon geträumt. Ich habe mit meinem Bruder gespielt und simuliert, bei Olympia zu sein. Jetzt fahre ich schon das dritte Mal zu den Olympischen Spielen, das ist unglaublich. Das macht mich extrem stolz.
Welche Erinnerungen an 2018 in Pyeongchang und 2022 in Peking sind bei dir noch bis heute sehr präsent?
Tatsächlich am meisten aus 2018. Es ist wirklich so, als wäre es gestern gewesen, weil ich jedes einzelne Detail, wie jedes Spiel gelaufen ist, noch weiß. Das liegt wahrscheinlich auch am Gewinn der Silbermedaille. 2022 war wieder ein unglaubliches Erlebnis, aber Corona hat es schwierig gemacht. Wir konnten nicht so viele andere Sportarten anschauen, alles war streng geregelt. 2018 bleibt mir also mehr in Erinnerung. Jetzt werden wir die beste Nationalmannschaft aller Zeiten haben. Ich bin sehr gespannt und kann es kaum erwarten. Die Qualität auf dem Eis wird enorm sein.
Die Stimmung im Olympischen Dorf ist sicher ganz besonders. Kannst du uns diese Magie erklären?
Es ist wirklich ein spezielles, außergewöhnliches Gefühl. Man kann sich das nur schwer vorstellen, wenn man nie selbst dabei war. Die ganzen bunten Flaggen und Fahnen der Teams und Länder, die ganzen Athleten im Dorf zu sehen, beim Essen, in den Freizeit-Räumen, oder beim Training oder der Vorbereitung auf die Wettkämpfe im Kraftraum. Zu sehen, wie jeder Einzelne arbeitet, wie fokussiert er ist, was für eine Ehre es ist, dabei zu sein und sich mit jedem zu unterhalten, war das Spannendste für mich. Dieses Zusammenkommen und Zusammensein werden auch jetzt wieder sehr cool werden.
Für welche anderen Olympischen Sportarten interessierst du dich? Wirst du auch bei anderen Wettkämpfen zuschauen?
Mich interessiert eigentlich alles. Ich bin so ein richtiger Sport-Nerd. Wir haben schon in Pyeongchang probiert, alles anzuschauen, was möglich war: Eisschnelllauf, Eiskunstlauf, Skifahren, Skispringen und Biathlon. Gerade Biathlon fasziniert mich. Ich habe es schon immer im Fernsehen angeschaut. Unter Druck keinen Fehler zu schießen ist das, was mich beeindruckt. Auch die Atmosphäre ist faszinierend.
Auf welche Nationalmannschaftskollegen freust du dich am meisten?
Natürlich auf alle. Mit Leon (Draisaitl) habe ich lange nicht zusammen auf dem Eis gestanden, das wird also besonders sein. Aber auch die Jungs aus Deutschland, aus meinem Jahrgang mit Freddie (Frederik Tiffels), Marc (Michaelis), Parker (Tuomi), die ganzen 95er - wir haben so viel zusammen erlebt. Der ganze Kader ist voll mit Jungs, mit denen ich schon so viele Events erleben und Erfolge feiern durfte. Ich freue mich wirklich auf alle und hoffe, dass wir so schnell wie möglich zusammenschweißen. Die NHLer kommen erst spät an, das Turnier ist kurz, umso wichtiger wird es sein, dass wir uns schnell als Mannschaft finden. Das hat uns schon immer ausgemacht.






















