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Der Auftakt könnte kaum passender gewählt sein: Die Seattle Kraken werden das erste Saisonspiel der Franchise-Geschichte am 12. Oktober bei den Vegas Golden Knights bestreiten. Bei jener Mannschaft also, die erst seit dem Jahre 2017 am Spielbetrieb teilnimmt und somit der zweitjüngste Klub der Liga ist.

Das Team aus Las Vegas dürfte den Kraken als Vorbild dienen. Haben sie doch den Beweis erbracht, dass eine komplett neu zusammengestellte Mannschaft auch in der ersten Saison erfolgreich sein kann.
Ein kurzer Rückblick: Die Golden Knights zogen 2017/18 in das Finale um den Stanley Cup ein und unterlagen dort mit 1:4 den Washington Capitals. Es war die erfolgreichste Saison, die jemals ein Expansionsteam im amerikanischen Profisport hingelegt hat. Zahlreiche Bestmarken wurden durchbrochen. Nie zuvor gewann ein Expansionsteam der NHL so viele Spiele (51), nie holte eine neue Mannschaft so viele Punkte (109).

Vegas beendete die Saison auf dem 1. Platz der Pacific Division. Zur Einordnung: Das letzte neu hinzugekommene NHL-Team, das im ersten Jahr in einer bereits bestehenden Division ganz oben landete, waren zuvor die New York Rangers in der Saison 1926/1927 gewesen.
In den Stanley Cup Playoffs wurde die Erfolgsserie fortgesetzt: 4:0 gegen die Los Angeles Kings, 4:2 gegen die San Jose Sharks, 4:1 gegen die Winnipeg Jets. Lediglich die Washington Capitals, denen der deutscher Goalie Philipp Grubauer damals noch angehörte, erwiesen sich in den Finalspielen als zu stark.
"Als wir beim Draft neu zusammenkamen, hätte das keiner von uns für möglich gehalten. Es ist eine unglaubliche Geschichte", sagte Verteidiger Deryk Engelland damals. Auch Marc-Andre Fleury genoss es, Bestandteil einer Überraschungsmannschaft zu sein. "Ich bin froh, dass wir vielen Leuten bewiesen haben, dass sie vor der Saison falsch lagen. Wir sind ein eingeschworener Haufen und haben eine tolle Chemie untereinander", sagte der Torwart damals.

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Ein Grund für die erfolgreiche Saison war, dass sämtliche Spieler einen unerwarteten Leistungssprung hinlegten. Ein Paradebeispiel war der Center William Karlsson. Brachte er in der Vorsaison im Dienst der Columbus Blue Jackets lediglich sechs Tore zustande, mutierte er in Las Vegas mit 43 Toren zum drittbesten Torschützen der gesamten Liga.
Als die Golden Knights am 10. Oktober 2018 ihr erstes Heimspiel der Franchise-Geschichte gegen die Arizona Coyotes absolvierten, befand sich die gesamte Stadt noch in tiefer Trauer. Neun Tage zuvor gab es bei einem Amoklauf bei einem Countrymusik-Festival 58 Todesopfer. Ein stilles Gedenken beim ersten Spiel in der eigenen Halle würdigte die Verstorbenen.
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Die Golden Knights zählten zu den wenigen Dingen, die den Menschen in Las Vegas damals Freude machten. "Wir wussten, wenn wir ein bisschen Ablenkung bieten können, ihnen ein Team geben, auf das sie stolz sein können und sie einen Grund zum Jubeln haben, dann können wir ein klein bisschen Linderung bieten", sagte Fleury damals.
Nun ist die Stimmungslage in Seattle natürlich eine völlig andere. Die Sport-Fans der Stadt sind geradezu euphorisch, neben den Seattle Seahawks in der NFL und den Seattle Mariners in der MLB mit den Kraken nun ein weiteres Profi-Team in der Stadt zu haben.
Eine Erfolgsgeschichte wie bei den Golden Knights lässt sich zwar nicht planen. Gleichwohl hat die damalige Saison bewiesen, dass ein neugegründetes Team wie nun die Seattle Kraken nicht zu unterschätzen ist.
Vor allem perspektivisch erscheint der Kader von Seattle vielversprechend. Lediglich zwei Spieler, die beim Expansion Draft ausgewählt wurden, sind älter als 30 Jahre. 16 Akteure sind maximal 25 Jahre alt. In dem 37-jährigen Verteidiger Mark Giordano gibt es einen Routinier, der mit seiner Erfahrung als Kapitän der Calgary Flames die jungen Mitspieler anleiten kann. Zumal noch weitere Rohdiamanten hinzukommen werden. Die Kraken haben beim NHL Draft 2021 unter anderem den Nummer-2-Pick.

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Überhaupt weist die Verteidigung bereits jetzt eine gute Tiefe auf. Zwölf Blueliner wurden beim Expansion Draft ausgewählt. Von dem 24-jährigen Vince Dunn, der von den St. Louis Blues kommt, bis hin zu Giordano, der bereits auf 15 Jahre NHL zurückblickt, befinden sich Abwehrspieler verschiedenster Karriereabschnitte in der Mannschaft.
Auch der Angriff verfügt über einen vielversprechenden Mix aus verlässlichen Scorern wie Jordan Eberle (New York Islanders) und Yanni Gourde (Tampa Bay Lightning) sowie vielen harten Arbeitern.
Mit den Goalies Chris Driedger (Florida Panthers), Vitek Vanecek (Washington Capitals) und Joey Daccord (Ottawa Senators) wurde zwar kein Superstar für das Tor verpflichtet. Gleichwohl erwiesen sich speziell der 25-jährige Vanecek, der in seiner ersten NHL-Saison auf eine Save-Quote von 90,8 Prozent kam, und der 27-jährige Driedger, dessen Quote bei 92,7 Prozent lag, bereits als sicherer Rückhalt.
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Ob all das genügt, um eine erfolgreiche Auftakt-Saison zu spielen?
"Wir haben auf allen Positionen eine wirklich gute Mischung aus verschiedenen Fähigkeiten", zeigt sich Trainer Dave Hakstol zufrieden und gibt die Richtung vor: "Wir müssen eine eng zusammengewachsene Gruppe sein und hart arbeiten. Die einzelnen Bestandteile unseres Kaders sind gut. Aber wir müssen unsere Arbeit machen, um die Früchte zu ernten, Spiele zu gewinnen, all das miteinander zu genießen und eine Gewinner-Atmosphäre aufzubauen."
Die Golden Knights haben vorgemacht, was dann alles möglich ist.