DEEdge129

NHL EDGE liefert für jedes Team und jeden Spieler detaillierte Werte, die eine genauere Analyse zulassen. NHL.com/de wirft monatlich einen Blick in die Statistik-Welt und geht dabei interessanten Fakten auf den Grund.

Im Januar: Der Blick auf die Top-Spieler aus Deutschland und der Schweiz für Olympia

Daten-Check vor Olympia

Der Blick auf die Statistiken der NHL ist trügerisch, wenn es um die Prognose für ein kurzes, intensives Turnier wie die Olympischen Winterspielen Milano Cortina 2026 geht. Klassische Statistiken wie Tore und Assists erzählen oft die Geschichten der vergangenen Wochen, doch sie unterschlagen die physische Realität auf dem Eis. In einem K.o.-Turnier, in dem Nuancen über das Weiterkommen entscheiden, sind andere Währungen gefragt. Hier kommen die NHL EDGE-Daten ins Spiel. Sie messen nicht nur den Erfolg, sondern den Aufwand und die Qualität, die dahinterstecken: Wer skatet am schnellsten, wer schießt am härtesten und wer hält dem Druck in der eigenen Zone wirklich stand?

Diese fortgeschrittenen Tracking-Daten fungieren als eine Art Frühwarnsystem für die Leistungsfähigkeit der Nationalmannschaften. Für das Turnier in Mailand lohnt sich daher der Blick „unter die Haube“ der Top-Akteure aus dem deutschsprachigen Raum. Die Werte offenbaren, dass Deutschland und die Schweiz mit völlig unterschiedlichen, aber statistisch messbaren Identitäten in das Rennen um die Medaillen gehen werden.

Deutschland: Kilometerfresser und eine Wand im Tor

Wenn man die deutschen Hoffnungen auf ein einziges Wort reduzieren müsste, wäre es „Arbeitsmoral“. Die EDGE-Daten von Leon Draisaitl belegen eindrucksvoll, dass der Superstar der Edmonton Oilers weit mehr ist als nur ein genialer Passgeber und Torjäger. Mit einer zurückgelegten Gesamtdistanz von über 275 Kilometern bewegt sich Draisaitl im 97. Perzentil aller NHL-Spieler. Er ist der Motor des deutschen Spiels.

ANA@EDM: Draisaitl mit 4 Assists beim 7-4 der Edmonton Oilers

Seine 119 Speed-Bursts über 32 km/h zeigen, dass er diese Distanz nicht im Schongang abspult, sondern mit hoher Intensität. Für die deutsche Nationalmannschaft bedeutet das: Draisaitl wird das Umschaltspiel prägen, weil er die physische Kapazität hat, nach hinten zu arbeiten und trotzdem den Konter mit Höchstgeschwindigkeit zu laufen.

Unterstützt wird dieser Arbeitsaufwand von Moritz Seider, dessen Werte ihn als absolutes „Workhorse“ ausweisen. Der Verteidiger der Detroit Red Wings spulte in der laufenden Saison über 317 Kilometer ab und rangiert damit im 99. Perzentil der Liga.

Doch es ist nicht nur die Ausdauer, die ihn wertvoll macht. Mit einem härtesten Schuss von 159,21 km/h (96. Perzentil) bringt er eine Wucht mit, die entscheidende Akzente in der Offensive kann. In einem Turnier, in dem die Defensive oft über Sieg oder Niederlage entscheidet, ist Seiders Fähigkeit, hohe Belastungen ohne Qualitätsverlust zu managen, die Basis für den deutschen Erfolg.

Diese physische Stabilität braucht eine letzte Absicherung, und hier liefern die Daten von Philipp Grubauer das ideale Profil für ein Team, das gegen Top-Nationen oft als Außenseiter startet. Seine Fangquote von 91,9 Prozent platziert ihn im 97. Perzentil, doch noch wichtiger ist der Blick auf die Qualität der Schüsse. Grubauer glänzt besonders dann, wenn es brennt. Seine Werte bei „High-Danger“-Chancen (84,2%) liegen stabil im 85. Perzentil der NHL. Das ist genau das statistische Fundament, das Deutschland benötigt. Ein Torhüter, der nicht nur die Pflichtaufgaben erfüllt, sondern das Team in den Phasen im Spiel hält, in denen die Struktur vor ihm kurzzeitig wegbricht.

ANA@SEA: Grubauer stoppt Harkins' Penalty per Poke-Check

Schweiz: Offensive Dominanz und Schussgewalt

Während Deutschland statistisch über die Physis kommt, definiert sich die Schweiz über offensive Fähigkeiten und individuelle Klasse. Kevin Fiala ist hierfür das perfekte Beispiel. Seine EDGE-Daten weisen ihn nicht als den emsigen Arbeiter aus, sondern als elitären Vollstrecker. Mit einem härtesten Schuss von 151,8 km/h gehört er zu den schussgewaltigsten Stürmern der Welt (96. Perzentil). Fiala generiert auch eine Vielzahl von Abschlüssen. Seine 140 Schüsse aufs Tor (94. Perzentil) belegen, dass er jede Lücke nutzt, um Gefahr zu erzeugen.

Unterstützt wird diese offensive Ausrichtung von Roman Josi, der statistisch gesehen, wie ein vierter Stürmer agiert. Seine „Offensive Zone Time“ von 46,2 Prozent ist ein Fabelwert (96. Perzentil) für einen Verteidiger. Das bedeutet, dass die Schweiz, wenn Josi auf dem Eis steht, das Geschehen fast zwangsläufig in das Drittel des Gegners verlagert. Josi ist der Architekt der Dominanz, und seine neun Tore (94. Perzentil bei Verteidigern) zeigen, dass er diese Dominanz auch in Ertrag ummünzen kann. Mit seinem harten Schuss (155,69 km/h, 92. Perzentil) bildet er gemeinsam mit Fiala eine Zange, die jeden Gegner vor enorme Probleme stellen kann.

NSH@BOS: Josi wird im Powerplay gesucht und verkürzt per Direktabnahme auf 1:2

Akira Schmid mag bei der reinen Fangquote oder den „High-Danger Saves“ (unter 50. Perzentil) nicht mit den Werten eines Grubauer mithalten können, doch er besitzt eine Qualität, die in Turnieren oft unterschätzt wird. Sein Team holt 66,7 Prozent der verfügbaren Punkte, wenn er startet (88. Perzentil). Schmid ist der klassische „Turnier-Goalie“, der vielleicht nicht jeden unhaltbaren Puck fischt, aber genau die Paraden liefert, die das Team braucht, um zu gewinnen. Wenn die offensive Maschinerie um Josi und Fiala läuft, reicht Schmids solide Basis, um das Spiel nach Hause zu bringen.

Der Faktor Zeit und Raum

Die Olympischen Spiele 2026 werden zeigen, welche dieser statistischen Identitäten sich auf dem großen Eis durchsetzt. Die EDGE-Daten untermauern die Hoffnung beider Nationen auf unterschiedliche Weise. Deutschland bringt mit Draisaitl und Seider die „Clutch“-Spieler, die über schiere Ausdauer und Arbeitsmoral ein Spiel an sich reißen können, wenn es in die späten Phasen geht.

Die Schweiz hingegen hat mit Josi und Fiala die Werkzeuge, um einen Gegner von der ersten Minute an spielerisch zu erdrücken. Wer seine spezifischen Stärken, sei es die deutsche Physis oder die Schweizer Präzision, besser auf das Eis von Mailand überträgt, wird am Ende nicht nur gute Daten, sondern vielleicht auch eine Erinnerung aus Edelmetall in den Händen halten.

Verwandte Inhalte