Kucherov gewinnt Spiel 2 für Lightning mit seinem 2:1

Es war wohl der psychologisch bitterste Spielausgang, den sich die New York Islanders im Vorfeld des Spiels hätten vorstellen konnten. Nach dem indiskutablen 2:8 gegen die Tampa Bay Lightning am Montag, steigerte sich das Team in Spiel 2 der Serie zwar deutlich, verlor die Begegnung aber durch ein Gegentor Sekunden vor Spielende mit 1:2. Nikita Kucherov schockte das Team mit dem späten Siegtreffer. Dadurch geriet das Franchise aus New York im Eastern Conference Finale der Stanley Cup Playoffs 2020 gegen die Organisation aus Florida mit 0:2 in Rückstand.

Am Freitag, in Spiel 3 der Best-of-7-Serie im Rogers Place von Edmonton (8 p.m. ET; Sa. 2 Uhr MESZ; NHL.tv, Sport1+, DAZN), geht es für die Schützlinge von Trainer Barry Trotz darum sich vom unglücklichen Ausgang der ersten beiden Begegnungen nicht entnervt zu zeigen, ein drohendes 0:3 unbedingt zu vermeiden.
"Am Tag nach der gestrigen Niederlage ist die Stimmung bei uns heute schon wieder besser. Wir waren in Spiel 2 deutlich stärker als am Montag. Unsere Leistung war insgesamt so, wie wir uns das vorstellen. Natürlich können wir immer etwas verbessern. Aber grundsätzlich ist die Atmosphäre im Team gerade recht positiv", bemühte sich Trainer Trotz am Donnerstagmittag (Ortszeit) in einer Pressekonferenz darum frischen Optimismus zu versprühen.
Dabei gilt es, wie auch der erfahrene Trotz weiß, gegen die favorisierten Lightning in dieser Situation unbedingt die erforderliche Ruhe und Konzentration auf dem Eis zu behalten, im Vorfeld des nächsten Duells nicht etwa in eine Art von Panik zu geraten.
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Keine leichte Aufgabe, für das Überraschungsteam der bisherigen Playoffs. Die Erlebnisse der vergangenen Tage dürften trotz allem verbreiteten Optimismus nicht völlig spurlos an der Psyche der Protagonisten vorbeigegangen sein.
Der Coach selber konnte das Erlebte nach eigenem Bekunden nicht aus der Ruhe bringen. Er fand den bisherigen Serienverlauf nicht wirklich überraschend, wie er sagte. "Durch die Reise waren wir beim Spiel am Montag noch sehr erschöpft. Zuvor hatten wir das Spiel 7 gegen Philadelphia zu absolvieren. Da kann ein solches Spiel, bei dem wir nicht unsere gewohnte Leistung abgeliefert haben, vorkommen. Diese Gruppe ist jedoch sehr engagiert und gibt so leicht nicht auf. Die Spieler haben viel Charakter. Inzwischen sind wir ja auch schon in unserer vierten Serie dieser Postseason. Das kostet viel Energie. Und keiner von den Jungs zieht auch nur ein Stück zurück. Alle bringen sich voll ein. Egal wie diese Serie am Ende ausgeht, wir werden alles reinwerfen, was wir haben", kommentierte Trotz.

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Obwohl die Islanders über weite Phasen von Spiel 2 dem Gegner mindestens gleichwertig waren, gibt es in der Analyse der jüngsten Begegnung doch einige Punkte, an denen es zu arbeiten gilt, wenn die Chance auf einen Erfolg in Spiel 3 erfolgreich optimiert werden soll. Dass die New Yorker beispielsweise zuletzt keines ihrer vier Powerplays in einen Treffer ummünzen konnte, gefiel den Beteiligten gar nicht. Hier gilt es am Freitag anzusetzen, es wieder besser zu machen.
Dazu braucht es neue Kraftreserven, die der Coach seinem Kader durch eine Ruhepause am Donnerstag verschaffen wollte. "Jetzt frische Energie zu bekommen, das ist in erster Linie eine Sache der Mannschaft. Wir Trainer müssen da gar nicht so viel machen. Deshalb halte ich mich heute zurück", ergänzte Trotz mit Blick auf die kommende Aufgabe.
Dabei vertraute der Coach in erster Linie auf das schon vorhandene Können seines Kaders. Ein offizielles Training fand nach der zweiten Niederlage gegen Tampa Bay in dieser Woche bei den Islanders nicht statt. Dies wusste Trotz auch zu begründen: "Heute haben wir einmal nicht trainiert, denn die Spieler mussten in den vergangenen Tagen und Wochen extrem viel leisten. Heute tanken wir erst einmal ein paar neue Kräfte, pflegen unsere Körper. In dieser Phase trainierst du sowieso nie wirklich viel, da geht es immer nur schnell von Spiel zu Spiel."
Die Aufgabe wird sein in Zukunft leichte Fehler konsequenter zu vermeiden als in Spiel 2 geschehen. So hatte am Mittwoch unter anderem Devon Toews mit einem unnötigen Icing das Gegentor von Victor Hedman zum 1:1-Ausgleich begünstigt. Solche dem Gegner unnötig ermöglichten Gelegenheiten darf man sich gegen ein hochtalentiertes Team wie Tampa Bay nicht erlauben, wenn das Spiel am Ende unbedingt gewonnen werden soll.

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Mut macht, dass die Islanders im bisherigen Verlauf der K.o.-Runde noch keine drei Niederlagen in Serie kassiert haben. Diese Serie fortzusetzen wird unabdingbar sein, um nicht in ein vermutlich vorentscheidenden 0:3-Rückstand zu geraten, der dann vermutlich weiter am angegriffenen Selbstvertrauen nagen würde.
"Der aktuelle Zwischenstand von 0:2 in der Serie gegen Tampa ist natürlich nicht unser Wunschergebnis. Aber die Vergangenheit hat häufig gezeigt, dass das gar nichts heißen muss. Bei meiner ehemaligen Mannschaft (Washington Capitals) lagen wir 2018 zum Beispiel gleich mehrfach in Serien zurück und konnten die Serien noch gewinnen. Einmal haben wir sogar direkt unsere zwei Heimspiele verloren, dann aber die folgenden vier Begegnungen für uns entscheiden können. Es gilt unsere Konzentration auf das kommende Spiel zu richten und nicht zu weit voraus zu blicken. Man darf sich nicht zu sehr belasten, in dem man zu weit nach vorne schaut. Eines ist aber klar, wir werden uns auf das Positive konzentrieren und im ko9mmenden Duell alles reinwerfen, was wir haben. Dann haben wir eine Chance. Und nach dem Spiel sehen wir dann weiter", sagte Trotz.
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Der Kader wird nach Meinung des Coaches gut vorbereitet und konzentriert in die Begegnung gehen. "Entscheidend ist der gesamte Entwicklungsprozess, den eine Mannschaft durchmacht. Das ist das Wichtigste. Man darf sich nicht nur an den Ergebnissen orientieren. Das ist grundsätzlich unsere Marschrute, auch jetzt in den Playoffs. Wir haben am Mittwoch gezeigt, dass die Richtung bei uns stimmt. Nicht immer bekommt man das Ergebnis, was man verdient hat. Aber das Leben ist eben nicht immer fair. Wir nehmen es so an und machen auf unserem Weg weiter."
Am Freitag werden die Islanders sehen, ob diese gewählte Taktik der Ruhe und zur Schau getragenen Gelassenheit des Trainers zum gewünschten Erfolg führen kann.