NYI@VAN: Toffoli nutzt Petterssons Vorlage

Vor der Stanley Cup Qualifikationsrunde fühlt NHL.com/de den 24 Teilnehmern auf den Zahn und wirft jeweils fünf wichtige Fragen auf, mit denen sich die Teams auseinandersetzen müssen. In dieser Ausgabe: In dieser Ausgabe: Vancouver Canucks.

Die Vancouver Canucks (36-27-6, 56,5 Prozent der Punkte) laufen als siebtbestes Team der Western Conference in der Stanley Cup Qualifikation auf und treffen in der Best-of-5-Serie auf die Minnesota Wild (35-27-7, 55,8 Prozent). Nach vier Jahren ohne Canucks in der Endrunde ist der Playoff-Hunger in der Eishockey-begeisterten Metropole Vancouver riesengroß.

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1. Wirbelt die Offensive weiter?

Der Hauptgrund für das positive Abschneiden in der regulären Saison lag in der Offensiv-Power der Canucks: Mit 3,25 Toren pro Spiel stellte Vancouver die achtbeste Offensive, mit 24,2 Prozent Erfolgsquote das vierbeste Powerplay sowie mit 54 Prozent gewonnener Bullys auch noch das zweitbeste Faceoff-Team. Die Kanadier pflegen einen schnellen und aggressiven Spielstil, der die Gegner vor Probleme stellte.

Zu den Offensiv-Wirbelwinden zählten etwa der pfeilschnelle Center Elias Pettersson (27 Tore, 39 Assists, 66 Scorerpunkte), der eine schlagkräftige Reihe mit Top-Scorer und Saison-Überraschung J.T. Miller (27/45-72, Karriere-Bestwert!) sowie Neuzugang Tyler Toffoli (24/20-44) bilden könnte. Die zweite Linie steht dem in nichts nach und ist ähnlich produktiv: Kapitän und Mittelstürmer Bo Horvat (22/31-53) wird von Tanner Pearson (21/24-45) und Brock Boeser (16/29-45) im wahrsten Sinne des Wortes "beflügelt".

Und auch in der Tiefe scheint genug Qualität vorhanden: Zehn Spieler sammelten mehr als 30 Scorerpunkte, acht Spieler trafen zweistellig. Darunter etwa Stürmer wie Jake Virtanen (18/18-36) oder Adam Gaudette (12/21-33). Zudem machte Rookie Zack MacEwen in seinen 17 Einsätzen Lust auf mehr (5/1-6, 29,3 Prozent Schusseffizienz) und stellte das Secondary Scoring auf noch breitere Füße. Nach langen Verletzungen stehen auch die Angreifer Josh Leivo und Jay Beagle wieder zur Verfügung. Ob Micheal Ferland rechtzeitig fit wird, bleibt hingegen abzuwarten.

CBJ@VAN: Pettersson trifft durch die Schoner

2. Ist Toffoli das fehlende Puzzlestück?

Mit Tyler Toffoli akquirierten die Canucks vor der NHL Trade Deadline noch einen Stürmer von den Los Angeles Kings. Nach seinem Wechsel schlug der 28-jährige Flügelstürmer voll ein: In zehn Auftritten im blaugrünen Trikot sammelte der Rechtsschütze zehn Scorerpunkte (6/4-10), darunter ein Siegtreffer bei einer Schusseffizienz von 15,8 Prozent und einem Plus-Minus-Wert von +3.

Die Hoffnungen sind daher groß, dass Toffoli das fehlende Puzzlestück auf dem Weg zum Stanley Cup sein könnte. Zumal der Kanadier auch eine Menge Endrunden-Erfahrung mitbringt: 47 NHL-Playoff-Partien (9/12-21) stehen in seiner Vita. Genauso wie der Stanley-Cup-Sieg 2014 mit den Kings.

BOS@VAN: Toffoli mit seinem 1. Tor für die Canucks

3. Reicht die Playoff-Erfahrung für einen langen Run?

Vancouver hat einen sehr jungen Kern. Oder anders gesagt: Die Leistungsträger sind alle noch sehr jung: Verteidiger Quinn Hughes (20) sowie die Stürmer Pettersson (21), Boeser (23), Gaudette (23), und Virtanen (23) sind alle 23 Jahre alt oder jünger. Keiner dieser Spieler hat Endrunden-Erfahrung in der NHL. Selbst Kapitän Horvat ist erst 25 Jahre alt und kann erst sechs Playoff-Spiele vorweisen. Dass die Schlüsselspieler jung und talentiert sind, klingt vielversprechend für eine strahlende Zukunft - allerdings müssen diese im Hier und Jetzt in den Playoffs 2020 funktionieren.

Stabilität sollen erfahrene Recken wie die Verteidiger Alexander Edler (34, 65 NHL-Spiele) oder die Stürmer Beagle (34, 85 Spiele), Toffoli (28, 47 Spiele), Loui Eriksson (34, 34 Spiele), Brandon Sutter (31, 33 Spiele) geben.

Sind die Canucks mit ihren vielen jungen und Playoff-unerfahrenen Spielern also zu grün für die Playoffs? "Darüber gibt es nicht viel zu sagen. Sie wissen, was es braucht und was unser Ziel ist", betont Horvat. "Sie wissen, was es braucht, um zu gewinnen und sie wissen, was es heißt, Playoff-Hockey zu spielen. Sie werden bereit sein. Sie bringen das mit, um in den Playoffs bestehen zu können."

4. Glänzt die Defensive weiter mit vielen Blocks?

Mit durchschnittlich 3,1 Gegentoren pro Spiel (19.), einer Penalty-Killing-Quote von 80,5 Prozent (16.), 33,3 gegnerischen Torschüssen pro Partie (28.) und 19,5 Checks pro 60 Minuten (22.) haben die Canucks keine überragenden Werte. Die Achillesferse könnte also die Defensive sein, die in der Endrunde auf die besten Offensivreihen treffen und damit gefordert werden. In Sachen Spielertypen, Altersstruktur, Größe und Gewicht aber scheint Vancouver einen guten Mix zu haben.

Was für die Defensive spricht, ist die hohe Anzahl an geblockten Schüssen: Insgesamt stoppten die Canucks 1088 Schüsse - der zweitbeste NHL-Wert hinter den New York Islanders (1153). Allen voran sind die Verteidiger Edler (162) und Chris Tanev (159) zu nennen, die in Sachen Blocks ligaweit auf Rang drei und vier stehen.

5. Ist Goalie Markstrom bereit für die Playoffs?

Jacob Markstrom war ein Rückgrat in der regulären Saison: Er startete in 43 Spielen, holte dabei 23 Siege bei einem Gegentorschnitt von 2,75, einer Fangquote von 91,8 Prozent und zwei Shutouts. Welchen Wert der 30-jährige Schwede für die Canucks hat, unterstrich auch die Nominierung zum All Star Game 2020. Erstmals in seiner Karriere könnte der 1,97 Meter große Linksfänger nun NHL-Playoffs spielen.

Ist Markstrom, der die letzten acht Spiele der regulären Saison wegen einer Verletzung verpasste, bereit für die ultimativ wichtigen Spiele? "Ich bin zu 100 Prozent sicher, dass Markstrom für Playoff-Hockey gemacht ist", glaubt Vancouvers Trainer Travis Green. "Er liebt große Spiele. Er möchte sie spielen. Genau so einen Torwart willst du haben. Wir haben viel Vertrauen in ihn."