Stanley Cup Final: Carolina Hurricanes v Vegas Golden Knights - Game Six

Dass sich die Carolina Hurricanes in der Vorbereitung auf die Saison 2025/26 mit griechischer Mythologie beschäftigt haben, ist ziemlich unwahrscheinlich. Trotzdem hat die Mannschaft aus Raleigh etwas beherzigt, was dort dargelegt wird. Die Rede ist vom Kairos-Moment. Dieser beschreibt einen günstigen Augenblick für eine bestimmte Handlung, den man nicht ungenutzt verstreichen lassen sollte. Ansonsten könnte es sein, dass diese Chance für alle Ewigkeit vertan ist. Mit dem Triumph im Stanley Cup haben die Hurricanes und allen voran ihr Trainer Rod Brind’Amour den für sie bestimmten Zeitpunkt genutzt.

In den vergangenen Jahren gehörte das Team beständig zu den Favoriten auf die Meisterschaft. In den zurückliegenden sechs Saisons sicherte sich Carolina unter der Regie von Brind’Amour viermal den Divisionstitel, dreimal in der Metropolitan und in der Corona-Saison 2020/21 in der Central. In den beiden anderen Spielzeiten belegten die Hurricanes den zweiten Platz in der Gruppe. Sie bestritten in diesem Zeitraum insgesamt 16 Playoff-Serien, von denen sie zehn gewannen. Dreimal stießen sie ins Eastern Conference Finale vor. Doch erst dieses Jahr reichte es zum ganz großen Wurf.

Vielleicht musste es – Stichwort Kairos-Moment – genau so kommen. Denn vor exakt 20 Jahren hatten die Hurricanes zum ersten und bis vor wenigen Tagen einzigen Mal in ihrer Franchise-Geschichte den Stanley Cup gewonnen. Der Kapitän damals hieß Brind’Amour. Zwei Dekaden später durfte er den Pokal erneut in die Höhe stemmen, diesmal als verantwortlicher Coach. Damit zahlte sich die Geduld der Klubverantwortlichen aus. Trotz der vergeblichen Anläufe hatten sie entgegen den üblichen Gepflogenheiten in der Branche, an dem bei den Spielern beliebten und vor allem respektierten Trainer festgehalten.

Staal bekommt den Cup von Commissioner Bettman

Die Hurricanes zeigten schon früh in der Saison, wo der Hammer hängt. Vom Start weg gelang ihnen eine Siegesserie von fünf Spielen. Im November und Dezember folgten zwei Streaks mit jeweils vier Erfolgen hintereinander. Auf diese Weise legte Carolina den Grundstock für den späteren Gewinn der Metropolitan Division und der Eastern Conference. Am Ende standen eine Matchbilanz von 53-22-7 und 113 Punkte aus 82 Partien zu Buche. Lediglich die Colorado Avalanche schnitt, in der Western Conference beheimatet, mit 121 Zählern besser ab. Doch die Presidents‘ Trophy für das beste Team der regulären Saison war nicht das Ziel der Mannschaft. Sie hatte auf ganz etwas anderes Appetit, nämlich den Stanley Cup.

Wie groß der Hunger danach war, ließen die Hurricanes in den Stanley Cup Playoffs von Anfang an erkennen. In den ersten beiden Runden warfen sie die Ottawa Senators und die Philadelphia Flyers per Sweep nach vier Duellen aus dem Wettbewerb. In der Finalserie der Eastern Conference gegen die Montreal Canadiens leisteten sie sich lediglich in Spiel 1 einen Fehltritt. Im Anschluss behielt Carolina viermal nacheinander die Oberhand und zog nach gerade einmal 13 Partien ins Stanley Cup Finale ein.

Dank ihrer furiosen Darbietungen in den ersten drei Durchgängen hatten die Hurricanes drei Spiele weniger in den Knochen stecken als ihr Finalkontrahent, die Vegas Golden Knights. Das wirkte sich letztlich positiv aus. Beim Zwischenstand von 1:2 in der Endspielserie war Carolina in der Lage, noch einmal zusätzliche Energie freizusetzen, während der Powerlevel der Golden Knights kontinuierlich nach unten ging. Die Spiele 4 bis 6 gingen allesamt an die Hurricanes. Dabei geriet vor allem der 3:0-Shutout beim letzten Aufeinandertreffen in Vegas zu einer Machtdemonstration des Champions.

Einen persönlichen Kairos-Moment erlebten Kapitän und Angreifer Jordan Staal sowie Torhüter Brandon Bussi. In der Endspielserie wuchs der inzwischen 37 Jahre alte Mannschaftsführer der Hurricanes über sich hinaus. Mit sechs Toren in den ersten fünf Spielen gegen die Golden Knights trug er maßgeblich zum Cup-Sieg bei. Verdientermaßen bekam er die Conn Smythe Trophy als wertvollster Spieler der Playoffs überreicht.

In seinem 14. Jahr bei den Hurricanes wird der Hurricanes-Kapitän Playoff-MVP

Bussi wiederum sprang in die Bresche, als der angeschlagene Stammgoalie Frederik Andersen schwächelte. Nach seiner Einwechslung in Spiel 3 gab er den Platz zwischen den Pfosten nicht mehr her. Mit dem Shutout in der sechsten Finalpartie krönte der Schlussmann seine famosen Leistungen.

Bussi ist ein gutes Beispiel für das glückliche Händchen, das General Manager Eric Tulsky bei der Zusammensetzung der Meistermannschaft bewiesen hat. Von den Florida Panthers zu Saisonbeginn ausgemustert und auf die Waiver-Liste gesetzt, sah Tulsky ihn als wertvolle Ergänzung für den Hurricanes-Kader an und griff zu. Eine weise Entscheidung, wie sich herausstellte.

Ausgezahlt haben sich zudem die Verpflichtungen von Taylor Hall, Logan Stankoven, Nikolaj Ehlers und K‘Andre Miller zu unterschiedlichen Zeitpunkten im vergangenen Jahr. Sie erwiesen sich als perfekte Ergänzung für den seit Jahren eingespielten Kern um Staal, Sebastian Aho, Andrei Svechnikov, Jordan Martinook und Jaccob Slavin und passten bestens zum laufintensiven und körperbetonten Spielstil von Trainer Brind’Amour. So konnten die Hurricanes ihrem Namen alle Ehre machen und einen Sturmwirbel vom Anfang bis zum Schluss der Saison 2025/26 entfachen.

Nikolaj Ehlers spricht auf Deutsch über den Gewinn seines ersten Stanley Cups

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