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Vom 1. August an nimmt NHL.com/de in der Serie 32 in 32 täglich ein Team der Liga mit Blick auf die Saison 2026/27 unter die Lupe.

In dieser Ausgabe: Die Analyse der Boston Bruins

Die erste Saison unter dem deutschen Trainer Marco Sturm war ein Erfolg für die Boston Bruins. Die Mannschaft kam gut aus den Startlöchern und schaffte es in die Stanley Cup Playoffs. Dort kam allerdings in der Ersten Runde das Ende nach sechs Partien gegen die Buffalo Sabres. Das lag vor allem an der fehlenden Durchschlagskraft im Angriff.

Und das trotz eines David Pastrnak. Der Tscheche war einmal mehr in der regulären Saison der Leistungsträger der Bruins. Ebenfalls verlassen konnte sich das Team auf Keeper Jeremy Swayman, der die unumstrittene Nummer eins in Boston ist. Jetzt geht es für Sturm und Co. darum, mit der Mannschaft die Leistung der vergangenen Saison zu bestätigen und das Team weiterzuentwickeln.

Die wichtigsten Veränderungen im Kader

Der Top-Transfer der Bruins in diesem Sommer ist bislang die Verpflichtung von JJ Peterka. Er kam am 26. Juni via Trade von den Utah Mammoth nach Boston. Peterka hatte ursprünglich in Utah einen Vertrag über fünf Jahre unterschrieben. Vier sind davon noch übrig. Im Tausch für zwei Draftpicks kam Verteidiger William Borgen von den New York Rangers zum Franchise. In 75 Spielen schoss er vergangene Saison fünf Tore für die Rangers und bereitete zehn vor. Er kam im Schnitt auf 18:03 Minuten Eiszeit pro Partie. Ein Rückkehrer ist Verteidiger Connor Clifton. Bereits 2022/23 trug er das Trikot der Bruins. Danach verschlug es ihn zu den Sabres und den Pittsburgh Penguins. In der vergangenen Spielzeit bestritt er 50 Spiele in der regulären Saison für Pittsburgh und kam auf sechs Scorerpunkte (2-4-6). In Boston hat er einen Vertrag über zwei Spielzeiten unterschrieben.

Ähnliches: Peterka gegen Draft Picks von Utah nach Boston getradet

Verlassen hat die Bruins Torwart Joonas Korpisalo. Ihn zog es zu den New York Rangers. Korpisalo war in den vergangenen beiden Saisons Backup von Swayman. In der vergangenen Spielzeit wurde er 31-mal eingesetzt (28 Starts) und kam dabei auf eine Bilanz von 14-9-6 mit einem Gegentorschnitt von 3,15 pro Partie und einer Fangquote von 89,4 Prozent (ein Shutout). Das Trikot der Detroit Red Wings trägt nun Viktor Arvidsson. Der Stürmer hat in der vergangenen Saison mit 54 Scorerpunkten (25-29-54) in 69 Partien für Boston überzeugt, ging als Unrestricted Free Agent aber nach Michigan. Den umgekehrten Weg wie Peterka ging Andrew Peeke. Der Verteidiger unterschrieb einen Vertrag für die bevorstehende Saison bei den Utah Mammoth. In Boston kam er vergangene Saison in 77 Partien zum Einsatz, schoss fünf Tore und legte neun auf.

Schlüsselspieler

Pastrnak ist nach wie vor der unumstrittene Superstar im Kader der Bruins. Die vergangene Saison war für den Tschechen die vierte in Folge mit mindestens 100 Scorerpunkten (29-71-100). Auf den Top-Verdiener der Bruins wird es auch in der kommenden Saison ankommen. Noch 67 Scorerpunkte fehlen ihm, um die Marke von 1000 in seiner NHL-Karriere zu erreichen. Bei seinem Talent sollte diese Marke etwa um die Halbzeitmarke der Saison zu erreichen sein.

Spieler aus dem DACH-Raum

Man spricht Deutsch in Boston. Nach dem Trainer sind mit Peterka und Lukas Reichel zwei weitere Deutsche bei den Bruins, was dem Neuen die Eingewöhnung in der neuen Umgebung etwas einfacher gestalten sollte. Peterka hat in der vergangenen Saison für die Utah Mammoth 25 Tore geschossen und 22 Treffer vorbereitet. Er stand in allen 82 Partien der regulären Saison auf dem Eis. In Boston wird er eine Chance bekommen, sich in der ersten Sturmreihe mit Pastrnak zu beweisen. Reichel kam nach seinem Wechsel nach Boston in 2025/26 noch auf zehn Hauptrundenspiele für die Bruins, in denen er einen Treffer und zwei Assists beisteuern konnte. Zudem lief er in den Stanley Cup Playoffs einmal auf. Im Juni unterschrieb zudem der Schweizer Attilio Biasca einen Vertrag in Boston. Der 23-jährige Biasca bestritt in der Saison 2025/26 45 Spiele für den HC Fribourg-Gottéron in der Schweizer National League und erzielte dabei 15 Tore und zwölf Vorlagen für insgesamt 27 Punkte bei einer Plus/Minus-Bilanz von +20.

Die Top-5-Tore von JJ Peterka in der Saison 2025/26

Stärken

Letzter Platz in der Atlantic Division und mit 76 Zählern gemeinsam mit den Philadelphia Flyers das punktschlechteste Team der Eastern Conference – das waren die Bruins in der Saison 24/25. Dann übernahm Sturm das Kommando als Coach. Die Bruins schlossen die erste Spielzeit unter seiner Ägide mit satten 100 Punkten ab und kamen als Vierter der Atlantic Division in die Playoffs. Zu Platz eins fehlten am Ende nur neun Punkte. Jetzt soll der Sturm-Effekt fortgeführt werden. Der Deutsche hat die klare Aufgabe, die Mannschaft weiterzuentwickeln und die Leistung der vergangenen Saison nicht nur zu bestätigen. Denn die Erwartungen in der sportverrückten Metropole am Atlantik sind traditionell hoch.

Helfen wird bei dieser Mission, wenn sich die Sturmreihen, angeführt von Pastrnak, wieder so treffsicher zeigen wie in der vergangenen Saison. Mit 268 Toren belegten die Bruins am Ende der regulären Saison Platz zehn im ligaweiten Vergleich. Noch etwas weiter vorne landete das Powerplay. Mit einer Erfolgsquote von 23,4 Prozent belegten die Bruins in dieser Statistik am Ende Rang neun. Vor allem in den Duellen gegen die anderen Playoffteams wird es darauf ankommen, dass die Überzeahleinheiten liefern.

Die schönsten Tore der Bruins in der Saison 2025/26

Verbesserungspotenziale

Peterka auf Linksaußen, Pastrnak auf dem rechten Flügel. Doch wer soll die erste Sturmreihe als Center anführen? Den Bruins fehlt nach dem Karriereende von Patrice Bergeron ein Spieler, der die beiden Top-Spieler auf den Außen mit Vorlagen füttert. Verletzungen haben Elias Lindholm zurückgeworfen, dem diese Rolle eigentlich zugedacht war. Pastrnaks Landsmann Pavel Zacha hatte mit 30 Toren und 35 Vorlagen (30-35-65) vergangene Saison Karrierebestleistungen was Tore und Punkte angeht. Das brauchen die Bruins in jedem Fall wieder, wenn er noch mal den Zuschlag erhält. Eine Alternative wäre Fraser Minten, der in seiner ersten vollen Saison mit 17 Toren und 18 Vorlagen überzeugte. Oder die Bruins schauen sich noch auf dem Transfermarkt um. Vielleicht geht hier ja noch etwas.

Apropos Luft nach oben: So gut das Powerplay in der vergangenen Saison war, so sehr fiel das Unterzahlspiel leistungsmäßig ab. Mit 77 Prozent Erfolgsquote belegte Boston nach der regulären Saison in der NHL Platz 24. Hier muss wenigstens die Acht vorne stehen, wenn es sportlich noch weiter nach oben gehen soll.

Vielversprechende Talente

Nach dem Trade von Korpisalo zu den Rangers ist der Weg frei für Michael DiPietro, die Rolle des Backups von Swayman einzunehmen. In 45 Spielen für die Providence Bruins in der AHL kam der Keeper vergangene Saison auf eine beeindruckende Bilanz von 34-8-1. Dabei hatte er einen Gegentorschnitt pro Partie von 1,91 und eine Fangquote von satten 93,0 Prozent. DiPietro ist bereits 27 Jahre alt und hat schon vier Einsätze in der NHL absolviert (zwei Starts). Es wird jetzt Zeit für ihn, den nächsten Schritt zu gehen.

James Hagens hat gegen Ende der vergangenen Saison schon zweimal NHL-Luft schnuppern dürfen (0-1-1). Dreimal kam er in den Playoffs zum Einsatz. Welche Hoffnungen die Bruins mit ihm verknüpfen, wird dadurch deutlich, dass sie ihn 2025 im NHL Draft in der ersten Runde an siebter Stelle gezogen haben. Und: Hagens ist nominell auf der Centerposition zu Hause. Vielleicht bietet sich ihm ja die Chance auf den Platz zwischen Peterka und Pastrnak.

In der Verteidigung sind die Bruins schon sehr gut aufgestellt. Und doch könnte sich für Frederic Brunet die Chance ergeben, in den Kader zu rutschen. Einmal hat er schon NHL-Eis unter den Schlittschuhen gehabt. In der vergangenen Saison stand er allerdings lediglich für Providence in der AHL auf dem Eis. Sollte von den etatmäßigen Defendern einer ausfallen oder leistungsmäßig abfallen, hat Sturm mit Brunet einen Spieler, der auch weiß, wie man Tore schießt. In 65 Partien gelangen ihm vergangene Saison zwölf Tore und 24 Vorlagen.

Playoff-Chancen

Falls nicht irgendein Team eine Monstersaison hinlegt, deutet alles darauf hin, dass es wieder ein enges Rennen in der Atlantic Division wird. Da heißt es für das Team von Sturm, von Anfang an bereit zu sein und nicht schon in einer frühen Phase der Saison Punkte zu verschenken. Die Bruins haben durchaus das Zeug dazu, in diesem Rennen ein Wörtchen mitzureden, wenn sie noch einen Top-Center an Land ziehen können. Ein Selbstläufer wird die Playoffqualifikation nicht. Dazu haben die Teams, die es in der vergangenen Saison nicht geschafft haben, zu stark aufgerüstet, zum Beispiel die Florida Panthers.

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