Dass die acht Treffer gegen die Islanders kein Zufall waren, zeigt ein Blick auf die Playoff-Statistik der Lightning. Unter den verbleibenden vier Mannschaften traf kein Team häufiger pro Partie. 3,27 Tore erzielte Tampa Bay im Durchschnitt und liegt damit 0,1 Treffer vor den Islanders.
Gerade beim Fünf-Gegen-Fünf sind die Lightning herausragend. 37 Mal netzten sie in ihren 15 Partien bei regulärer Spielstärke beider Mannschaften ein. Lediglich ihr Kontrahent in den Conference Finals, die Islanders, kommen auf mehr Tore (38), benötigten hierfür aber auch drei Partien mehr (18).
Die offensive Dominanz zeigt sich auch beim Blick auf die Playoff-Top-Scorer. Point rangiert mit acht Toren und 15 Vorlagen auf dem zweiten Rang, hinter Nathan MacKinnon. Points Reihenkollege Kucherov folgt auf Rang drei mit sechs Treffern und 16 Assists. Auch von der eigenen blauen Linie kommt Unterstützung bei der Punkteausbeute. Mit Victor Hedman und Kevin Shattenkirk stehen zwei Lightning-Verteidiger unter den zehn punktbesten Defensivspezialisten.
Mit dem Ausfall von Steven Stamkos und dem mögliche Fehlen von Point - Coach Jon Cooper konnte am Tag nach der Partie noch keinen Ausblick auf einen Einsatz in Spiel 3 geben - stehen die Lightning vor der Herausforderung, die Offensive auch ohne die Top-Spieler abrufen zu können.
"Wir haben so einen tiefen Kader", antwortete Anthony Cirelli, angesprochen auf seine Ersatzrolle in der ersten Reihe nach dem Ausfall von Point. "Jeder in unserer Mannschaft kann spielen und hat die Fähigkeiten." Auf Cirelli wird es ebenso ankommen, wie auf Barclay Goodrow. Besonders wenn sich die Ausfälle bestätigen. "Diese zwei Spieler sind ein wichtiger Teil unserer Aufstellung", bestätigte Goodrow die Bedeutung von Stamkos und Point. "Wir hatten immer die Einstellung, dass der Nächste einspringen muss, wenn ein Spieler ausfällt. Ich denke, es braucht jeden, um ihre Ausfälle zu kompensieren."
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Defensiveschlacht mit schrecklich schönem Ende
Den Lightning haftet häufig das Image eines Offensive-Zuerst-Teams an. Dieses Image haben sich die Protagonisten in den vergangenen Jahren hart erarbeitet. 319 Treffer in der Saison 2018/19 waren der Bestwert in der NHL seit den Pittsburgh Penguins 1995/96 (362). Doch gerade in den Stanley Cup Playoffs 2020 zeigt die Mannschaft von Jon Cooper besondere Qualitäten im eigenen Drittel.
2,20 Gegentreffer pro Partie sind der Lohn für eine Entwicklung der Lightning zu einer Zwei-Wege-Mannschaft. "Das gesamte Jahr über haben wir trainiert richtig zu spielen und in unseren Systemen zu bleiben. Es ist egal ob viele Tore fallen oder wir hinten dicht machen müssen", beschrieb Cirelli die Evolution der Lightning. "Natürlich versuchst du so viele Tore zu schießen wie du kannst, aber gut defensiv zu spielen und die richtigen Entscheidungen zu treffen funktioniert für uns als Team. Wenn wir 2:1 gewinnen müssen, dann muss es so funktionieren." Lediglich die Golden Knights sind unter den verbleibenden Mannschaften noch gefestigter in der eigenen Zone und kassieren lediglich 2,12 Gegentreffer pro Partie.
Für Cooper ist es besonders von Bedeutung, dass er "in jeder Situation" mindestens einen herausragenden Verteidiger auf dem Eis hat. Victor Hedman und Ryan McDonagh lobte der Trainer am Tag nach dem zweiten Erfolg über die Islanders besonders. "Du brauchst in den wichtigen Momenten die wichtigen Spieler", gab der Coach zu bedenken. "McDonagh bekommt nicht die Aufmerksamkeit wie Hedman, weil er mehr auf die Defensive bedacht ist. Aber irgendwer, abgesehen von Hedman, muss gegen die Top-Spieler spielen."
Am Mittwoch erlaubte es der Fokus auf die Defensive den Lightning eine offensiv weniger produktive Leistung doch mit einem Sieg zu krönen. Nach dem frühen Rückstand konzentrierte sich Tampa Bay auf das eigene Drittel und vertraute darauf, dass sie aufgrund ihrer Torgefahr treffen werden. Neun Sekunden vor Schluss gab es die Belohnung in Form des Siegtreffers, vorbereitet durch den defensiver denkenden McDonagh.