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Manchmal gibt es Spiele, in denen alles zu funktionieren scheint. Es sind Spiele, in denen gefühlt jeder Schuss im Tor landet und die Zuschauer in eine totale Euphorie verfallen. "Wir wollen zehn, wir wollen zehn", riefen die Fans der Florida Panthers, nachdem Aleksander Barkov in Unterzahl zum 9:3 getroffen hatte. Meist ereignen sich solche Spiele gegen Mannschaften, die ohnehin am Boden liegen und kein Selbstvertrauen haben.

Am Donnerstag war der Gegner allerdings die Tampa Bay Lightning. Jene Mannschaft also, die in den vergangenen beiden Spielzeiten den Stanley Cup gewann und auch in der laufenden Spielzeit die punktbeste Mannschaft der gesamten NHL ist. "Es war großartig", sagt der Torschütze Anton Lundell. "Wir wollten von Anfang an den Weg vorgeben. Es sind immer gute Spiele gegen die Lightning. Sie sind ein wirklich gutes Team und es war ein wirklich harter Kampf. Aber wir waren vorbereitet."
Der große Unterschied der beiden Mannschaften war die Effektivität. Tampa Bay hatte mit 42 Torschüssen zwar mehr Abschlüsse zu verbuchen, konnte Goalie Spencer Knight allerdings nur drei Mal überwinden. Die Panthers gaben 37 Torschüsse ab. Das heißt: Nahezu jeder vierte Schuss von Florida landete im Netz.

Anthony Duclair traf gleich zwei Mal und bereitete zudem einen Treffer vor. Der Flügelstürmer (12 Tore, 9 Assists) befindet sich in einer herausragenden Form und hatte bereits am Vortag das spielentscheidende Tor gegen die New York Rangers erzielt. "Er ist unfassbar", lobt Barkov. "Er ist ein großartiger, großartiger Hockeyspieler. Er ist ein toller Kerl und macht wirklich gute Dinge auf dem Eis. Er ist immer gefährlich. Er ist immer da, um ein Tor zu schießen, einen Breakaway zu bekommen und schöne Spielzüge zu machen. Ich freue mich sehr für ihn und bin froh, dass wir ihn an unserer Seite haben."
Außer Duclair trafen auch Lundell, Barkov, Jonathan Huberdeau, Frank Vatrano, Eetu Luostarinen, Maxim Mamin und Aaron Ekblad. Heißt also: Acht unterschiedliche Spieler trugen sich in die Torschützenliste ein, 15 Akteure in die Scorer-Liste "Wir haben viel Tiefe in unserer Aufstellung. Wenn alle gesund sind, zeigt sich das", lobt Huberdeau.
Der Flügelspieler war dabei ein besonders wichtiger Faktor. Huberdeau hatte nicht nur selber getroffen, sondern auch vier Tore vorbereitet. Mit insgesamt 27 Assists steht er gemeinsam mit Nazem Kadri von der Colorado Avalanche auf Platz 2 der NHL. Der einzige Spieler, der mit 33 Assists noch mehr Tore vorbereiten konnte, ist Connor McDavid von den Edmonton Oilers. Huberdeau weiß seine eigenen Qualitäten richtig einzuschätzen: "Ich bin nicht der schnellste Typ. Aber ich denke, ich benutze die Toolbox, die ich habe, nämlich meine Vision und meine Passfähigkeiten."

Florida ist das erste Team in dieser Saison, welches neun Tore in einem Spiel erzielte. Den Panthers gelang so etwas besonders lange nicht mehr. Die letzte Partie mit mindestens neun Toren ereignete sich für dieses Franchise am 26. November 1997, als die Boston Bruins mit 10:5 bezwungen wurden.
Kantersiege in dieser Höhe gegen den amtierenden Stanley-Cup-Champion sind ohnehin selten. In der langen Geschichte der NHL gab es lediglich neun Teams, die gegen den Titelverteidiger mehr Treffer erzielten. In den vergangenen 29 Jahren vollbrachte dies sogar nur eine Mannschaft: Die Chicago Blackhawks bezwangen zum Saisonauftakt 2017/2018 die Pittsburgh Penguins mit 10:1.
Die Panthers scheinen mit der Gala-Vorstellung ihre zwischenzeitliche Durststrecke endgültig überwunden zu haben. Vor der Weihnachtspause verloren sie erstmals in dieser Saison drei Spiele in Folge. Der Tiefpunkt war das 2:8 gegen die Ottawa Senators. Seit der Unterbrechung ist von der zwischenzeitlichen Formkrise allerdings nichts mehr zu sehen. Im Gegenteil: Mittwoch ereignete sich das 4:3 gegen die New York Rangers, ein Tag später der Kantersieg gegen Tampa Bay.
Dadurch sind die Panthers in der Atlantic Division bis auf zwei Punkte an Tampa Bay herangerückt, haben dabei ein Spiel weniger bestritten. Ebenfalls beachtlich: Mit durchschnittlich 3,74 Toren pro Spiel steht Florida hinter der Colorado Avalanche (4,22) auf Platz 2 der NHL.

Für Florida dürfte der Sieg gegen die Lightning eine besondere Genugtuung gewesen sein, weil sie in der vergangenen Saison in den Stanley Cup Playoffs gleich in der 1. Runde an Tampa Bay gescheitert sind. Lightning-Trainer Jon Cooper stellte fest: "Wir haben zu viele Chancen gegen ein wirklich gutes Team vergeben, das uns schlagen wollte. Gegen ein Team, das wir in den Playoffs geschlagen haben und welches das nicht vergessen hat. Was heute Abend passiert ist, werde ich nicht vergessen."
Tampa Bay kann bereits am heutigen Freitag (7:00 p.m. ET; NHL.tv; Sa. 1 Uhr MEZ) im Spiel gegen die New York Rangers eine Reaktion zeigen. Für die Panthers geht es am Samstag (1:00 p.m. ET; NHL.tv; 19 Uhr MEZ) mit dem Heimspiel gegen die Montreal Canadiens weiter.