SJS@COL: Grubauer feiert den 6. Shutout der Saison

Der erste Besuch von Philipp Grubauer in seiner neuen Heimat Seattle am vergangenen Wochenende hat die Begeisterung über seine neue Wirkungsstätte noch einmal gesteigert. Gut einen Monat nach seiner Entscheidung als Free Agent, einen der Titelfavoriten, die Colorado Avalanche, als Nummer 1 zu verlassen und einen Vertrag über sechs Jahre mit einem durchschnittlichen Jahresgehalt von 5,9 Millionen US-Dollar beim NHL-Neuling Seattle Kraken zu unterschreiben, schnupperte der Rosenheimer im Nordwesten der USA erstmals die Seeluft seiner neuen Stadt.

Im exklusiven Interview mit NHL.com/de äußert sich Grubauer über seine ersten Tage in Seattle und seine gemachten Erfahrungen, aber auch noch einmal rückblickend zu den entscheidenden Tagen Ende Juli, als sein Wunsch weiter in Colorado zu spielen, jäh zerplatzte.
Ähnliches: [Grubauer ist bereit 'der Junge' für Kraken zu sein]
Wie siehst du deine Entscheidung in Seattle zu unterschreiben einen Monat danach?
"Colorado und besonders Denver ist in den letzten drei Jahren eine Heimat geworden. Von daher war es auf der einen Seite schon eine große Nummer. Wenn man mal Zeit hat darüber nachzudenken, weil ja alles sehr schnell ging, dann freut man sich auf der anderen Seite auch wieder, weil Seattle von der Stadt und der Organisation sehr viel zu bieten hat. Was man dort aufbauen kann, ist unglaublich."
Inwiefern haben sich die Avalanche durch die großen Verträge für Cale Makar und Gabriel Landeskog etwas verpokert, dass es bei dir am Ende nicht für eine Verlängerung gereicht hat?
"Es kann sein, dass sie sich verpokert haben, aber das will ich nicht beurteilen. Beim Landy (Landeskog) hat es auch fast bis zur letzten Minute gedauert. Es war ja nicht so, dass sie erst seit gestern wussten, dass die Verträge auslaufen. Das war schon lange klar und meiner Meinung nach haben sie vielleicht mit den Verhandlungen zu spät angefangen. Mich hätte es natürlich gefreut, wenn ich in Denver geblieben wäre. Man hat sich hier etwas aufgebaut und auch die Mannschaft wird in den nächsten Jahren extrem gut sein. Das ist natürlich schade und enttäuschend. Wenn man früher drüber gesprochen hätte, hätte man sich natürlich einigen können. So war plötzlich Zeitdruck da."

makar grubauer

War die Vertragslaufzeit oder das Gehalt das entscheidende Kriterium?
"Mir war das Geld nicht wichtig, sondern nur die Vertragslaufzeit. Ich werde jetzt auch 30, wenn du da einen Zwei- oder Dreijahresvertrag unterschreibst, dann ist immer das Risiko im letzten Vertragsjahr, dass du ein schlechtes Jahr hast und schon wieder um einen neuen Vertrag kämpfen musst oder am Ende vielleicht sogar aus der Liga rausfällst. Sechs Jahre mit diesen Statistiken, die ich in den letzten Jahren hatte, gab es entsprechende Vergleichswerte so wie bei Markström, Binnington und Fleury. Deswegen waren mir die sechs Jahre wichtiger als das Geld."
Inwiefern spielten nach den dreimaligen Scheitern in der zweiten Playoff-Runde und den Einbußen in der Tiefe vom Kader durch Spielerabgänge Zweifel bei dir mit, dass es bei den Avalanche mit dem Stanley Cup klappen wird?
"Die Entscheidung nach Seattle zu gehen, war nicht von den zu verzeichnenden Abgängen der Avalanche abhängig. In Colorado haben sie Probleme mit dem Salary Cap. Ein größerer Punkt wäre gewesen, wenn der Gabe irgendwo hingegangen wäre, weil dann der Kern der Mannschaft auseinandergefallen wäre. Sie werden in den kommenden Jahren weiterhin eine sehr gute Mannschaft stellen, weil alle noch jung sind. Auch wenn wir in den letzten drei Jahren in der zweiten Runde rausgeflogen sind, besteht weiterhin in Colorado die Möglichkeit zu gewinnen."
Was hat bei dir den Ausschlag gegeben, von einem Titelanwärter zu einem Neuling zu wechseln?
"Es ist eine neue Stadt, eine neue Mannschaft, die Fans sind dementsprechend heiß. Es ist eine supertolle moderne Arena, die erst im Oktober fertig werden wird. Ich sehe das genauso, wie das Vegas damals gemacht hat, mit viel Hysterie in die Liga reinzukommen und gleich bis ins Stanley Cup Finale durchzumarschieren. Klar, dass wir uns erst einmal einspielen und finden müssen. Natürlich werden da Fehler gemacht und wir müssen uns daraus zu einem Spitzenteam entwickeln. Dieser Prozess gehört einfach dazu. Ich finde es klasse bei dem Neuaufbau dabei zu sein. Ich habe jetzt sechs Jahre unterschrieben und freue mich, die Säule für Seattle sein zu dürfen."
Wieviel Verantwortung mehr siehst du in Seattle auf dich zukommen?
"Je mehr Spiele man unter dem Gürtel hat und je älter man wird, je mehr Erfahrung dahinterkommt, desto größer wird die Verantwortung, die man übernehmen muss. Ich sehe keinen größeren Druck darin, aber ich finde es schön zu sehen, dass sie mich unbedingt wollten. Dann bin ich umso mehr bereit für die Stadt, die Organisation und die Fans alles zu geben. Es wird spannend."

Kraken_SpaceNeedle

Welche Verpflichtungen und Transfers der Kraken stimmen dich für Erfolge bereits im ersten Jahr hoffnungsfroh?
"Es ist schwer zu sagen. Wir haben keinen Superstar wie einen Ovechkin oder Crosby dabei. Wir sind sehr solide aufgestellt und es dürfte eine sehr hart arbeitende Mannschaft werden. Auch wenn es schwierig ist, schon jetzt ohne absolviertes Spiel eine Prognose abzugeben. Es wird keine Mannschaft sein, die wie Colorado in jedem Spiel offensiv Gas gibt, sondern unser Schwerpunkt wird erst einmal sein, aus einer verstärkten Defensive heraus zu agieren. Dementsprechend wurden in der Verteidigung gute Transfers und Verpflichtungen getätigt."
Du warst unter den drei Finalisten für die Vezina Trophy: Siehst du dich im Kreis der ultimativen Weltklasse-Goalies angekommen?
"Nein, das würde ich nicht so sehen. Du musst dich jedes Jahr wieder neu beweisen. Nur weil du einmal mit dabei warst, heißt das ja nicht, dass es immer so sein wird. Nächste Saison geht es von vorne los. Wenn ich dasselbe wieder leisten kann, mit diesen Statistiken und der Anzahl an Siegen, dann wäre es überragend."

Highlights von Philipp Grubauer

Welche Lehren ziehst du aus der vergangenen Saison?
"Es gibt immer Sachen, die man jedes Jahr verbessern kann. Vielleicht wieder das Spiel eine halbe Sekunde schneller zu lesen und sich in gewissen Situationen besser zu positionieren, um den entscheidenden Save zu machen. Ich denke, dass ich in diesem Jahr wieder einen Schritt nach vorne gemacht habe und genau das ist das Ziel. Immer wieder Verbesserungen in seinem Spiel zu erreichen und wenige Durchhänger zu haben. Natürlich kann es Verletzungen geben oder eine Saison, in der man nicht so gut ist. Aber ich bekomme auch in Seattle wieder einen neuen Torwarttrainer, der wieder neue Impulse hereinbringt und seine Augen genau auf mich richten wird."
Welchen Eindruck hast du bei deinem ersten Besuch von Seattle bekommen?
"In zwei Tagen ist es etwas schwer, ein Gefühl für die Stadt zu entwickeln. Aber was wir so in der Zeit, die wir vor Ort waren gesehen haben, ist es eine sehr, sehr schöne Stadt. Es gibt einen herrlichen Ausblick auf das Wasser. Es kommt mir ein bisschen so vor, wie ein Mix zwischen Vancouver und Gardasee. Stadion und Trainingshalle sind Weltklasse. Alles ist neu und zum Teil auch noch gar nicht fertig. Es wird spannend und ich freue mich richtig darauf, dass es bald losgeht."
Ähnliches: [Kuemper tritt in Grubauers große Fußstapfen]
Wen hast du getroffen?
"Mit den Fitnesstrainern und den Physios sowie den Equipmentmanagern und Videocoaches. Ich kenne in der Organisation einige, mit denen ich schon in Washington oder woanders zusammengearbeitet habe. Die meisten Trainer waren noch nicht vor Ort und kommen erst nach dem Labour Day, also nächste Woche nach Seattle. Ich habe also schon mal einer guten Anzahl von Leuten Servus gesagt und sie kennengelernt. Alle waren sehr nett."
Die Climate Pledge Arena, zu Deutsch Klimaversprechen, wird ja etwas ganz Besonderes. Hast du schon mal einen Blick reinwerfen können?
"Nein, leider noch nicht, denn die wird ja erst Mitte Oktober fertig werden. Ich war erst nur in der Trainingsarena. Hoffentlich geht es dann auch bald in die Climate Pledge Arena rein und man kann sich das Ganze mal anschauen. Was die da geplant und auf die Beine gestellt haben, muss gigantisch sein, weil ich glaube, es ist das erste Stadion auf der Welt, das CO2-neutral und damit sehr umweltschonend betrieben wird."
Wie geht es jetzt für dich weiter?
"Wir sind zurück in Denver und packen langsam unsere Koffer. In den nächsten Wochen, irgendwann im September, geht es dann zurück und endgültig nach Seattle. Wir freuen uns darauf."