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Ab Mitte September beginnen in der NHL die Trainingscamps zur Vorbereitung auf die Saison 2021/22. Vom 16. August an nimmt NHL.com/de in der Serie 32 in 32 jedes Team der Liga genauer unter die Lupe. Die Bestandsaufnahme umfasst die wichtigsten personellen Veränderungen, die Schlüsselspieler, die Stärken und Schwächen sowie die Playoff-Chancen der Klubs.
In dieser Ausgabe: Colorado Avalanche

Dieser Abgang stand so nicht im Plan: Dass den Colorado Avalanche wichtige Verhandlungen bevorstehen würden, war schon vor der Saison 2020/21 klar: Mit Stammtorwart Philipp Grubauer, Verteidiger-Shootingstar Cale Makar sowie Kapitän und Erstreihen-Stürmer Gabriel Landeskog gingen gleich drei wichtige Säulen in ihr letztes Vertragsjahr. General Manager Joe Sakic schaffte es, Makar (Sechsjahresvertrag für 54 Millionen US-Dollar) und Landeskog (Achtjahresvertrag für 56 Mio.) zu halten. Nicht einigen konnte sich der GM allerdings mit Grubauer, der sich daraufhin ohne Gegenwert als Free Agent dem Liga-Neuling Seattle Kraken anschloss (Sechsjahresvertrag für 35,4 Mio.).
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Bilanz 2020/21:39-13-4, 1. Platz in der Honda West Division
Postseason 2021: Stanley Cup Second Round (2:4 gegen die Vegas Golden Knights)
Trainer: Jared Bednar, 6. Saison
Zugänge: G Darcy Kuemper, D Ryan Murray, F Darren Helm, F Mikhail Maltsev
Abgänge: G Philipp Grubauer, D Ryan Graves, D Patrik Nemeth, F Pierre-Edouard Bellemare, F Joonas Donskoi, F Brandon Saad, F Conor Timmins
Zweifelsohne ist der Verlust von Grubauer ein herber Schlag für die Avalanche, denn er entwickelte sich in den drei Jahren in Denver nicht nur zum Leistungsträger, Führungsspieler und Publikumsliebling, sondern auch zu einem der besten Torhüter in der gesamten NHL: In 39 Starts hielt der Rosenheimer unglaubliche 30 Siege und sieben Shutouts fest, stellte mit einem Gegentorschnitt von 1,95 sowie einer Fangquote von 92,2 Prozent überragende Statistiken auf und war schlussendlich unter den drei Finalisten für die Vezina Trophy (bester Torwart der Saison, zusammen mit Gewinner Marc-Andre Fleury von den Vegas Golden Knights und dem Zweitplatzierten Andrei Vasilevskiy von den Tampa Bay Lightning). Die durchdringenden "Gruuu!"-Rufe der Fans nach den Saves des Deutschen werden in der Ball Arena also vorerst nicht mehr zu hören sein.
Wer also soll diese klaffende Lücke füllen?
Trade mit den Coyotes
Sakic war zum Handeln gezwungen und beantwortete diese Frage mit: Darcy Kuemper. Hierfür fädelte der GM einen Trade mit den Arizona Coyotes ein und opferte für den neuen Starter Colorados Erstrunden-Pick beim NHL Draft 2022 sowie Sturm-Talent Conor Timmins.
"Mit Darcy bekommen wir einen zuverlässigen Torwart, der sich bewiesen hat und im Alter von erst 31 Jahren tonnenweise NHL-Erfahrung mitbringt", meinte Sakic. "Natürlich mussten wir die Torhüterposition verstärken und wir glauben, dass Darcy jemand ist, der einspringen und das schaffen kann. Wir spüren sehr großes Vertrauen in unser Torhüter-Tandem für die Saison 2021/22."

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Kaum Nummer-1- und Playoff-Erfahrung
Kuemper kommt mit 242 NHL-Spielen im Gepäck nach Colorado. In bislang neun NHL-Spielzeiten lief der Kanadier für die Minnesota Wild, Los Angeles Kings und Arizona Coyotes auf, war allerdings nur in der Saison 2018/19 bei den Coyotes die klare Nummer 1. Zuletzt teilte sich der Linksfänger die Einsätze in Arizona mit Antti Raanta und Adin Hill, kam 2020/21 auf 27 Starts, zehn Siege, zwei Shutouts, 2,56 Gegentore/Spiel und 90,7 Prozent Fangquote.
Als Backup von Kuemper ist der gleichaltrige Tscheche Pavel Francouz (31) vorgesehen, der in der vergangenen Saison verletzungsbedingt kein einziges Spiel absolvieren konnte. Die Avalanche gehen auf der Goalie-Position also durchaus ins Risiko.
Zumal Kuemper den klaren Auftrag hat, für einen langen Playoff-Run zu sorgen. Insbesondere aber in der Endrunde fehlt dem 1,95 Meter großen und 98 Kilogramm schweren Schlussmann die so wichtige Erfahrung: Er kam lediglich in 18 Playoff-Spielen zum Einsatz (2,86 Gegentore/Spiel, 91,3 Prozent Fangquote).

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WM-Gold mit Kanada
Dass der aus Saskatoon stammende Torwart jedoch auch in wichtigen Spielen bestehen kann, zeigte er jüngst bei der Weltmeisterschaft 2021 in Riga: Mit Kuemper zwischen den Pfosten gewann die kanadische Nationalmannschaft die Goldmedaille. Die Statistik des Keepers: Acht Spiele, fünf Siege (5-2-1), 2,17 Gegentore/Spiel und 91,6 Prozent Fangquote. Kann sich Kuemper also auch in Colorado zu einem Championship-Goalie steigern?
Baustelle könnte bestehen bleiben
Insgesamt geben die Avalanche mit Kuemper (3,5 Mio., bis 2022) und Francouz (2,0 Mio., bis 2022) gerade einmal 5,5 Millionen US-Dollar für ihr Goalie-Gespann aus. Somit kostet das Tandem zusammen weniger als Grubauer in einem Jahr in Seattle verdient.
Die Torhüter-Position aber dürfte eine Baustelle bleiben, denn die Verträge von Kuemper und Francouz laufen zum Saisonende aus. Sakic hat nun erneut ein Jahr Vorlauf, um die Weichen auf dieser Schlüsselposition zu stellen.