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Marcel Goc nimmt zur NHL Stellung

Der ehemalige NHL-Stürmer schreibt in seiner exklusiven Kolumne über das All-Star Game, Leon Draisaitl, Moritz Seider uvm.

von Marcel Goc @NHLde / exklusiv für NHL.com/de

Marcel Goc gehörte für den Zeitraum der Jahre 2005 bis 2015 zu den Aushängeschildern des deutschen Eishockeys in der NHL. Der heute 35-jährige Stürmer der Adler Mannheim wurde beim NHL Draft 2001 von den San Jose Sharks an insgesamt 20. Position in der ersten Runde gedraftet und absolvierte in der regulären NHL-Saison 636 Spiele mit erzielten 75 Toren und 113 Assists sowie 63 Spiele der Stanley Cup Playoffs mit fünf Toren und zehn Assists. Der langjährige Kapitän der deutschen Nationalmannschaft und Silbermedaillengewinner bei Olympia 2018 wird in einer regelmäßigen Kolumne exklusiv für NHL.com/de seine Ansichten zu Teams, Spielern und brennenden Fragen teilen.

Hier die neueste Ausgabe:

Am Wochenende steht das All-Star Game in San Jose an, das gerade auch aus deutscher Sicht sehr freudig erwartet wird. Mit Leon Draisaitl ist nach Olaf Kölzig, Uwe Krupp und Marco Sturm zum vierten Mal ein deutscher Spieler dabei. Wenn du dort antreten darfst, dann gehörst du zur Elite der Elite und es ist ein besonderer persönlicher Erfolg. Beständige Leistungen sind dafür unbedingt notwendig und die zeigt Leon schließlich. Ich freue mich unheimlich für ihn, dass er von den Fans noch hineingewählt wurde und dabei sein darf.

 

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Natürlich gehen diese drei Tage von der Erholung weg, die andere Spieler durch die Spielpause haben, aber in diesem Fall nimmt man das gerne auf sich. Es ist ein Riesen-Event und der Fokus liegt sicher nicht darauf, dass es körperlich anstrengend ist, sondern mehr auf der Show. Der Spaß steht im Vordergrund. Es soll ein schönes Erlebnis sein, auf das sie gerne zurückblicken. Trotzdem kommt natürlich der Ehrgeiz durch, wenn die Spiele knapp stehen. Das sieht man durchaus als Zuschauer, wenn plötzlich mehr Gas gegeben wird, weil gewinnen will schließlich jeder. Aber fast alle Top-Spieler auf einem Fleck bekommt man eben nur beim All-Star Game geboten, was seinen besonderen Reiz ausmacht.

Alle Mannschaften haben rund um das All-Star Game ihre von der Liga verordnete fünftägige Pause, die durch das Event länger ausfällt. Wenn diese gut genutzt wird, dann ist sie auf jeden Fall von Vorteil. Die Saison ist sehr lang und auch von der körperlichen Belastung intensiv. Von daher, wenn ein paar Tage herausspringen, an denen man mental abschalten und sich körperlich auskurieren kann, dann ist das nur positiv. Manche Spieler fliegen ein paar Tage weg, was ich persönlich nicht so optimal finde, weil man während der Saison schon genug reist und es meiner Meinung nach keine richtige Erholung ist. Wir sind früher immer zu Hause geblieben und ich habe die freie Zeit mit der Familie genossen und mit den Kindern etwas unternommen. Schließlich ist man ja die halbe Saison unterwegs und übernachtet in irgendwelchen Hotels. In der Regel bekommt man aber vom Fitnesstrainer trotzdem ein Programm mit Übungen, die man absolvieren sollte.

Video: CAR@EDM: Draisaitl kommt per Onetimer zu seinem 100.

Doch zurück zu Leon. Er erzielte in dieser Woche sein 100. NHL-Tor, wozu ich ihm nur gratulieren kann. Es zeigt einfach seine Qualitäten und was für ein Ausnahmespieler er ist. Ich hatte zwar eine andere, weniger spektakuläre und defensivere Rolle in meinen Mannschaften, aber ich habe in der gesamten NHL-Karriere nur 75 geschossen. Seine Nominierung zum All-Star Game zeigt, welchen Status er sich mittlerweile in der NHL erarbeitet hat und wir in Deutschland können nur froh darüber sein, dass es ihn gibt und er, wenn auch auf der anderen Seite des Teiches, für Schlagzeilen sorgt.

Für sein Team, die Edmonton Oilers, sehe ich die Situation schon schwierig und ich bin mir nicht sicher, ob sie es in die Playoffs schaffen werden. Sie haben hohe Ansprüche und eine sehr talentierte Mannschaft. Sie wollen mehr erreichen und das zeigte auch der Trainerwechsel von Todd McLellan zu Ken Hitchcock im November. Im Dezember schaute es so aus, als ob sie sich gefangen hätten, doch danach verloren sie wieder regelmäßig. Dadurch sind sie abgefallen. Selbst kleine Rückstände sind in der NHL häufig nur sehr schwer aufzuholen und je länger die Saison andauert desto schwieriger wird es, denn die Intensität nimmt zum Ende ohne Zweifel zu. Es ist deswegen keine einfache Phase, die sie durchmachen und sie müssen schnell die Kurve kriegen.

Es kann ein Segen oder Fluch sein, dass es in der Western Conference derzeit so brutal eng steht. Natürlich kannst du schnell in die Playoff-Plätze vorrutschen, aber ebenso schnell abrutschen, denn von den vielen Teams, die beieinander liegen, gewinnen immer ein paar. Und wenn du deine Spiele nicht gewinnst oder zu wenig punktest, dann reicht es nicht. Es klingt zwar plump, aber du musst entweder eines mehr schießen oder eines weniger kassieren. So ist das! Schon zu meiner Zeit war es unglaublich wichtig, konstant zu spielen und regelmäßig zu punkten. Wenn wir das nicht geschafft haben, haben wir die Playoffs auch nicht erreicht.

 

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Wer auf einem beeindruckend guten Kurs ist, das sind die New York Islanders. In meiner Zeit waren sie immer ein sehr unangenehmer Gegner, weil sie sehr viel Leidenschaft und Kampf ins Spiel einbrachten. Doch am Ende der Saison hat es häufig nicht gereicht und sie sind abgefallen, wenn es ernst wurde. Trotz des Abgangs von John Tavares im Sommer sind sie jetzt gut dabei. Es scheint, dass sie den Lauf gefunden haben, den ich vorhin beschrieben habe. Ein Spruch sagt ja, man muss erst verlieren, um zu wissen, was es braucht, um zu gewinnen. Das scheint auf die Islanders zuzutreffen.

Interessiert habe ich das Midterm Ranking der Scouts für den NHL Draft 2019 aufgenommen, in dem mein Mannheimer Teamkollege Moritz Seider auf dem 6. Platz der internationalen Skater geführt wird. Eine hervorragende Platzierung für ihn, aber vollkommen zu Recht. Ich meine mich zu erinnern, dass ich damals an 12. Stelle vom Ranking war und wurde in der ersten Runde gedraftet. Er weiß, dass es ein wichtiges Jahr für ihn ist, aber ich denke er hat die Bodenständigkeit, das gut zu meistern. Er ist sich bewusst, dass noch ein weiter Weg vor ihm liegt, aber er könnte ein weiteres Aushängeschild für Deutschland werden. Die körperlichen Voraussetzungen hat er durch seine Größe und trotz dieser steht er unglaublich gut und robust auf den Schlittschuhen. Bei der U20-Weltmeisterschaft muss er sehr gut gespielt haben, obwohl er frisch aus einer Verletzung kam. Das alles blieb den Scouts nicht verborgen. Wenn er jetzt seine Leistung weiter bestätigt, wovon ich ausgehe, dann wird er beim Draft im kommenden Sommer hoffentlich dafür belohnt.

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