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Es war kein gewöhnlicher Nachmittag in der Santagiulia Ice Hockey Arena in Mailand. Als die Schweizer Nationalmannschaft am Sonntag das Eis betrat, um gegen Tschechien bei den Olympischen Winterspielen Milano Cortina 2026 um den zweiten Platz in der Gruppe A zu kämpfen, schwang eine spürbare Schwere mit. Der Ausfall von Kevin Fiala, der sich im vorangegangenen Spiel gegen Kanada verletzt hatte, wog schwer – sportlich wie menschlich.

Roman Josi, der Kapitän der Eidgenossen, war es, der voranging. Er glänzte nicht mit lauten Worten, sondern mit Taten, und führte die Schweiz zu einem dramatischen 4:3-Sieg nach Verlängerung.

Die Partie begann zunächst schwierig für die Eidgenossen, die ohne drei Stammkräfte antreten mussten. Tschechien nutzte die anfängliche Findungsphase der neu formierten Schweizer Reihen und ging durch Filip Chlapik in Führung. Es war der Moment, in dem das Spiel in beide Richtungen hätte kippen können. Doch Josi entschied sich, das Heft des Handelns in die Hand zu nehmen.

Ein Anführer, wenn es darauf ankommt

Der Verteidiger der Nashville Predators demonstrierte eindrucksvoll, warum er zu den besten Spielern der Welt auf seiner Position gehört. Als die Schweiz im zweiten Drittel dringend einen Impuls benötigte, erzwang Josi den Ausgleich förmlich. Er zog energisch über die rechte Seite vor das Tor, brachte die Scheibe in die Gefahrenzone und profitierte davon, dass sein Pass unglücklich für die Tschechen zum 1:1 ins eigene Netz abgefälscht wurde. Es war ein Tor des Willens.

Nur Augenblicke später zeigte Josi dann seine ganze spielerische Klasse. Im Powerplay orchestrierte er das Geschehen von der blauen Linie aus. Mit perfektem Timing feuerte er einen Direktschuss ab, den Lukas Dostal im tschechischen Tor nur prallen lassen konnte. Timo Meier stand goldrichtig und verwertete den Rebound zur 2:1-Führung.

Innerhalb von zwei Minuten hatte der Kapitän das Spiel gedreht. Einmal durch puren Einsatz, einmal durch überragende Übersicht und Technik. „Er ist ein wirklich guter Spieler, jeder weiß das“, zollte Teamkollege Dean Kukan Anerkennung. „Er macht das in der NHL seit Jahren so. Es ist einfach schön, einen solchen Spieler im Team zu haben und zu sehen, wie er sich verhält und wie er spielt.“

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Die offensiven Rollen von Moser und Josi

Auf dem Eis übersetzte sich dieser Wille in eine bemerkenswerte Spielfreude, besonders im Zusammenspiel zwischen Josi und seinem Verteidigungspartner Janis Moser. Die beiden harmonierten blind und interpretierten ihre Rollen extrem offensiv. Moser beschrieb das Erlebnis an der Seite des Kapitäns als großen Spaß. „Er geht immer nach vorne, spielt aktiv, und ich möchte ähnliche Dinge tun“, erklärte Moser die Dynamik.

Das Duo agierte dabei oft wie zwei zusätzliche Stürmer, die abwechselnd tief in die gegnerische Zone vorstießen. Moser nannte es „Roaming around“ – ein freies Umherfahren, das für den Gegner kaum zu greifen ist. „Wenn es passiert, dass zwei Verteidiger einen Angriff anführen, ist es cool, diese Verbindung zu haben“, so Moser weiter.

Die Basis für diesen risikoreichen Stil ist die läuferische Klasse beider Akteure. Da sowohl Josi als auch Moser exzellente Schlittschuhläufer sind, können sie das Spiel lesen und blitzschnell umschalten, um defensive Lücken wieder zu schließen, falls der Puck verloren geht.

Der sichere Rückhalt

Dass sich die Verteidiger diese Ausflüge überhaupt erlauben können, liegt auch an der Versicherung, die zwischen den Pfosten steht. Leonardo Genoni erwies sich gegen die offensivstarken Tschechen einmal mehr als der gewohnt sichere Rückhalt. Nico Hischier sparte nicht mit Lob für den Routinier: „Er ist definitiv einer der legendären Torhüter in der Schweiz. Ich kenne ihn schon aus dem Fernsehen, als ich noch jung war.“ Genoni lese das Spiel so gut, dass Hischier selbst im Training fast verzweifle, um gegen ihn zu treffen.

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Diese Sicherheit im Rücken ermöglichte auch die entscheidende Szene in der Verlängerung. Nachdem Tschechien kurz vor Ende der regulären Spielzeit durch Martin Necas zum 3:3 ausgeglichen hatte, war es Dean Kukan, der in der Verlängerung zum Helden wurde.

Mit Charakter in die Crunchtime

Der Sieg war ein wilder Ritt mit vielen Aufs und Abs, doch genau das macht den Reiz eines olympischen Turniers aus. „Es ist Olympia, man muss es einfach annehmen“, fasste Josi die Achterbahnfahrt der Gefühle zusammen. In einem Spiel, in dem die Führung mehrfach wechselte und die Intensität stetig zunahm, behielt die Schweizer Auswahl kühlen Kopf.

Josi hob besonders die Atmosphäre hervor, die das Team durch die schwierigen Phasen trug. „Es war ein großes Spiel. Die Fans, wir haben so viele Schweizer Fans hier, sie sind immer laut. Mit ihnen zu feiern, war cool“, sagte der Kapitän. Mit dem zweiten Platz in der Gruppe A hat sich die Schweiz eine gute Ausgangsposition für die Qualifikationsrunde zum Viertelfinale verschafft.

Viel wichtiger als die Tabellenkonstellation ist jedoch die Erkenntnis dieses Nachmittags: Diese Mannschaft kann Rückschläge wegstecken, für ihre verletzten Freunde kämpfen und in den entscheidenden Momenten, durch Ausnahmespieler wie Josi, Duelle gewinnen.

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