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Die Schweiz erlebte am Freitag bei den Olympischen Winterspielen Milano Cortina 2026 einen bitteren Abend in Vorrundengruppe A. Das lag nicht am großen Niveauunterschied im Spiel gegen Kanada, denn tatsächlich schlug sich die Schweizer Auswahl sehr respektabel. Auch das Ergebnis von 1:5 war nicht das schlimmste. Eine Niederlage gegen Kanada ist zu verkraften, doch die Tatsache, dass die Eidgenossen in dieser Partie gleich drei wichtige Spieler verletzungsbedingt einbüßen mussten, könnte noch ernste Folgen haben.

Besonders schockierend war der Ausfall von Starstürmer Kevin Fiala, der kurz vor Ende der Partie vom Eis getragen werden musste. Davor hatten die Schweizer schon Verteidiger Andrea Glauser und Stürmer Denis Malgin verloren.

„Wir sind besonders besorgt um Kevin, bei ihm sieht es nicht gut aus“, ließ der sichtlich mitgenommene Trainer Patrick Fischer wissen. „Davor haben wir schon Denis und Glauser verloren, das war ein schwieriger Abend.“

Schockmoment in den letzten Minuten

Der bleibende Eindruck aus der Partie ist nicht etwa eins der hochkarätigen Tore, ein krachender Check oder einer von Akira Schmids starken Saves im Schweizer Tor. Was man aus diesem Spiel in Erinnerung behalten wird, ist die Verletzung von Fiala. Der Angreifer der Los Angeles Kings verletzte sich drei Minuten vor Spielende.

„Er hat versucht, an der blauen Linie einen Move zu machen und verdreht sich da“, kommentierte Fischer die Szene, als Kanadas Tom Wilson im Zweikampf mit Fiala auf dessen Bein fiel. „Wir wissen auch nicht, was es ist. Er ist jetzt im Krankenhaus. Das tut mir extrem Leid für ihn und für unsere Mannschaft.“

Fiala wurde zunächst mehrere Minuten auf dem Eis untersucht und behandelt, ehe er bäuchlings auf einer Trage vom Eis transportiert wurde. Angesichts dieser Bilder war die Stimmung im Schweizer Lager nach dem Spiel am Boden.

„Das war schwierig für uns, ihn auf der Trage zu sehen“, gab Fischer zu. „Kevin gibt alles und will alles geben. Ich hoffe, dass wir schnell eine Diagnose kriegen. Natürlich sind seine Frau und wir alle davon sehr mitgenommen.“

Die Schweiz verliert mit Fiala einen absoluten Leistungsträger. Bei den Kings ist er diese Saison mit 40 Punkten (18 Tore, 22 Assists) der zweitbeste Scorer, Torjäger und Vorbereiter. Für die Schweiz übernimmt er als Assistenzkapitän eine Führungsrolle. Im ersten Spiel gegen Frankreich steuerte er einen Assist bei. Seine Verletzung hinterließ auch beim Gegner einen Eindruck, wie der kanadische Kapitän Sidney Crosby bemerkte.

„Wenn man sich das anschaut, sah es nicht gut aus“, sagte Crosby. „Wir hoffen, dass das wieder wird. Das war hart anzuschauen.“

Einer von Fialas Mitspielern aus Los Angeles stand für Kanada auf dem Eis. Abwehrveteran Drew Doughty richtete noch einige Worte an seinen Kollegen, ehe er vom Eis gebracht wurde.

„Da fühle ich natürlich mit ihm“, versicherte Doughty nach dem Spiel. „Ich habe auf dem Eis schon ein paar Worte zu ihm gesagt. Ich werde jetzt so schnell wie möglich zu ihm gehen.“

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McDavid zeigt Härte

Selbst vor der dramatischen Szene um Fiala gerieten die Schweizer schon verletzungsbedingt in Schwierigkeiten. Im ersten Drittel war Connor McDavid der große Fluch der Schweiz. In der sechsten Spielminute erzielte der Superstar der Edmonton Oilers das 1:0. Gut fünf Minuten später bereitete er das 2:0 durch Thomas Harley vor. Danach zeigte er körperliche Härte, eine Seite, für die er nicht unbedingt bekannt ist. Hinter dem Tor setzte er in der 13. Minute einen harten Check gegen den Schweizer Verteidiger Andrea Glauser. Der 29-jährige Abwehrspieler von Fribourg-Gotteron kam nur langsam wieder auf die Beine und fehlte der Schweiz für den Rest der Partie.

Sollte Glauser länger ausfallen, wäre das ein schwerer Schlag für die Eidgenossen. Er bildet zusammen mit Kapitän Roman Josi das erste Abwehrpaar, sorgt für viel Stabilität und Ruhe in der Defensive und gibt Josi so auch mehr Möglichkeiten, um sich in die Offensive einzuschalten.

Malgin kehrt nicht zurück

Die Schweiz schaffte im ersten Drittel immerhin noch den Anschluss durch Pius Suter (13.). Doch als die Mannschaften zum zweiten Drittel aus der Kabine kamen, kam die nächste Hiobsbotschaft. Stürmer Denis Malgin kehrte für den zweiten Spielabschnitt ebenfalls nicht zurück.

„Glausi hat eine Kopfverletzung, wohl etwas in Richtung Gehirnerschütterung“, teilte Fischer mit. „Denis hat sich an der Schulter verletzt.“

Malgin wird diese Saison vom Verletzungspech verfolgt. Er bestritt für die ZSC Lions erst acht Spiele, in denen er aber immerhin sechs Punkte (ein Tor, fünf Assists) beisteuerte. Malgin bildete für die Schweiz gemeinsam mit Sven Andrighetto und Nino Niederreiter die zweite Reihe. Er sammelte von 2016 bis 2023 257 Spiele NHL-Erfahrung, in denen er 81 Punkte (41 Tore, 40 Assists) erzielte.

Für Fischer wird es durch die Verletzungen in der Kaderplanung eng. Er hatte 14 Stürmer und acht Verteidiger in Mailand dabei. Nun bleiben ihm nur noch zwölf Angreifer und sieben Abwehrspieler.

Die Schweiz wird nun am Sonntag (12:10 Uhr) ersatzgeschwächt in das letzte Vorrundenspiel gegen Tschechien gehen müssen. Es wird das direkte Duell um Platz zwei in der Gruppe sein

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