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Die Schweiz hat ihr zweites Spiel bei den Olympischen Winterspielen Milano Cortina 2026 in der Gruppe C am Freitagabend in der Milano Santa Giulia Ice Hockey Arena mit 1:5 gegen Kanada verloren.

Aufstellung: Torwartwechsel trotz Shutout auf beiden Seiten

Nati-Trainer Patrick Fischer tauschte nach dem 4:0-Erfolg beim Olympia-Auftakt gegen Frankreich nur den Torwart: Akira Schmid (34 Saves, 87,2 Prozent Fangquote) stand für Leonardo Genoni zwischen den Pfosten. Allerdings brach er zwei Sturmreihen auf: Nico Hischier und Kevin Fiala bekamen mit Timo Meier einen neuen Reihenkollegen. Dafür ging Calvin Thürkauf nun mit Pius Suter und Philipp Kurashev aufs Eis.

Kanada-Coach Jon Cooper wechselte im Vergleich zum 5:0-Shutout gegen Tschechien dreimal Personal in allen Mannschaftsteilen: im Tor startete Logan Thompson (24 Saves, 96 Prozent Fangquote) anstelle von Jordan Binnington, in der Verteidigung erhielt Travis Sanheim den Vorzug vor dem angeschlagenen Josh Morrissey, und im Sturm rotierte Seth Jarvis für Brad Marchand in die Aufstellung.

1. Drittel: McDavid zeigt seine Extraklasse

Anlaufphase? Fehlanzeige! Beide Mannschaften legten direkt los und verzeichneten hochkarätige Torchancen. Auf der einen Seite setzte Shea Theodore den Puck der Distanz ans rechte Kreuzeck (1.). Auf der anderen Seite scheiterte Nino Niederreiter frei vor Thompson (2.).

Als Kanada erstmals sein gefürchtetes Powerplay rauschicken konnte, dauerte es nur 20 Sekunden, bis es einschlug: Nathan MacKinnon spielte einen Querpass von links nach rechts zu Connor McDavid, der ins Torwarteck zum 1:0 traf (6.).

Schmid sah dabei nicht glücklich aus, machte seinen Fehler aber direkt wieder gut, als er spektakulär gegen Sidney Crosby parierte (7.). Auf der anderen Seite näherte sich die Nati an, doch weder der Bauerntrick von Roman Josi, noch der Nachschuss von Timo Meier konnte Thompson überwinden (8.).

In einer intensiven Partie, in der beide Teams kaum Zeit hatten, den Puck zu halten, gelang schließlich Kanada der nächste Streich: McDavid erkannte, dass Verteidiger Thomas Harley aufrückte und servierte einen Pass in den linken Faceoffkreis, wo der Abwehrmann von den Dallas Stars sträflich freigelassen zum 2:0 ins lange Eck einschoss (11.).

„Vielleicht hätte ich am Anfang ein, zwei Saves mehr machen können, um das Spiel enger zu halten“, sagte Schmid. „Alles dreht sich ums Momentum. Über weite Strecken haben wir es gut gemacht, waren eng dran und haben gekämpft.“

Die Schweizer Antwort kam postwendend im Powerplay. Einen Direktschuss von Sven Andrighetto lenkte Thompson an die Latte, vor dem Tor reagierte Pius Suter am schnellsten und staubte zum 1:2-Anschluss ab (13.).

Das Spiel hatte einen hohen Unterhaltungswert. Bis zur ersten Pause bewegte sich das Geschehen auf Augenhöhe mit guten Chancen hüben wie drüben.

2. Drittel: Celebrini erhöht mit Blitz-Abzug

Zu Beginn des zweiten Durchgangs ließen die Schweizer eine Powerplay-Möglichkeit ungenutzt. Kaum wieder komplett bauten die Kanadier ihre Führung aus. Nathan MacKinnon spielte einen Zuckerpass mit der Rückhand auf Macklin Celebrini, der im linken Faceoffkreis einen blitzschnellen Direktschuss zum 3:1 ins Torwarteck jagte (25.).

In einem mutigen Unterzahlspiel holte sich die Schweiz das Momentum zurück. Zum einen verteidigte sie aggressiv und erfolgreich, zum anderen verpasste Hischier einen Shorthander nur knapp (28.).

Allerdings schaffte es die Nati nicht, konstant Druck aufzubauen. Die Ahornblätter blieben spielbestimmend und erarbeiteten sich mehr Möglichkeiten: MacKinnon zog gegen Schmid den Kürzeren (31.), Celebrini näherte sich im Powerplay gleich zweimal dem vierten Treffer an (37.). Kurz vor der Pausensirene sorgte Kurashev für einen Hoffnungsschimmer mit zwei tollen Torchancen in der letzten Minute (40.).

„Sie haben viel Tempo und Physis. Wir haben gehofft, dass wir uns an ihren Rhythmus gewöhnen, was auch einige Zeit gut gegangen ist. Wir hätten die wenigen Chancen, die wir hatten, aber ausnutzen müssen“, haderte Fischer.

3. Drittel: Crosby und MacKinnon machen den Deckel drauf

Im Schlussabschnitt schaltete die Schweiz nochmal einen Gang höher, hatte gegen eine hart-zurückarbeitende kanadische Mannschaft aber keinen leichten Stand. Immer wieder riegelten diese die neutrale Zone ab, sodass sich die Eidgenossen nur selten festsetzen konnten. Stattdessen fuhr Kanada Konter: Jarvis frei vor Schmid den Kürzeren (43.).

Ausgerechnet in einer Drangphase der Schweizer, in der Niederreiter den Puck an die Latte setzte (47.), machten die Ahornblätter den Deckel drauf. Mitch Marner filetierte die Nati-Verteidigung mit einem harten Pass Richtung linker Pfosten, wo Crosby per Tip-in das 4:1 besorgte (48.).

Beinahe hätte es die Schweiz im Powerplay noch einmal spannend gemacht, doch während Meier nicht an Thompson vorbeikam, startete Mark Stone einen Alleingang, den Schmid entschärfte (52.).

Kaum waren die Kanadier wieder komplett, schlugen sie dank ihrer Effizienz eiskalt zu. Nach Rückhand-Abschluss von McDavid kam MacKinnon an die Scheibe und staubte zum 5:1-Endstand ab (54.).

„Sie haben eine ausgezeichnete Mannschaft“, so Schmid. „Das wussten wir auch schon vor dem Spiel. Wir hätten es am Anfang besser machen können, um das Spiel offener zu halten. Daran müssen wir arbeiten.“

Ein ganz bitteres Ende

Die Partie endete leider mit einem Schock-Moment, denn Fiala blieb nach einem Zweikampf mit Tom Wilson verletzt auf dem Eis liegen und musste mit einer Trage vom Eis gebracht werden (58.). Zuvor waren schon Andrea Glauser und Denis Malgin verletzt ausgeschieden.

Beide Teams haben am Samstag spielfrei und sind zum Abschluss der Gruppenphase wieder am Sonntag gefordert: Die Schweiz bekommt es um 12:10 Uhr mit Tschechien zu tun. Kanada trifft um 16:40 Uhr auf Frankreich.

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