Leon Draisaitl #29 and Philipp Grubauer #30 of Team Germany shake hands after the Men's Preliminary Group C match between Germany and Denmark on day six of the Milano Cortina 2026 Winter Olympic games at Milano Rho Ice Hockey Arena on February 12, 2026 in Milan, Italy. (Photo by Jamie Squire/Getty Images)

Es war ein Wechselbad der Gefühle, das die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft in der Milano Rho Ice Hockey Arena am Samstag durchlebte. Zweimal führte die DEB-Auswahl gegen das kampfstarke lettische Team, zeigte Moral und kam kurz vor Schluss noch einmal heran, nur um am Ende doch mit leeren Händen dazustehen. Das 3:4 im zweiten Spiel der Gruppe C bei den Olympischen Winterspielen Milano Cortina 2026 war ein Dämpfer, der physisch und mental Spuren hinterlassen hat. Doch im dichten Terminkalender eines olympischen Turniers ist kein Platz für langes Grübeln.

Bereits am Sonntagabend (21:10 Uhr MEZ) wartet mit den USA der wohl härteste Brocken der Gruppe auf das Team von Bundestrainer Harold Kreis. Diese „Back-to-Back“-Situation erfordert von den Spielern vor allem die Fähigkeit, das Geschehene sofort auszublenden. Der Fokus muss sich voll auf die Vorbereitung, auf einen Gegner, der Fehler noch gnadenloser bestrafen wird, richten.

Stürmer JJ Peterka brachte die Marschroute unmittelbar nach der Niederlage auf den Punkt. „Wir wissen, dass wir morgen wieder spielen. Wir müssen das Match heute vergessen und so schnell wie möglich nach vorne schauen“, forderte der Angreifer der Utah Mammoth. „Wir müssen für morgen bereit sein“, so Peterka weiter, der die Devise für den Sonntagabend klar formulierte: „Wir müssen morgen einfach besser sein.“

John Peterka #77 of Team Germany shoots the puck defended by Rudolfs Balcers #21 of Team Latvia in the third period during the Men's Preliminary Group C match between Germany and Latvia on day eight of the Milano Cortina 2026 Winter Olympic games at Milano Rho Ice Hockey Arena on February 14, 2026 in Milan, Italy. (Photo by Gregory Shamus/Getty Images)

Lehren aus den Fehlern ziehen

Um gegen die USA bestehen zu können, muss die deutsche Auswahl vor allem im Spiel gegen den Puck eine Schippe drauflegen. Gegen Lettland offenbarten sich in der Defensive Lücken, die auf diesem Niveau bestraft werden. Besonders im zweiten Abschnitt verlor das deutsche Team zeitweise die Struktur und damit die Kontrolle über das Geschehen.

Die Gegentore, insbesondere die Treffer von Dans Locmelis, resultierten aus Unachtsamkeiten und unnötigen Strafzeiten. Gegen die USA wird Disziplin der Schlüssel sein, denn Unterzahlsituationen wird das hochkarätig besetzte Team bestrafen.
Tim Stützle von den Ottawa Senators, der mit seinem späten Anschlusstreffer noch einmal Hoffnung weckte, weiß um die Schwere der Aufgabe. „Sie sind ein gutes Team. Sie spielen schnell und wir müssen einen Weg finden, wie wir mithalten können.“

Die Lösung des Angreifers ist simpel und auf den Punkt gebracht: „Wir müssen defensiv gut stehen.“ Nur dann hat Deutschland eine Chance, das enorme offensive Potenzial der Amerikaner einzudämmen.

Der amerikanische Tempo-Test

Der kommende Gegner ist ein anderes Kaliber als Dänemark oder Lettland. Die USA starteten dominant in das Turnier und ließen den Letten in ihrem Auftaktspiel mit 5:1 keine Chance. Die USA verfügen über eine enorme Tiefe im Kader. Keine der vier Angriffsreihen fällt ab. Jede Formation ist in der Lage, Druck zu erzeugen und Tore zu erzielen. Diese qualitative Dichte macht die Amerikaner unberechenbar und wird Deutschland zu 60 nahezu fehlerfreien Minuten zwingen.

Bundestrainer Harold Kreis hat den Gegner genau analysiert und weiß, was auf seine Mannschaft zukommt. „Die Amerikaner sind mit vier Reihen sehr stark besetzt. Also müssen wir in der Struktur gut bleiben und geduldig spielen. Man muss auf diesem kleinen Eis immer, egal gegen wen man spielt, sorgfältig mit der Scheibe umgehen.“

Lukas Reichel fasste die Erwartungshaltung in der Kabine zusammen: „Wir wissen, dass es gegen die USA vermutlich das härteste Spiel wird.“

Neue Impulse im Torwart-Duell

Philipp Grubauer stand sowohl beim Auftaktsieg gegen Dänemark als auch bei der Niederlage gegen Lettland zwischen den Pfosten. Der Torhüter der Seattle Kraken hatte alle Hände voll zu tun, wehrte allein gegen Lettland 18 Schüsse ab und war oft der letzte Fels in der Brandung, wenn die Vorderleute die Übersicht verloren.

Diese hohe Belastung sorgt dafür, dass das Trainerteam um Kreis für das Spiel gegen die USA eine Veränderung plant. „Mit großer Wahrscheinlichkeit werden wir Grubi eine Pause gönnen“, erklärte Kreis nach dem Lettland-Spiel.

Die Entscheidung ist keine Kritik an der Leistung Grubauers, sondern zollt der Intensität des Turniers Tribut. „Das ist sehr anspruchsvoll. Er hat auch heute sehr viel zu tun gehabt“, so der Bundestrainer weiter. Zwar sei die endgültige Entscheidung unmittelbar nach dem Spiel noch nicht gefallen gewesen, doch die Tendenz war eindeutig.

Philipp Grubauer #30 of Team Germany defends the net in the second period during the Men's Preliminary Group C match between Germany and Latvia on day eight of the Milano Cortina 2026 Winter Olympic games at Milano Rho Ice Hockey Arena on February 14, 2026 in Milan, Italy. (Photo by Gregory Shamus/Getty Images)

Mit Geduld zur direkten Qualifikation

Trotz der Niederlage ist für die deutsche Mannschaft noch alles drin. Mit drei Punkten aus zwei Spielen steht das DEB-Team auf Rang drei der Gruppe C. Der Modus des olympischen Turniers bietet auch dem Gruppenzweiten eine große Chance. Neben den drei Gruppensiegern qualifiziert sich auch der beste Zweite direkt für das Viertelfinale und spart sich den kräftezehrenden Umweg über die Qualifikationsrunde. Ein Sieg gegen die USA ist hierfür jedoch Pflicht.

Um dieses Ziel zu erreichen, darf sich die DEB-Auswahl nicht auf einen wilden Schlagabtausch einlassen. Die taktische Marschroute lautet Geduld. Gegen einen Gegner, der auf dem Papier überlegen scheint, wäre es fatal, ins offene Messer zu laufen. Leon Draisaitl, der Führungsspieler der Edmonton Oilers, mahnte zur Besonnenheit. Man dürfe sich nicht zu sehr vom Namen des Gegners beeindrucken lassen, sondern müsse auf die eigenen Stärken vertrauen.

„Wir müssen unser Spiel spielen. Wir wissen, was da auf uns zukommt und müssen das Spiel so lange wie möglich geduldig gestalten und einfach unser Ding machen“, erklärte Draisaitl. „Dann schauen wir mal, was dabei rumkommt.“

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