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Was für ein Olympia-Auftakt für Tim Stützle! Der Stürmer der Ottawa Senators war beim Auftakt der Gruppenphase bei den Olympischen Winterspielen Milano Cortina einer der Matchwinner und führte Deutschland mit einem Doppelpack zum 3:1-Erfolg gegen Dänemark.

Ein Traumtor bei der Olympia-Premiere

Stützle knallte im wahrsten Sinne des Wortes alles rein, was er hatte. Symbolisch dafür stand sein Tor zum zwischenzeitlichen 2:1 in der 25. Spielminute, der sich schlussendlich als Siegtreffer erweisen sollte.

JJ Peterka (Utah Mammoth) spielte einen Rückhandpass in den Slot. Stützle legte seine ganze Kraft in seinen Direktschuss, hob mit angewinkelten Knien nach hinten ab, sodass nur sein Schläger das Eis berührte, und donnerte den Puck spektakulär ins Ziel. Ein echtes Traumtor.

„Ich weiß auch nicht. Ich habe nur gesehen, dass JJ mich gesehen hat. Es war ein starker Pass von ihm, und ich habe einfach nur versucht, die Scheibe aufs Tor zu bringen“, beschreibt Stützle die Szene des Spiels. „Es hat sich gut angefühlt. Es war ein wichtiges Tor. Das hat das Momentum zurückgebracht.“

Die gute Chemie mit seinem Reihenkollegen kommt nicht von ungefähr: Beide sind Jahrgang 2002, beide wurden im NHL Draft 2020 ausgewählt, Stützle an 3. Stelle von den Ottawa Senators, Peterka an 34. Stelle von den Buffalo Sabres.

„Wir spielen schon seit den Junioren-Turnieren und -Weltmeisterschaften zusammen. Wir wissen, wo der andere ist“, erklärt Peterka im Gespräch mit NHL.com/de. „Wir mussten das also nicht trainieren. Er hat sich gut freigelaufen und ein schönes Tor geschossen.“

Für Stützle war es tatsächlich erst das erste Länderspieltor für die A-Nationalmannschaft. Zuvor waren ihm in acht WM-Spielen kein Treffer gelungen. Direkt bei seiner Olympia-Premiere aber zeigte Stützle seinen enormen Wert für das deutsche Eishockey und avancierte später auch noch zum Doppelpacker.

Im Powerplay zum Doppelpacker

Im Powerplay wollte den 24-Jährigen aus Viersen eigentlich einen Pass auf Leon Draisaitl (Edmonton Oilers) spielen, doch wurde dieser vom Schlittschuh von Dänemarks Verteidiger Oliver Lauridsen ins eigene Tor gelenkt (31.).

„Schon unser erstes Powerplay war solide“, betont Stützle. „Wir haben den Puck gut bewegt und hatten das nötige Glück.“

Ein Sonderlob kam von Verteidiger Moritz Seider (Detroit Red Wings): „Deswegen ist er so wichtig im Powerplay und bei 5-gegen-5. Er hat immer ein Lächeln im Gesicht, ist ein überragender Hockey-Spieler und ein wichtiger Spieler in Ottawa. Wir werden ihn für einen guten Lauf hier brauchen.“

In Ottawa ist Stützle auf Kurs für eine 40-Tore-Saison (57 Spiele, 28-33-61). Er ist Top-Torjäger und Top-Scorer seiner Mannschaft und längst zum Gesicht der Senators geworden. Bei Olympia kann der Mittelstürmer bislang einen Pace von 2,0 Punkten pro Partie vorweisen und wurde in allen wichtigen Situationen eingesetzt.

Verschiedene Rollen bei Gleichzahl

Bei 5-gegen-5 bildete er die zweite Reihe mit Peterka und Wojciech Stachowiak, wurde bei desigten Spielzügen in der Offensive aber auch mal mit Draisaitl und Peterka aufgeboten. In der Schlussphase wurde er außerdem aufs Eis geschickt, um den Zwei-Tore-Vorsprung zu verteidigen. Ein klarer Beleg dafür, wie Stützle sein Zwei-Wege-Spiel in den letzten Jahren auf ein höheres Niveau heben konnte. Also fand er sich bei Bullys im eigenen Drittel in einer Linie mit Faceoff-Spezialist Nico Sturm (Minnesota Wild) und Peterka wieder.

„Tim ist jemand, der keine Scheibe gerne verloren gibt“, weiß Bundestrainer Harold Kreis. „Auch JJ hat zum Schluss eine Scheibe an der Bande zurückgekämpft. Sie haben einen guten Job gemacht. Tim hat ein gutes Spiel gespielt, absolut. Jede Reihe hat auf seine Weise etwas beigetragen und eigene Stärken eingebracht. Bei Tim war es seine Schnelligkeit und sein Schuss. Ich freue mich für ihn, aber auch für unseren ersten Sieg in diesem Turnier.“

Im Powerplay war Stützle auf dem linken Flügel gesetzt. Um ihn herum postierte Kreis vier weitere NHL-Spieler mit „Quarterback“ Seider (Point), Draisaitl (rechte Flanke), Peterka (Bumper) und Josh Samanski (Edmonton Oilers, Net).

„Das Powerplay“, schwärmt Seider, „hat richtig gut ausgesehen.“

Stützle: „Wir haben uns alle viel vorgenommen“

Gegen körperlich präsente Dänen musste auch Stützle einstecken. Zeitweise ließ er sich wegen einer Handverletzung auf der Bank behandeln.

„Alles okay“, gibt er Entwarnung und genießt stattdessen lieber seinen ersten Olympia-Sieg: „Ich bin froh, dass wir gewinnen konnten. Es hat extrem viel Spaß gemacht. Die Dänen haben eine gute Mannschaft mit vielen großen Verteidigern, die gut Schlittschuhlaufen können. Wir wussten, dass wir dagegenhalten müssen, haben die Tore zum richtigen Zeitpunkt geschossen und verdient gewonnen.“

Am Freitag hat Deutschland spielfrei, am Samstag (12:10 Uhr MEZ) steht das zweite Spiel in Gruppe C gegen Lettland auf dem Spielplan.

„Wir haben uns alle viel vorgenommen“, sagt Stützle. „Es ist ein wichtiges Turnier für uns. Für keinen Athleten gibt es etwas Größeres, als sein Land bei den Olympischen Spielen zu repräsentieren. Wir sind alles sehr motiviert.“

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