Zeigen die Hurricanes Nerven?
Playoffs stehen physisch auf einem ganz anderen Niveau als die reguläre Saison. Gleiches trifft auf die Psyche zu. Carolina galt nach zwei Sweeps in der Ersten und Zweiten Runde als unverwundbar und startete ausgerechnet jetzt mit einer Niederlage. Ganz unfreiwillig dürften Erinnerungen an die letzten drei Conference Finals 2019, 2023 und 2025 wach werden. 2019 folgte auf einen Sweep in der Zweiten Runde (4:0 gegen die New York Islanders) ein Reverse-Sweep (0:4 gegen die Boston Bruins). 2023 wurde man von den Florida Panthers gesweept (0:4). Zwei Jahre später war gegen denselben Gegner nach fünf Spielen Schluss (1:4). Die Hurricanes haben also ein Conference-Final-Trauma, das durch die 2:6-Niederlage in Spiel 1 gegen Montreal einige böse Erinnerungen triggern dürfte.
„Das mit dem Abhaken in den Playoffs ist ziemlich schwierig“, weiß Hall. „Ich glaube, das hat seinen Grund. Wir müssen verstehen, was passiert ist und warum es passiert ist, um es zu korrigieren. Daran ist nichts auszusetzen. Du kannst trotzdem eine positive Einstellung bewahren und mit deinen Freunden auf dem Eis lachen und scherzen, aber dir muss klar sein, dass es anders laufen muss.“
„Natürlich wird man mit Widrigkeiten konfrontiert. Das will man eigentlich nicht“, so Brind’Amour, der zwischen den zwei Begegnungen bewusst kein Eistraining anordnete. „Wir haben trainiert, aber ihr konntet das nicht sehen. Es kam nicht in Frage, aufs Eis zu gehen, das brauchen wir gerade nicht. Wir müssen uns darauf konzentrieren, unser Spiel zu finden. Mal sehen, wie es aussieht, wenn wir gut spielen.“
Canadiens fühlen sich auf fremdem Eis wohl
Normalerweise müsste das Bell Centre mit seinen frenetischen Fans eine uneinnehmbare Festung sein. Das Stadion fasst 21.100 Zuschauer und ist damit die größte Arena in der NHL. Mit Sprechchören kommt die Atmosphäre der in Europa am nächsten. Und trotzdem fühlen sich die Canadiens in den Stanley Cup Playoffs 2026 auswärts irgendwie wohler - zumindest, wenn man den Statistiken glaubt.
Zu Hause hat Montreal eine 2-4-Bilanz, in der Fremde lautet diese 7-2. Individuell haben Spieler wie Suzuki (0-2-2 daheim, 4-10-14 auswärts) oder Slafkovsky (1-1-2 daheim, 5-5-10 auswärts) deutlich bessere Zahlen auf gegnerischem Eis vorzuweisen. Dass Spiel 2 erneut in Raleigh stattfinden wird, ist für die Canadiens also kein Nachteil.
„Wir glauben an uns“, erklärt Canadiens-Trainer Martin St. Louis. „Das liegt an unserem Selbstvertrauen, das wir uns die Saison über auswärts geholt haben.“
„Vielleicht halten wir es auswärts einfacher“, vermutet Montreals Assistenztrainer Stephane Robidas. „Wir erzwingen nichts. Womöglich wollen wir zu Hause, vor unseren Fans, ein bisschen zu viel machen.“
Genauso sieht es Kapitän Suzuki: „Die Jungs wollen vielleicht zu viel auf einmal zeigen, um die Fans zu beeindrucken und ihnen etwas Liebe zurückzugeben, aber wir dürfen uns davon mental nicht beeinflussen lassen. Wir müssen die Dinge einfach halten und weiterhin das tun, was uns erfolgreich macht, ganz gleich, wo wir spielen.“