„Ein so gutes Spiel, wie ich es noch nie von einem Verteidiger gesehen habe“, staunte Connor McDavid, Kapitän der Edmonton Oilers, über den Auftritt seines Teamkollegen Evan Bouchard. Beim 6:5-Heimsieg n.V. gegen die Washington Capitals am Samstagabend im Rogers Place hatte der 26-jährige Kanadier zunächst sein 400. NHL-Spiel bestritten, dann erzielte er den ersten Hattrick seiner NHL-Karriere und baute diese Glanzleistung schlussendlich mit drei Assists zu einem Sechs-Punkte-Spiel (3-3-6) aus.

„Das ist sein Niveau. Er zählt zu den Besten der Welt. Nicht nur unter den Verteidigern, sondern unter allen Spielern“, legte McDavid nach. „Er ist der Erste, den wir beim Penalty Killing über die Bande schicken. Er kann so viele verschiedene Dinge und wird einfach besser und besser.“

Ein Präzisionsschütze liefert ab

Was für eine irre Show von Bouchard! Der Rechtsschütze erzielte Edmontons erste drei Tore an diesem Abend allesamt. Nach Querpass von Verteidiger-Kollege Mathias Ekholm gab er einen verdeckten Distanzschuss ab, der über die Unterkante der Latte zum 1:0 einschlug (20.). Nach feinem Pass von Leon Draisaitl hatte er erneut viel Zeit an der blauen Linie und feuerte einen Handgelenksschuss durch den Verkehr ab, der ein wenig glücklich zum 2:1 im Tor landete (25.). Anfang des dritten Drittels ließ McDavid die Scheibe mit einem Drop-Pass liegen. Bouchard nahm wieder genau Maß und jagte den Puck präzise über den linken Innenpfosten zum 3:3 ins Ziel (45.).

„Ich habe noch nie einen Hattrick erzielt. Das ist mein Erster“, strahlte Bouchard hinterher. „Ich habe mich auf jeden Fall gefreut. Es hat uns im Spiel gehalten und war zu diesem Zeitpunkt ein wichtiges Tor. Wir lagen zurück und schießen den Ausgleich.“

Dies war der erste Hattrick eines Oilers-Verteidigers seit über 20 Jahren. Zuletzt erzielte Marc-Andre Bergeron am 14. Januar 2006 drei Tore in einem Spiel.

Bouchard ist auch erst der dritte Verteidiger in Edmontons Franchise-Geschichte, der mindestens sechs Scorerpunkte in einem Spiel sammeln konnte. Dies gelang sonst nur Paul Coffey (2-6-8 am 14. März 1986, sowie 2-4-6 am 29. März 1985) und Kevin Lowe (1-5-6 am 19. Februar 1983) in den berauschenden 80er Jahren.

Edmontons Nummer 2 wurde zudem zum vierten Abwehrspieler in der laufenden Saison, der die Schallmauer von 50 Scorerpunkten durchbrach. Vor ihm schafften das nur Cale Makar (Colorado Avalanche, 55), Zach Werenski (Columbus Blue Jackets, 55) und Lane Hutson (Montreal Canadiens, 53).

WSH@EDM: Bouchard gelingen erstmals drei Tore in einem NHL-Spiel

600. Assist für Draisaitl

Bereits bei Bouchards zweiten Treffer erreichte Draisaitl die Marke von 600 Vorlagen in der NHL. Der 30-jährige Kölner sollte im weiteren Verlauf noch zwei weitere geben und stockte sein Konto mit einem Drei-Punkte-Spiel (0-3-3) auf nun 602 Assists auf.

Draisaitl ist erst der vierte Spieler in Edmontons Klub-Geschichte, der diese Marke erreichen konnte. Vor ihm vollendeten dieses Kunststück nur Wayne Gretzky (1068), McDavid (777) und Mark Messier (642).

McDavid überholt Messier

Angesichts der Bouchard-Festspiele geriet auch der monströse Auftritt von McDavid fast in den Hintergrund: Der Center landete ein Fünf-Punkte-Spiel (2-3-5), darunter der wichtige Ausgleichstreffer zum zwischenzeitlichen 4:4 sowie das Sieg-Tor zum 6:5 in der Verlängerung, als er - assistiert von Bouchard und Draisaitl - einen Alleingang per Vorhand-Rückhand-Move in die Maschen schaufelte (61.).

McDavid (393 Tore) überholte damit Mark Messier (392) und steht nun auf Platz fünf der Allzeit-Torjägerliste der Oilers. Vor ihm rangieren Wayne Gretzky (583), Jari Kurri (474), Draisaitl (424) und Glenn Anderson (417).

„Ich finde, wir haben gut gespielt. Wir waren die bessere Mannschaft und hatten Pech, dass wir so oft hinten waren“, analysierte McDavid ein total wildes Spiel, bei dem sein Team einen 2:3-, 3:4- und 4:5-Rückstand aufholte. „Wir sind aber irgendwie drangeblieben. Es war nicht unser schönster Sieg, aber diesen haben wir gebraucht.“

WSH@EDM: McDavid mit der Rückhand zum Sieg

Knoblauch wechselt den Torwart - Hyman erzwingt die OT

Edmontons Trainer Kris Knoblauch musste zwischenzeitlich einen neuen Reiz setzen und wechselte nach 34:29 Minuten den Torwart: Starter Connor Ingram (neun Saves, 75 Prozent Fangquote) musste nach drei Gegentreffern für Backup Tristan Jarry (13 Saves, 86,7 Prozent) Platz machen.

„Naja, das waren drei Gegentore auf nur wenige Torschüsse. Das Dritte habe ich gar nicht richtig gesehen. Der Puck wurde von einem Verteidiger abgefälscht, ich dachte aber, dass er direkt reingegangen ist. Trotzdem braucht deine Mannschaft manchmal einen Momentum-Wechsel. Vielleicht war es Ingram gegenüber nicht fair, weil es ein unglücklicher Abfälscher war, aber es ging mir viel mehr ums Momentum“, erklärte Knoblauch seine Gedanken hinter dem Torwartwechsel.

Das beschriebene Momentum war spätestens in der Schlussminute auf Seiten der Oilers. Knoblauch hatte Jarry für einen zusätzlichen Feldspieler vom Eis genommen. In einer heißen 6-auf-5-Schlussphase spielte McDavid einen scharfen Querpass vors Tor, den Power Forward Zach Hyman durch die Beine von Torwart Charlie Lindgren (34 Saves, 85 Prozent Fangquote) zum 5:5 ins Tor lenkte (60.). Dies machte Edmontons Sieg überhaupt erst möglich.

Halbzeit der Heimspiel-Serie

Für die Oilers war es das vierte Heimspiel in Folge, sie haben damit Halbzeit einer acht Spiele andauernden Heimspiel-Serie. Nacheinander kommen als nächstes die Anaheim Ducks, San Jose Sharks, Minnesota Wild und Toronto Maple Leafs in den Rogers Place.

„Wir haben eine wichtige Heimspiel-Serie, darauf wollen wir aufbauen und den Schwung ins nächste Spiel mitnehmen“, fordert Bouchard.

Edmonton (29-19-8) ist Zweiter in der Pacific Division mit zwei Punkten Rückstand auf Spitzenreiter Vegas Golden Knights (25-13-12) und fünf Zählern Vorsprung auf einen Nicht-Playoff-Platz in der Western Conference.

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