Lehner, Roy führen Golden Knights zu OT-Sieg in Sp. 4

Der Siegtreffer von Nicolas Roy in der Verlängerung am Sonntag in Spiel 4 des Stanley Cup Halbfinales hat den Vegas Golden Knights neues Leben eingehaucht. Das konnte man am Vormittag nach dem Triumph bei den Montreal Canadiens deutlich spüren. Dank des damit verbundenen Ausgleichs in der Best-of-7-Serie ist das Selbstvertrauen beim Team aus Nevada wieder da.

"Es ist großartig, dass wir gewonnen haben. Das war sicherlich der wichtigste Sieg bisher", sagte Angreifer Jonathan Marchessault am Montag bei einer Pressekonferenz. "Wir freuen uns, dass es uns gelungen ist, den Heimvorteil zurückzuholen. Jetzt kommt es darauf an, dieses Momentum zu nutzen."
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Mit dem gefühlvollen Heber zum 2:1 in der Overtime hatte Roy sich und seinen Mannschaftskollegen beim Auswärtsauftritt im Bell Centre ein langanhaltendes Glücksgefühl beschert. Selbst Stunden später war Verteidiger Alex Pietrangelo die Erleichterung über den Erfolg noch anzumerken. "Es tut unheimlich gut, mit einem Auswärtssieg zurückzufahren. Ein Zwischenstand von 2:2 vor dem nächsten Heimspiel ist wesentlich besser, als wenn wir 1:3 hinten liegen würden", gab er zu Protokoll. Zum wiederholten Mal hatte sich die Widerstandsfähigkeit der Golden Knights in schwierigen Situationen als ein besonderes Qualitätsmerkmal erwiesen. "Wir haben erneut gezeigt, dass wir ein Spiel nach einem Rückstand drehen und gewinnen können. Das stärkt unsere Moral ungemein", meinte Pietrangelo.
Bei aller Euphorie wissen die Golden Knights jedoch um ein paar Baustellen, die sie vor Spiel 5 der Serie am Dienstag (9 p.m. ET; NHL.TV, Sport 1+, DAZN; Mi. 3 Uhr MESZ) angehen müssen. Eine davon ist die momentane Ladehemmung bei den meisten Stürmern. Wenn nicht die Blueliner beim Abschluss in die Bresche gesprungen wären, sähe es womöglich schon zappenduster für die Titelambitionen von Vegas aus. Zehn Tore erzielte die Mannschaft in den vier Spielen gegen die Canadiens. Sieben Treffer davon gingen auf das Konto von Verteidigern. Von den Offensivkräften trugen sich lediglich zweimal Roy und einmal Mattias Janmark in die Torschützenliste ein.

VGK@MTL, Sp4: Roy haut eigenen Rebound in OT rein

"Drei Tore in vier Spielen sind für die Sturmreihen, die uns zur Verfügung stehen, eindeutig zu wenig", äußerte sich Marchessault selbstkritisch. Für den Linksaußen der zweiten Angriffsformation steht im Halbfinale lediglich ein Assist zu Buche. In den gesamten Stanley Cup Playoffs brachte er es immerhin auf neun Scorerpunkte (sechs Tore, drei Assists) aus 17 Einsätzen.
Marchessault nimmt sich und die anderen Top-Stürmer in die Pflicht. "Wir müssen in den nächsten Spielen zulegen und unsere Treffsicherheit wiederfinden. Natürlich haben wir es auf der anderen Seite mit einem unglaublich starken Torhüter (Carey Price - d. Red.) zu tun. Aber das darf keine Entschuldigung sein. Wir müssen stattdessen Lösungen finden, wenn wir unserem Team dabei helfen wollen, die Spiele zu gewinnen", betonte er.
Eine Menge Luft nach oben haben die Golden Knights zudem im Powerplay. Im Verlauf des Halbfinales kamen sie zu elf Überzahlsituationen, von denen sie keine einzige in ein Tor ummünzen konnten. Zwar hat Montreal nicht von ungefähr das beste Penalty Killing in den laufenden Playoffs vorzuweisen (Erfolgsquote 92,9 Prozent), doch fehlt es Vegas derzeit bei numerischer Überlegenheit augenscheinlich an Ideen und Durchschlagskraft.
Auffällig bei Vegas ist die Vielzahl der Spieler, die sich in der Serie gegen Montreal bereits als Scorer betätigt haben. 16 verschiedene Akteure sind mit mindestens einem Punkt in der Liste verzeichnet. Keiner von ihnen sammelte allerdings mehr als drei Zähler. Mit eben dieser Ausbeute stehen die Verteidiger Pietrangelo (drei Tore), Shea Theodore (ein Tor, zwei Assists) sowie Stürmer William Karlsson (drei Assists) ganz vorne.
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Trainer Peter DeBoer findet es positiv, dass sich die Punkte auf viele Schultern verteilen. "Das zeigt die unglaubliche Tiefe unseres Kaders. Jeder ist in der Lage zu scoren. Das ist im Grunde unsere Erzählung in diesen Playoffs", machte er deutlich. Die Spiele seien zuletzt vielleicht nicht immer schön anzuschauen gewesen. "Aber wir haben oft einen Weg gefunden zu gewinnen", so der Coach.
Die anstehende Auseinandersetzung gegen die Canadiens ist laut DeBoer von zentraler Bedeutung für den Fortgang der Serie. "Spiel 4 ist nur dann ein Swing Game für uns gewesen, wenn wir jetzt unseren Heimvorteil nutzen", sagte er. Das Team werde alles daransetzen, in Spiel 5 als Gewinner vom Eis zu gehen und die Führung in der Gesamtwertung zu übernehmen.