Für die Ottawa Senators um den deutschen Superstar Tim Stützle läuft es im neuen Jahr noch nicht rund. Ja, es gab ein paar Siege, aber die Mannschaft musste auch schon einige empfindliche Niederlagen einstecken. Den nächsten Rückschlag gab es am Samstagabend (Ortszeit). Und das auch noch im heimischen Canadian Tire Centre. Die Senators verloren 5:6 nach Verlängerung gegen die Montreal Canadiens und gaben dabei spät noch eine Zwei-Tore-Führung aus der Hand. Da konnte sich auch niemand so richtig über Stützles Wahnsinnstor freuen.

Am Ende waren sie in Ottawa durch die Bank weg sprachlos. Das hatte zwei Gründe. Einerseits hatten die Senators eigentlich ein gutes Spiel abgeliefert und mit einem Highlight-Tor von Stützle auch noch das Publikum exzellent unterhalten. Andererseits reichte es aber nur zu einem Punkt, weil die Montreal Canadiens einmal mehr ihre Comeback-Qualitäten in dieser Saison unter Beweis stellten und den Spieß umdrehten.

„Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Wir haben eigentlich gar nicht viel zugelassen, haben ein gutes Spiel gemacht. Und wenn man fünf Tore schießt, sollte man auch in der Lage sein, zu gewinnen“, meinte Stützle mit stoischer Miene.

Starkes zweites Drittel

Alleine beim Blick auf die Schussstatistik wird klar, in welche Richtung die Partie hauptsächlich gelaufen ist. Die fiel am Ende mit 34:19 klar zugunsten der Gastgeber aus. Und die Senators demonstrierten auch, dass sie mit Rückständen umgehen können. Aus einem 0:2 nach dem ersten Drittel nach Überzahltoren von Juraj Slafkovsky und Cole Caufield machten sie bis Mitte des dritten Abschnitts ein 5:3. Alleine der Mittelabschnitt ging mit 4:1 klar an die Gastgeber, für die hier Brady Tkachuk, Stützle, Dylan Cozens und David Perron trafen. Josh Anderson war für die Canadiens erfolgreich. Jake Sanderson erhöhte dann auf 5:3.

„Man macht genügend gute Dinge, um das Spiel zu gewinnen, aber so geht es eben manchmal“, sagte Tkachuk. „Wenn man nicht gewinnt, ist das frustrierend.“ Aber es gebe positive Ansätze. Und in jedem Spiel gebe es eine Lektion, die man lernen könne und wie man besser werden könne. „Das ist sehr frustrierend. Wir haben tolle 56 Minuten gespielt. Aber man muss eben 60 gute Minuten spielen, um zu gewinnen. Speziell gegen dieses Team mit seiner sehr potenten Offensive und der Fähigkeit, zurückzukommen“, sagte Sanderson.

Canadiens zeigen Comebackqualitäten

Dabei hätten die Senators gewarnt sein müssen. Denn späte Comebacks und Ausgleichstreffer sind in dieser Saison eine Spezialität der Canadiens. Mit weniger als fünf Minuten auf der Uhr trafen Slafkovsky und Alexandre Carrier zum 5:5 für die Gäste. Es war das siebte Mal, dass Montreal im dritten Drittel ein Comeback geschafft hat. Nur die Vegas Golden Knights haben mit acht, eins mehr in der Liga. Carriers Treffer war das siebte Ausgleichstor in den finalen fünf Minuten einer Partie für die Canadiens, womit sie in dieser Statistik gemeinsam mit Vegas Platz eins belegen. In der Verlängerung sicherte Caufield den Gästen den Zusatzpunkt.

MTL@OTT: Caufield sorgt in der Verlängerung für den Sieg

In der Anfangsphase sei sein Team nicht gut aufgetreten. Speziell die Jungs in Unterzahl hätten ein paar Fehler gemacht, meinte Senators-Trainer Travis Green. „Wir können jetzt die Köpfe hängen lassen, oder sauer sein. Ich hätte es lieber, wenn wir sauer wären. Wir haben ein super Spiel gemacht. Das passiert eben manchmal. Man dominiert ein Spiel und verliert es trotzdem in der Verlängerung. Dann muss man zurückkommen und das nächste Spiel gewinnen.“ Abseits vom Ergebnis sei es ein sehr gutes Spiel seiner Truppe gewesen, meinte Green. Sein Team hätte den zweiten Punkt allerdings dringend brauchen können. Mit jetzt 50 Punkten sind die Senators noch sieben Zähler hinter den Wild Card Plätzen.

Stützle kritisch

Da wollte man bei den Senators auch gar nicht viele Worte darüber verlieren, dass einem Stützles Treffer zum zwischenzeitlichen 2:2 wohl in jedem Zusammenschnitt der Höhepunkte der Saison gezeigt wird. Der ehemalige Stürmer der Adler Mannheim in der DEL zog von links parallel zur verlängerten Torlinie zum Kasten von Samuel Montembeault (29 Saves) und bezwang diesen mit einem Schuss durch die eigenen Beine. Trainiert habe er das nicht, meinte Stützle. Aber über das Tor wolle er gar nicht sprechen. „Wir haben das Spiel verloren.“ Immerhin gab es etwas Lob vom Coach: „Das war ein ganz tolles Tor. Wir sind glücklich, dass wir ihn haben.“

MTL@OTT: Stutzle gleicht mit Schuss durch eigene Beine aus

Torwart Leevi Meriläinen (13 Saves) wollte am Ausgang der Partie keiner die Schuld geben. „Leevi hat gut gespielt. Wann immer ein Tor fällt, schiebt man die Schuld auf den Torwart. Aber wir lassen diese Großchancen auch zu. Wir müssen vor ihm besser sein“, befand Stützle. Tkachuk meinte, dass es beim Eishockey nie nur um eine Person gehe. „Das ist ein Teamsport. Wir müssen als Gruppe einen besseren Job machen und Leevi mehr helfen.“

Wenn man das Positive für die Senators sehen will, dann ist das die Tatsache, dass sie am Sonntag gleich wieder ran müssen. „Es ist gut, dass wir gleich wieder spielen und es besser machen können“, sagte Tkachuk. Und sein Coach meinte: „Wenn man so eine schmerzliche Niederlage erleidet, ist es gut, wenn man gleich am nächsten Tag wieder spielt und nicht erst noch ein paar Tage warten muss.“ Am Sonntag müssen die Senators bei den Detroit Red Wings antreten.

Dann kann Stützle schon die Marke von 50 Scorerpunkten erreichen. Er bereitete auch noch Cozens Treffer vor und steht aktuell bei 49 Punkten (21-28-49) in 47 Partien. Knackt er die 50 Punkte in 48 Spielen, wäre er der schnellste bei den Senators, dem das gelingt, seit Matt Duchene in der Saison 2018/19 diese Marke in 45 Partien erreicht hat. Und wenn die Senators dann auch noch zwei Punkte mitnehmen, könnte sich Stützle darüber auch richtig freuen.

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