Richardson-MTL

Viel anspruchsvoller könnte sich die Lage für Assistenztrainer Luke Richardson und die Montreal Canadiens vor Spiel 5 des Stanley Cup Halbfinales gegen die Vegas Golden Knights nicht darstellen, trotz der sehr guten Leistungen zuletzt.

Da übernimmt der zweite Mann vor den beiden wichtigen Heimspielen im Bell Centre kurzfristig das Amt des Chefs an der Bande, weil Trainer Dominique Ducharme nach einem positiven Corona-Test vor Spiel 3 in Quarantäne muss, und seine Mannschaft liefert zwei ansprechende Vorstellungen ab. Trotzdem geht es jetzt mit einem aus Sicht der Canadiens enttäuschenden Zwischenstand von 2:2 in der Best-of-7-Serie zurück nach Las Vegas. Denn beim 1:2 n. V. in Spiel 4 am Sonntag wäre ein anderes Resultat durchaus möglich gewesen. So aber droht die Serie bei einer weiteren Niederlage in der T-Mobile Arena am Dienstag (9 p.m. ET; NHL.tv, DAZN, Sport1+; Mi. 3 Uhr MESZ) zuungunsten der Canadiens zu kippen.
Allzu große Sorgen bereitet das im Lager der Canadiens aber niemand, wie in einem Zoom-Call kurz vor dem Abflug nach Nevada deutlich wurde. "Die Mannschaft hat in den vergangenen beiden Spielen hervorragend auf die ungewöhnlichen Umstände reagiert. Wir sind ruhig geblieben. Wir haben uns auf das konzentriert, was wir beeinflussen können. Und das ist der richtige Weg, denke ich", erklärte Richardson. "Wir müssen versuchen, aus der Atmosphäre in ihrer Halle für uns einen Vorteil zu ziehen. Es macht immer Spaß, wenn die Halle laut ist", meinte er.

VGK@MTL, Sp4: Byron schließt Breakaway im 2. ab

Angreifer Brendan Gallagher zeigte sich am Montag von der Niederlage des Vorabends ebenfalls unbeeindruckt: "Für uns geht es in erster Linie darum, nach vorne zu blicken. Alles was hinter uns liegt, können wir ohnehin nicht mehr ändern. Wir sind aktuell gut drauf. Das ist es, was zählt. Hoffentlich haben wir ihnen gezeigt, was wir zu leisten im Stande sind. Wir fühlen uns wohl in unserer Rolle. Der Druck ist da, aber wir haben Selbstvertrauen."
Der Siegtreffer der Gäste von Nicolas Roy in der zweiten Minute der Verlängerung traf die Canadiens in Spiel 4 zunächst bis ins Mark. Die 3.500 zuvor sehr leidenschaftlich aufgetretenen Fans im Bell Centre verstummten schlagartig.

VGK@MTL, Sp4: Roy haut eigenen Rebound in OT rein

Statt mit einem 3:1-Vorsprung in die folgenden maximal drei Duelle gegen Vegas zu gehen, und damit drei Matchbälle vor sich zu haben, ist jetzt wieder alles auf null gestellt. Aus der Best-of-7-Serie ist ein Best-of-3-Format geworden.
In Anbetracht der Tatsache, dass das Spiel 5 und ein mögliches Spiel 7 in Las Vegas ausgetragen werden oder würden, steht die Überraschungsmannschaft der diesjährigen Stanley Cup Playoffs nun unter Zugzwang. Mindestens eines der maximal zwei Auswärtsspiele müssen die Canadiens gewinnen, wenn sie das Stanley Cup Finale erreichen wollen.
"Die Reisestrapazen werden den Rest der Serie schon etwas beeinflussen, schätze ich", sagte Verteidiger Jeff Petry. "Aber das darf keine Ausrede für uns sein. Es gilt jetzt, unser Tempo auf dem Eis zu unserem Vorteil zu nutzen. Das ist unser Plan. Wir dürfen nicht nachlassen, sondern müssen es ihnen so schwer wie möglich machen. Sollten wir in Führung gehen, müssen wir direkt dranbleiben und versuchen nachzulegen."

MTL@VGK, Sp2: Byron mit der Rückhand zum Tor

Interimstrainer Richardson, der zumindest in Spiel 5 noch in der Verantwortung stehen wird (die Rückkehr von Ducharme ist noch nicht konkret terminiert), muss damit in ungewohnter Rolle einen Spagat bewerkstelligen.
Einerseits kann er die Spieler in den kommenden Stunden bis zum nächsten Match damit aufbauen, dass sie den Gegner in Spiel 4 klar dominiert und keine großen Schwächen offenbart haben. Auf der anderen Seite muss er noch einmal etwas mehr aus ihnen herauskitzeln. Zumindest dann, wenn diesmal der Sieg herausspringen soll. Insbesondere die Durchschlagskraft im Sturm muss sich am Dienstag erhöhen, soll es mit einem Vorsprung zurück zu Spiel 6 nach Montreal gehen und nicht mit einem drohenden Aus im Nacken.
Richardson hatte diesbezüglich am Montag allerdings keine Bedenken: "Die Erwartungen an unsere Stürmer ändern sich auswärts nicht. In der Defensive haben sie zuletzt toll mitgearbeitet. Auch offensiv hatten wir einige gute Möglichkeiten. Immer wenn sich uns eine Chance bietet, müssen wir versuchen, sie mit aller Entschlossenheit zu nutzen."
Gallagher sieht in der Tatsache, dass Montreal jetzt zunächst wieder auswärts gefordert wird keinen grundlegenden Nachteil: "Als tiefer gesetztes Team starten wir die Serien ohnehin immer auswärts. Wir haben aber schon gezeigt, dass wir gut damit umgehen können. Sonst wären wir ja jetzt nicht hier. Wir haben erfahrene Spieler im Kader und wollen das Beste daraus machen."