EDMONTON, CANADA - APRIL 2: Tristan Jarry #35, Zach Hyman #18, Connor McDavid #97 and Darnell Nurse #25 of the Edmonton Oilers celebrate their victory over the Chicago Blackhawks after the game at Rogers Place on April 2, 2026, in Edmonton, Alberta, Canada. (Photo by Andy Devlin/NHLI via Getty Images)

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Ausgerechnet in einer Phase, in der die Edmonton Oilers auf einen ihrer gefährlichsten Torjäger verzichten müssen, finden sie zu großer Konstanz. Seit dem verletzungsbedingten Ausfall von Leon Draisaitl Mitte März hat die Mannschaft eine Bilanz von sechs Siegen und nur zwei Niederlagen hingelegt. Lediglich die Montreal Canadiens und die Tampa Bay Lightning sammelten in diesem Zeitraum noch mehr Erfolge.

Der 3:1-Arbeitssieg gegen die Chicago Blackhawks im Rogers Place am Donnerstag diente als perfektes Spiegelbild dieser unspektakulären, aber enorm effektiven Identität. Es war der fünfte doppelte Punktgewinn in Serie, der die Oilers mit nun 87 Zählern an die geteilte Spitze der Pacific Division beförderte. Connor McDavid spürt, dass sich innerhalb der Kabine etwas verändert hat. "Es ist offensichtlich gut gelaufen. Nicht nur, weil wir Spiele gewinnen, sondern man merkt, dass das emotionale Engagement da ist", erklärte der Kapitän.

Alle wichtigen Szenen aus dem Spiel zwischen den Edmonton Oilers und den Chicago Blackhawks

Die Defensive als Fundament

Ein elementarer Baustein dieses Höhenflugs ist die neu gewonnene defensive Stabilität. In den acht Spielen ohne Draisaitl ließen die Oilers im Schnitt lediglich 2,50 Gegentore pro Partie zu. Ein Sonderlob verdient das Unterzahlspiel, das in den vergangenen fünf Partien überragende elf von zwölf gegnerischen Powerplays unbeschadet überstand.
Trainer Kris Knoblauch hob den Einfluss der Neuzugänge hervor. "Mit Dickinson und Murphy haben wir zwei richtig gute Penalty Killer hinzugefügt", analysierte der Trainer. Doch auch die beste Formation benötigt einen verlässlichen Schlussmann. "Dein wichtigster Penalty Killer ist dein Torhüter", betonte Knoblauch.

Torhüter Tristan Jarry füllte diese Rolle mit 17 Paraden hervorragend aus. Obwohl er zuvor wenig Spielpraxis sammelte, zeigte er sich gegen Chicago in Topform. Knoblauch erklärte dies mit harter Arbeit abseits des Rampenlichts. Jarry investiere extrem viel Zeit im Training und feile intensiv an technischen Details. Diese Hingabe zahlte sich aus, als er am Ende des ersten Drittels mit einer wichtigen Parade einen Rückstand verhinderte.

Tiefe im Kader zahlt sich aus

Fehlt ein Stürmer vom Kaliber eines Draisaitl, entsteht eine Lücke, die schlichtweg nicht von einem Einzelnen geschlossen werden kann. Es erfordert eine geschlossene Mannschaftsleistung. Rookie Matt Savoie, der das 2:0 im Powerplay beisteuerte, brachte die aktuelle Mentalität präzise auf den Punkt. "Jeder gibt einfach ein bisschen mehr, arbeitet härter und findet diese zusätzlichen fünf bis sieben Prozent in seinem Spiel, um die Mannschaft wirklich besser zu machen", befand der Angreifer.

Wie sehr das Team als Einheit agiert, zeigte sich bei der emotionalen Befreiung von Adam Henrique. Der erfahrene Stürmer erzielte im zweiten Drittel nach einem Alleingang das so wichtige Führungstor. Es war sein erster Treffer seit dem 23. Oktober. Die sichtbare Freude auf der Bank unterstrich den intakten Zusammenhalt. "Es ist schön, rauszugehen, einen zu machen und endlich wieder auf der Anzeigetafel zu stehen", zeigte sich Henrique nach langer Durststrecke sichtlich erleichtert.

CHI@EDM: Savoie nutzt die Überzahl

Historische Marken abseits des Rampenlichts

Inmitten der geschlossenen Teamleistung fallen auch historische, individuelle Meilensteine an, die aktuell wie ein Nebenprodukt der Spielkontrolle wirken. Verteidiger Evan Bouchard verbuchte gegen Chicago seine 67. Vorlage der Saison. Damit zog er mit Franchise-Legende Paul Coffey gleich, der 1982/83 dieselbe Anzahl an Assists verzeichnete. 
Zugleich war es Bouchards 250. Vorlage in der NHL, wofür er 423 Spiele benötigte. Bei den Oilers erreichte einzig Mark Messier diese Marke so schnell. Auch McDavid liefert unermüdlich ab. Mit seiner Torvorlage baute der Liga-Topscorer (126 Punkte, 43 Tore, 83 Vorlagen) seine Punkteserie auf sechs Spiele aus. In diesem Zeitraum sammelte er elf Zähler, bestehend aus sechs Toren und fünf Assists. Diese individuellen Glanzpunkte fügen sich nahtlos in das Konstrukt ein und helfen dem Team, Partien aus einer Führung heraus souverän zu kontrollieren.

Der pragmatische Blick auf die Playoffs

Obwohl der Titel in der Pacific Division zum Greifen nah ist, herrscht in Edmonton große Gelassenheit. Der Fokus richtet sich nicht auf Tabellenstände, sondern voll auf die eigene Leistung. McDavid fasste diese pragmatische Einstellung der Mannschaft unmissverständlich zusammen. "Einfach das X neben unseren Namen zu setzen, ist die Hauptsache. Einfach reinkommen, das ist unser Hauptfokus", stellte der Kapitän, mit Blick auf die Stanley Cup Playoffs, nüchtern klar. 
Auf die Frage nach einem möglichen Heimvorteil in der Postseason reagierte er extrem abgeklärt. "Wir können eine Serie auswärts beginnen, wir können eine Serie zu Hause beginnen, wir fühlen uns in beiden Fällen ziemlich wohl."

Diese Ruhe zeichnet ein reifes Team aus. Die Mannschaft konzentriert sich ausschließlich darauf, in der nun entscheidenden Phase ihr bestes Eishockey abzurufen. Der Lauf der vergangenen fünf Spiele liefert den handfesten Beweis, dass die Oilers genau auf diesem richtigen Weg sind.

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