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Die deutsche Nationalmannschaft hat bei der IIHF-Eishockey-Weltmeisterschaft 2026 in der Schweiz den ersten Punkt eingefahren und beim 3:4 n.P. gegen die USA sogar unglücklich verloren. Die Schweizer Nati zündete derweil das nächste Offensiv-Feuerwerk und fegte im Alpen-Duell zweier bis dato noch ungeschlagenen Teams Österreich mit 9:0 von Eis. Italien schnupperte gegen Tschechien an einer Sensation, musste sich am Ende aber mit 1:3 geschlagen geben. Schweden wurde seiner Favoritenrolle mit einem 6:0 gegen Slowenien gerecht.

Das sind die Erkenntnisse des WM-Geschehens vom Mittwoch, 20. Mai:

Deutschland kann auch anders

Deutschland zeigte im vierten WM-Spiel gegen die USA ein ganz anderes Gesicht, spielte einfach, geradlinig und mit ganz viel Kampf. Der Lohn war nach drei Niederlagen in Folge (1:3 gegen Finnland, 0:2 gegen Lettland, 1:6 gegen die Schweiz) der erste Punkt bei dieser Weltmeisterschaft.

Kapitän Moritz Seider, sonst Abwehrchef bei den Detroit Red Wings in der NHL, ging direkt mit gutem Beispiel voran und jagte nach genau 60 Sekunden einen Distanzschuss zum 1:0 ins Ziel (2.). In Folge dessen wurde Torwart Philipp Grubauer zum besten Deutschen an diesem Abend. Der Goalie des Seattle Kraken strahlte viel Ruhe aus und zeigte einige Glanzparaden.

Ein individueller Fehler im deutschen Aufbau führte zu einem Geschenk für die Amerikaner, das Isaac Howard dankend annahm - 1:1 (15.). Aus dem Gewühl im Powerplay spitzelte Max Sasson den Puck zum 2:1 für die Vereinigten Staaten ins Tor (26.). Zwei Schwächen der DEB-Auswahl, die sich wie ein roter Faden durch Turnier zieht - sorgten also für den Rückstand.

Deutschland aber ließ sich nicht von seinem neuen Weg abbringen und erntete dafür den verdienten Lohn: Ein Schuss von Frederik Tiffels aus dem Slot rutschte zum 2:2 ins Tor (30.). Nach einem Konter servierte Alexander Ehl für Marc Michaelis, der zum 3:2 einschoss (33.). Auch danach hatten die Deutschen viele Chancen und verdienten sich die erneute Führung sozusagen rückwirkend.

Im dritten Drittel zeigte die DEB-Mannschaft auch eine klare Leistungssteigerung in Sachen Defensivarbeit, denn es wurde immer wieder mit hohem Laufeinsatz, allen fünf Mann zurück und guten Schlägern verteidigt. Hinzu kamen zahlreiche Entlastungsangriffe. Somit blieb das Chancenverhältnis ausgeglichen.

Die Schlussphase hatte gerade begonnen, da kam die USA zum Ausgleich: Grubauer hatte eigentlich schon die Fanghand auf dem Puck, die Amerikaner stocherten nach, Tommy Novak schob zum 3:3 (55.). Eine Coaches Challenge vom deutschen Trainer-Team blieb aus.

Nach einer torlosen Verlängerung musste der Sieger im Penaltyschießen gefunden werden. Josh Samanski traf gleich als erster Schütze für Deutschland, danach zeigte Grubauer starke Saves. Doch die US-Boys verwandelten ihre Versuche vier (Matt Coronato) und fünf (Ryan Leonard) und buchten den Extra-Zähler aufs Punktekonto.

Schweiz ist ein offensives Powerhouse

Die Schweizer verwöhnen ihre lautstarken Fans weiter und feierten am Mittwoch in Zürich den vierten Sieg im vierten Spiel ihrer Heim-WM. Nach dem 3:1 gegen die USA, dem 4:2 gegen Lettland und dem begeisternden 6:1-Kantersieg gegen Deutschland ließ die Nati ein 9:0 gegen Österreich folgen.

Die Messe gegen Austria war bereits nach dem ersten Drittel gelesen, denn die schnellen, spielstarken Schweizer legten los, wie die Feuerwehr: In einer 2-auf-1-Situation legte Denis Malgin quer zu Theo Rochette, der zum 1:0 traf (6.). Timo Meier spielte einen Doppelpass mit Dominik Egli und besorgte mit einem blitzschnellen Abzug das 2:0 (10.). Der Power Forward der New Jersey Devils bediente kurz darauf seinen Teamkollegen Nico Hischier mit einem Pass auf den zweiten Pfosten, wo Hischier per Tip-in auf 3:0 stellte (12.). Eine präzise Passstafette im Powerplay landete bei Damien Riat im Slot, die einzig logische Folge war das 4:0 (14.). Eine Machtdemonstration der Nati!

Im zweiten Drittel ließ die Schweiz einen Doppelschlag binnen 21 Sekunden folgen: Erst drückte Hischier den Puck im Powerplay zum 5:0 über die Linie (30.), dann traf Calvin Thürkauf nach einer Puckeroberung und überfallartiger Umschaltbewegung zum 6:0 in den kurzen Winkel (31.). Österreich versuchte, das Momentum mit einem Torwartwechsel zu stoppen, doch die Schweizer Lawine ließ sich davon nicht aufhalten: Rochette schoss nur 2:16 Minuten später zum 7:0 ein (33.).

Im Schussabschnitt sparten beide Teams Kräfte. Im Powerplay schraubte Riat den Spielstand mit einem Tip-in vor dem Tor auf 8:0 (51.). Christoph Bertschy traf aus schier unmöglichen, weil spitzem Winkel als Rechtsschütze von rechts in den rechten Winkel zum 9:0 (57.). Zweistellig wurde es zwar nicht mehr, dafür landete Torwart Leonardo Genoni einen Shutout, dem 13. in seiner Karriere, was einen neuen WM-Rekord darstellt.

Mit 22 Turnier-Toren und der maximalen Punktzahl von zwölf Zählern aus vier Partien unterstreicht die Schweiz ihre Gold-Ambitionen bei dieser Weltmeisterschaft.

Erste WM-Niederlage für Österreich

Österreichs Siegesserie ist gerissen. Nach beachtlichen Erfolgen gegen Großbritannien (5:2), Ungarn (4:2) und Lettland (3:1) wollte Austria auch den Schweizern ein Bein stellen, doch mit einer 0:9-Niederlage wurde der Außenseiter auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Auch ein zwischenzeitlicher Torwartwechsel - für Starter David Kickert kam nach 30:03 Minuten Backup Florian Vorauer ins Spiel - konnte die Blutung nicht stoppen.

Die bereits neun gesammelten Punkte aber kann Österreich keiner nehmen. Austria hat nach wie vor eine reelle Chance aufs Viertelfinale und braucht dafür nur noch einen Sieg. Vielleicht passiert dieser ausgerechnet im nächsten Nachbarschaftsduell gegen Deutschland am Samstag (20:20 Uhr)?

Italien 45 Minuten lang auf Sensationskurs

Bei der Begegnung Tschechien gegen Italien war die Favoritenrolle im Vorfeld klar verteilt. Doch ein Selbstläufer war die Partie für die Tschechen erstmal nicht. Nach dem ersten Drittel stand es trotz einem Schussvorteil von 15:4 dank dem italienischen Torwart Damien Clara nur 0:0. Dieser parierte sich auch immer tiefer in die Köpfe der Tschechen und behielt auch im zweiten Durchgang eine Weiße Weste - trotz 3:24 Torschüssen. Gleichzeitig gab Clara seinen Vorderleuten die Chance auf die Sensation: In der 30. Minute traf Nicholas Saracino tatsächlich zum 1:0 für Italien.

Mit Beginn des dritten Drittels aber kam auch Tschechien endlich auf die Anzeigetafel: Marek Alscher brach den Bann zum 1:1 (46.). Jakub Flek besorgte die 2:1-Führung (52.). Spätestens das Empty-Net-Tor zum 3:1 von Dominik Kubalik (60.) ließ alle Träume von einer Überraschung platzen.

NHLer befeuern Schwedens Offensive

Schweden wurde seiner Favoritenrolle gegen Slowenien gerecht und siegte ungefährdet mit 6:0. Mit Lucas Raymond von den Detroit Red Wings (4., 32.) und Jacob de la Rose (20., 26.) hatten die Tre Kronor zwei Doppelpacker in ihren Reihen. Mit Robert Hägg (27.) und Mattias Ekholm (38.) verhalfen zwei NHL-Verteidiger den Schweden zu einem noch höheren Sieg. 

Die Ergebnisse vom Mittwoch in der Übersicht:

Gruppe A

Österreich - Schweiz 0:9

USA - Deutschland 4:3 n.P.

Gruppe B

Tschechien - Italien 3:1

Schweden - Slowenien 6:0

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