021226 timo meier olympics

Der Knoten ist bei Timo Meier früh geplatzt – und das ausgerechnet auf der größten Bühne, die der Sport zu bieten hat. Beim Auftakt der Schweizer Herren-Nationalmannschaft in der Gruppe A bei den Olympischen Winterspielen Milano Cortina 2026 zeigte Meier, der im Ligaalltag für die New Jersey Devils spielt, eindrucksvoll, warum er trotz einer durchwachsenen NHL-Saison zu den wichtigsten Offensivkräften der „Nati“ zählt. Zwei späte Treffer des Powerforwards verwandelten eine lange zähe Angelegenheit gegen Außenseiter Frankreich in einen am Ende souveränen Erfolg und lieferten zugleich die perfekte Einstimmung auf den nun anstehenden Kracher gegen Gold-Favorit Kanada am Freitag.

Ein Befreiungsschlag zur richtigen Zeit!

In New Jersey war zuletzt Sand im Getriebe. Die Devils blieben als Team hinter den Erwartungen zurück und auch Meier selbst fand nur selten zu der Konstanz, die man von ihm kennt. Nach 52 Einsätzen in der NHL-Spielzeit 2025/26 stehen für ihn bislang 14 Tore und 14 Assists zu Buche – solide Zahlen, die jedoch weit von den Bestwerten entfernt sind, die er einst im Trikot der San Jose Sharks vorweisen konnte. In der Saison 2021/22 waren es nach 77 Hauptrundeneinsätzen noch 35 Treffer und 41 Vorlagen zu 76 Punkten.

Umso wichtiger war es für den 29-Jährigen, mit einem positiven Gefühl in das olympische Turnier in Italien zu starten. Und genau das gelang. „Tore zu schießen, macht immer Spaß. Und speziell hier bei meinen ersten Olympischen Spielen, vor dieser tollen Kulisse, ist es etwas Besonderes“, sagte Meier nach der Partie erleichtert. Vor den Augen zahlreicher Freunde und Familienmitglieder zu treffen, habe den Tag für ihn zusätzlich veredelt.

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Geduldsspiel nach Blitzstart

Der Turnierauftakt hatte für Meier und seine Mitstreiter verheißungsvoll begonnen. Die Schweizer überrollten Frankreich in den ersten Minuten, erspielten sich innerhalb von vier Minuten eine 2:0-Führung und schienen frühzeitig auf Kurs zu sein. Doch statt die Partie entspannt zu Ende zu spielen, verloren sie in der Folge etwas den Faden.

Vor allem im zweiten Drittel brachten zu viele Strafzeiten Unruhe. „Da haben wir uns etwas aus unserem Rhythmus bringen lassen“, analysierte Meier selbstkritisch. Frankreich blieb hartnäckig, lauerte auf Fehler und sorgte dafür, dass die Begegnung bis tief in den Schlussabschnitt hinein offenblieb.

Es war die Phase, in der die Schweiz ihre Topspieler brauchte. Und Meier lieferte.

Meier übernimmt – und schreibt Geschichte

In der 51. Minute war der Stürmer der Devils erstmals zur Stelle, nur sechs Minuten später legte er nach. Zwei erfolgreiche Abschlüsse, zwei Wirkungstreffer – und plötzlich war alle Nervosität verflogen. Frankreich kam nicht mehr entscheidend heran und die Eidgenossen brachten den Vorsprung abgeklärt über die Zeit.

Mit seinem Doppelpack schrieb Meier nebenbei auch ein kleines Stück Schweizer Eishockeygeschichte. Insgesamt ist er erst der dritte Akteur aus der Alpenrepublik, dem bei Olympischen Spielen mit NHL-Beteiligung in einem Spiel mehr als ein Treffer gelang. Die anderen beiden, die dieses Kunststück schon einmal zeigten, sind Paul Di Pietro im Jahr 2006 (2 Tore gegen Kanada) und Martin Plüss im Jahr 2002 (2 Tore gegen Österreich).

Für Meier selbst überwog nach Spielende dennoch der Teamgedanke. „Jetzt mit einem Sieg zu starten, war wichtig. Endlich konnten wir unsere Nervosität ablegen und loslegen“, erklärte er. Über weite Strecken habe man vieles richtig gemacht und im letzten Drittel die passende Reaktion gezeigt. „Das war ein fast perfekter Auftakt für uns. Aber uns allen muss klar sein, dass noch viel Arbeit vor uns liegt. Wir müssen uns noch steigern.“

Rückenwind für die großen Aufgaben

In der Kabine war die Erleichterung spürbar und die Freude für den Teamkollegen groß. Nico Hischier, der in New Jersey ebenfalls mit Meier spielt, betonte, wie wertvoll dieser Auftritt für Meiers Selbstvertrauen sein könne: „Für ihn freut es mich natürlich. Es ist wichtig, dass er sich wohlfühlt und mit viel Selbstvertrauen in die kommenden Aufgaben gehen kann.“

Ähnlich sah es Kevin Fiala, der in der Liga für die Los Angeles Kings spielt. Der Stürmer lobte den starken Einstieg seines Mitspielers, erinnerte aber auch an die gemeinsame Verantwortung: „Es ist natürlich toll, wie er heute in das Turnier gestartet ist. Das ist wichtig für ihn und für uns. Andererseits ist es unser Job, Tore zu schießen. Jeder bei uns versucht immer sein Bestes, um der Mannschaft zum Erfolg zu verhelfen.“

Nino Niederreiter von den Winnipeg Jets wiederum verwies auf die psychologische Komponente eines solchen Auftritts. „Timos zwei Tore heute waren sehr wichtig. Es ist immer gut, wenn die Stürmer zu Turnierbeginn sofort ihre Erfolgserlebnisse haben. Das hilft, das Momentum auf deine Seite zu ziehen. Aber so kennt man Timo auch. Er spielt effektiv und ist zur Stelle, wenn man ihn braucht.“

Viel Zeit zum Genießen bleibt allerdings nicht. Schon am Freitag wartet mit Kanada ein Gradmesser ganz anderes Kaliber. Wenn die Schweiz dort ab 21.10 Uhr MEZ bestehen will, braucht sie erneut ihre besten Spieler in Bestform.

Der Auftakt hat gezeigt: Timo Meier ist bereit, diese Rolle anzunehmen.

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