Leon Draisaitl #29 of Team Germany controls the puck against Simon Nemec #17 and Martin Fehervary #42 of Team Slovakia in the second period during the Men's Quarterfinals Playoff match between Slovakia and Germany on day 12 of the Milano Cortina 2026 Winter Olympic games at Milano Santagiulia Ice Hockey Arena on February 18, 2026 in Milan, Italy. (Photo by Bruce Bennett/Getty Images)

Am Ende war die Enttäuschung im deutschen Lager groß. Mit 2:6 unterlag die Herren-Auswahl des DEB am Mittwochmittag im Viertelfinale der Olympische Winterspiele Milano Cortina 2026 der Slowakei – und war von einem erwartet engen, spannenden Spiel überraschend weit entfernt. Bereits kurz nach der Spielmitte lag das Team mit 0:4 zurück, eine Hypothek, die sich als zu schwer erwies.

Die Treffer von Lukas Reichel zum zwischenzeitlichen 1:4 und Frederik Tiffels zum 2:5 brachten die überlegen auftretenden Slowaken nicht mehr ernsthaft ins Wanken. Statt einer Aufholjagd entwickelte sich ein Spiel, das die Grenzen der deutschen Mannschaft schonungslos offenlegte. Der vermeintlich „leichte“ Weg Richtung Medaille – er endete bitter und abrupt.

Zwischen Hoffnung und Realität

Nach dem klaren 5:1-Erfolg gegen Außenseiter Frankreich am Vortag hatte sich im deutschen Umfeld vorsichtiger Optimismus breitgemacht. Doch ein nüchterner Blick auf die Tage in Mailand zeigt: Die Mannschaft überzeugte über das gesamte Turnier hinweg nie wirklich konstant. In der Gruppenphase gelang in drei Spielen nur ein Sieg, nie erzielte das Team hier mehr als drei Tore in einer Partie. Zu wenig, um in einem Best-on-Best-Turnier ernsthaft von Edelmetall träumen zu können.

Dass Deutschland dennoch als Gruppenzweiter in die K.o.-Phase einzog, kam fast überraschend. Doch gegen die Slowakei wartete im Viertelfinale ein echter Prüfstein – und an dem scheiterte die DEB-Auswahl deutlich. Es war die dritte Niederlage im fünften Turnierspiel. Von einem eingespielten Kollektiv, das im entscheidenden Moment über sich hinauswächst, war zu wenig zu sehen.

„Wir haben nach dem Rückstand leider früh den Faden verloren und haben dann versucht, das Ganze mit der Brechstange anzugehen. So wird das am Ende dann natürlich nur selten was“, analysierte Verteidiger Moritz Seider, der in der NHL für die Detroit Red Wings die Schlittschuhe schnürt, selbstkritisch. „Unser Anspruch hätte auf jeden Fall sein sollen, so ein Spiel heute zu gewinnen. Aber am Ende reicht es in so einem Turnier eben nicht, nur phasenweise gut zu spielen.“

Moritz Seider #53 of Team Germany reacts after the team's 2-6 defeat in the Men's Quarterfinals Playoff match between Slovakia and Germany on day 12 of the Milano Cortina 2026 Winter Olympic games at Milano Santagiulia Ice Hockey Arena on February 18, 2026 in Milan, Italy. (Photo by Bruce Bennett/Getty Images)

Keine Zeit zum Zusammenwachsen

Ein zentrales Problem dieses Olympischen Auftritts lag womöglich im fehlenden Zusammenhalt auf dem Eis. Das Trainerteam um Harold Kreis musste innerhalb kürzester Zeit Spieler aus unterschiedlichen Ligen und Systemen zusammenführen. Vier Spiele in fünf Tagen – dieser eng getaktete Spielplan ließ kaum Raum für echte Entwicklung.

„Ich bin niemand, der nach Ausreden sucht“, sagte Kreis, „aber Spieltempo hängt natürlich auch immer mit dem physischen Zustand zusammen. Und es macht einen Unterschied, ob man innerhalb von nicht einmal 24 Stunden zweimal spielt oder zuvor drei Tage frei hat.“ Die Slowaken hatten genau diesen Vorteil – und nutzten ihn. „Sie hatten heute deutliche Tempovorteile.“

Ob die hohe Belastung einzelner NHL-Spieler eine Rolle spielte, wollte Kreis nicht abschließend bewerten. „Die Frage, ob ich die NHL-Spieler zu viel eingesetzt habe, mag berechtigt sein. Aber dass alle die gleiche Eiszeit bekommen, das wird es nicht geben.“ Tatsächlich wirkten einige Leistungsträger im Viertelfinale nicht frisch genug, um dem Spiel ihren Stempel aufzudrücken.

Auch Stürmer JJ Peterka von den Utah Mammoth sah die Physis als entscheidenden Faktor: „Heute sind wir mit der Physis der Slowaken einfach nicht zurechtgekommen.“ Zwar habe man im Laufe des Turniers besser zusammengefunden, „das hat man auch im letzten Spiel gegen Frankreich gesehen“, doch gegen einen robusten und aggressiven Gegner reichte das nicht.

Zu viele Schwankungen auf höchstem Niveau

Was bleibt, ist das Gefühl einer verpassten Chance. Deutschland hatte das Minimalziel Viertelfinale erreicht – doch die Ambitionen reichten weiter. Stattdessen offenbarte das Turnier immer wieder Leistungsschwankungen, die sich auf diesem Niveau nicht kaschieren lassen.

„Leider hatten wir in jedem Spiel gewisse Leistungsschwankungen“, räumte auch Kreis freimütig ein. „Aber gewisse Schwankungen gibt es immer. Entscheidend ist, dass die Mannschaft sich ins Spiel zurückkämpft.“ Genau das gelang gegen die Slowakei nur unzureichend. Der 0:4-Rückstand war nicht nur eine Frage der Tagesform, sondern Ausdruck struktureller Defizite im Turnierverlauf.

Torschütze Reichel, in Nordamerika bei den Vancouver Canucks unter Vertrag, brachte es auf eine persönliche Ebene: „Das Turnier hier war hart, hat aber gleichzeitig auch viel Spaß gemacht. Ich bin immer gerne mit diesen Mitspielern zusammen. Es ist schade, dass wir hier nicht konstanter agieren konnten.“ Der Teamgeist in der Kabine stimmte offenbar – doch auf dem Eis gelang es zu selten, dieses Gefühl in stabile Leistungen zu übersetzen.

Frederik Tiffels #95 of Team Germany celebrates with teammate Lukas Reichel #73 after scoring a goal in the third period during the Men's Quarterfinals Playoff match between Slovakia and Germany on day 12 of the Milano Cortina 2026 Winter Olympic games at Milano Santagiulia Ice Hockey Arena on February 18, 2026 in Milan, Italy. (Photo by Bruce Bennett/Getty Images)

Leon Draisaitl und seine Mitstreiter – auch wenn der NHL-Superstar an diesem Tag kaum Akzente setzen konnte – waren letztlich chancenlos gegen eine Slowakei, die frischer, strukturierter und zielstrebiger wirkte. Ob es allein die Müdigkeit war, ist müßig zu diskutieren. Der Klassenunterschied am Mittwoch war deutlich sichtbar.

So endet das Olympische Kapitel 2026 für die deutsche Herren-Nationalmannschaft mit einem ernüchternden Fazit: viel Talent, hohe Erwartungen – aber zu wenig Konstanz und Durchschlagskraft. Die Diskussionen über Rollenverteilung, Eiszeiten und Turniervorbereitung werden nun folgen. Am Ergebnis jedoch ändert das nichts. Der Traum von einer Medaille in Mailand ist geplatzt – und die Erkenntnis bleibt, dass auf höchstem Niveau nicht gute Phasen zählen, sondern komplette Spiele.

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