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Nun ist es offiziell: Die Schweiz steht bei den Olympischen Winterspielen Milano Cortina 2026 im Viertelfinale. Das Team qualifizierte sich am Dienstag mit einem 3:0-Sieg gegen den Gastgeber Italien für die nächste Runde. Am Mittwoch steht das nächste Duell gegen Finnland an (18:10 Uhr MEZ). Die Finnen sind deutlich stärker einzuschätzen als die Italiener, zudem werden die Eidgenossen zum zweiten Mal in Folge auf einen extrem starken Torhüter treffen.

Überlegener Auftritt

An der Spielweise der Schweizer in der Qualifikation gibt es nur wenig zu kritisieren. Sie hatten das Spiel von Anfang an im Griff und verbrachten den größten Teil der Partie im Vorwärtsgang. Im ersten Drittel lautete das Torschussverhältnis 18:2, und Philipp Kurashev erzielte bereits nach 79 Sekunden das 1:0; Kapitän Roman Josi legte in der elften Minute mit einem Distanzschuss im Powerplay das 2:0 nach.

„Das war ein solides Spiel, wir hatten unsere Chancen“, zeigte sich Verteidiger Jonas Siegenthaler zufrieden. „Vielleicht hätten wir mehr davon verwerten können. Ein Sieg ist aber ein Sieg. Jetzt freuen wir uns auf das nächste Spiel. Wir müssen uns erholen und uns auf morgen vorbereiten.“

Die schwächste Phase der Schweiz war das zweite Drittel. Italien kam zu mehr Spielanteilen und Offensivszenen. Im Schlussabschnitt übernahmen die Eidgenossen jedoch wieder die Kontrolle und Nico Hischier traf in Überzahl zum 3:0; er hatte bereits die ersten beiden Tore vorbereitet. Timo Meier steuerte Vorlagen zum 1:0 und 3:0 bei. Das Torschussverhältnis lautete am Ende 51:20 zugunsten der Schweiz.

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Bollwerk Clara

Josi und seine Kollegen hätten deutlich mehr Tore schießen können, was sie sich auch verdient hätten. Doch der italienische Torhüter Damian Clara setzte seine starken Leistungen bei diesem Turnier fort.

Der 21-jährige Torwart wurde im NHL Draft 2023 in der zweiten Runde mit dem 60. Pick von den Anaheim Ducks ausgewählt. Er spielt allerdings nicht in Nordamerika, sondern ist aktuell an Brynäs IF in der höchsten schwedischen Spielklasse SHL ausgeliehen. Mit seinem Team steht er auf Platz sieben der Tabelle und kommt mit einer Fangquote von 88,84 Prozent, 2,49 Gegentoren pro Spiel und zwei Shutouts auf eine Bilanz von 16-13-0.

„Er hat unglaublich gespielt“, zollte Hischier dem jungen Italiener Respekt. „Das muss man anerkennen. Morgen haben wir wieder einen super Torwart vor uns. Wir hätten einiges besser machen können, für mehr Verkehr vor dem Tor sorgen und ihm die Sicht nehmen können. Er war aber super und hat einige geniale Saves geliefert.“

Bei den Olympischen Spielen steigerte sich Clara auf ein neues Niveau und sorgte gegen die Schweiz für ein erstklassiges Torwartduell. Gegenüber Leonardo Genoni blieb fehlerfrei und durfte seinen zweiten Shutout des Turniers feiern. Angesichts des Schusshagels auf das italienische Tor kann man Clara jedoch kaum einen Vorwurf machen, dass er drei Mal hinter sich greifen musste. Hischier und Josi kamen jeweils auf sieben Torschüsse, Nino Niederreiter auf fünf. Allein diese drei Spieler hatten zusammen 19 Torschüsse, nur einen weniger als die komplette italienische Mannschaft.

„Wenn man gegen einen guten Torwart spielt, zeigt einem das immer, was man tun muss, um Tore zu schießen”, sagte Verteidiger JJ Moser mit Blick auf Claras 48 Saves. „Den schlägt man nicht mit einem sauberen Schuss, den er sehen kann. Das hat man heute gesehen, und das ist eine gute Lektion für morgen. So einen Torwart schlägt man nur durch abgefälschte Schüsse, verdeckte Schüsse oder Nachschüsse. Die ganzen dreckigen und unangenehmen Situationen.“

Der nächste Spitzentorhüter wartet

Gegen Finnland wird es sicherlich nicht einfacher werden, Tore zu schießen. Nicht nur, weil die Finnen insgesamt ein deutlich besseres Team sind. Mit Juuse Saros haben sie auch einen erstklassigen Torwart.

„Sie haben ein gutes Team, wir haben ein gutes Team, das wird ein spaßiges Spiel“, freut sich Moser. „Es wird ein enges Spiel mit viel Tempo, zwei schnelle und talentierte Teams.“

Saros ist bei den Nashville Predators, Josis Teamkollege. Mit einer Fangquote von 89,2 Prozent und 3,2 Gegentoren pro Spiel hat er nicht seine beste Saison, was aber auch am schlechten Start der Predators liegt. Anfang Dezember lagen sie auf dem letzten Platz der gesamten NHL.

In Mailand zeigte Saros sich wieder von seiner besten Seite. Er bestritt alle drei Spiele der Finnen und ist mit einer Fangquote von 94,59 Prozent der viertbeste Torwart des Turniers. Mit 1,34 Gegentoren liegt er auf Rang drei.

„Wir werden ihn uns nochmal genau ansehen”, versicherte Josi. „Ich kenne ihn natürlich sehr gut. Wir haben Glück, ihn in Nashville zu haben. Morgen sind wir Gegner, und ich werde mein Wissen über ihn natürlich mit der Mannschaft teilen.“

Im Gegensatz zu Clara hat Saros ein erstklassiges Team vor sich, das diszipliniert ein stabiles System in der Defensive spielt und in der Offensive über einige Durchschlagskraft verfügt. Mit 16 Toren hatten die Finnen die zweitbeste Offensive der Vorrunde. Was den Topscorer angeht, hat jedoch die Schweiz die Nase vorne. Vier Finnen teilen sich mit vier Punkten die teaminterne Führung. Der Schweizer Topscorer ist Meier mit sieben Punkten (drei Tore, vier Assists). Damit ist er insgesamt der zweitbeste Scorer des Turniers. Die Punkteverteilung bei den Finnen zeigt allerdings, dass sie über eine beeindruckende Tiefe verfügen.

„Wenn man sich die Ergebnisse der Vergangenheit anschaut, sind sie wahrscheinlich die Favoriten”, gab Josi zu. „Sie haben ein unglaubliches Team, starke Spieler und spielen bei der

WM und Olympia immer gut zusammen. Wir sind aber selbstbewusst und werden alles geben, dann sehen wir, was passiert.“

Ein weiterer Faktor ist, dass Finnland als bester Gruppenzweiter der Vorrunde direkt für das Viertelfinale qualifiziert war und daher am Dienstag einen spielfreien Tag hat. Die Eidgenossen müssen hingegen zwei Spiele in 30 Stunden bestreiten, was ein Nachteil sein könnte.

„Das ist schwer zu sagen“, erklärte Moser. „Man kann argumentieren, dass wir mehr Energie verbraucht haben, aber auch, dass wir mehr Zeit hatten, um als Team zusammenzufinden und mehr an unserem System zu arbeiten. Schwer zu sagen, was wichtiger ist.“

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