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Der Kapitän hat geliefert. In der Qualifikationsrunde der Olympischen Spiele Milano Cortina 2026 spielte Superstar Leon Draisaitl mit drei Punkten (1-2-3) zu Deutschlands 5:1-Erfolg gegen Frankreich eine Hauptrolle. Diese erforderte nicht nur eine Menge Kondition, sondern auch Anpassungsfähigkeit, denn der 30-jährige Center der Edmonton Oilers erhielt viel Eiszeit mit verschiedenen Reihen-Partnern und in allen Situationen.

Reichel rotiert in die erste Reihe

Auf dem Papier centerte Draisaitl die erste Sturmreihe neben Frederik Tiffels und Lukas Reichel. Letzterer rotierte anstelle von Josh Samanski neu in diese Formation.

„Es macht definitiv Spaß, mit ihm zu spielen“, strahlte Reichel hinterher. „So wie er das Spiel liest, ist er immer am richtigen Platz. Manchmal braucht er gar nicht so viel skaten, weil er richtig steht. Ich wünschte, ich hätte seinen Pass verwerten können.“

Gemeint war eine Szene in der 50. Minute, als Reichel einen Draisaitl-Querpass direkt abfasste, doch in einem Monster-Save schnellte die Fanghand von Frankreichs Goalie Antoine Keller nach oben und vereitelte ein sichergeglaubtes Tor.

„Wir haben das heute gut gemacht“, befand auch Draisaitl. „In dieser Konstellation haben wir noch nie zusammengespielt, es dauert manchmal ein bisschen, bis jeder weiß, was seine Rolle ist. Das ist auch ganz normal.“

Kreis mischt neue Mitspieler hinzu

Insbesondere Draisaitl musste sich immer wieder umstellen. Situativ wurde er zusammen mit seinen NHL-Kollegen Tim Stützle und JJ Peterka rausgeschickt.

„Meistens haben wir das bei Offensiv-Faceoffs so gemacht“, erklärt Bundestrainer Harold Kreis. „Manchmal ist es ein Gefühl oder um das Momentum hochzuhalten. Wir haben es heute auch nach einem Penalty Killing gemacht, Leon und Tim als letztes Unterzahl-Paar draufgeschickt und sie dann mit JJ ergänzt. Wir wollen Offensive kreieren oder das Momentum am Laufen halten. Sie sind sehr effektiv. Es war zu sehen, dass der Gegner mit ihnen alle Hände voll zu tun hatte. Sie sind alle exzellente Spieler.“

Sich spontan während eines Spiels auf neue Mitspieler einzustellen, ist für Draisaitl nichts Neues. In Edmonton verfährt Oilers-Trainer Kris Knoblauch genauso: Manchmal centern Connor McDavid und Draisaitl ihre eigene Reihe, in bestimmten Situationen bietet er sein Duo Infernale Seite an Seite auf. Dies passiert mehrfach in einem Spiel.

„Das ist nicht ungewöhnlich“, sagt auch Kreis. „Bestimmte Spieler werden in bestimmten Situationen einfach rausgeschickt. Leon ist einer der besten Spieler der Welt, du kannst ihn in jeder Situation gebrauchen.“

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Sturm: „Sie sind unsere wichtigsten Spieler“

„Gegen diese Reihe würde ich ungern spielen wollen. Normalerweise läufst du da viel hinterher“, grinste Mittelstürmer Nico Sturm. „Leons Fähigkeiten, den Puck abzuschirmen, zählen zu den besten in der Liga. Er ist in der Lage, Mitspieler zu finden, wo eigentlich kein Passweg ist. Er ist so tödlich, wie man es sich nur vorstellen kann. Sie sind unsere wichtigsten Spieler und müssen das auch weiterhin bleiben.“

Einen guten Blick auf die NHL-Reihe Stützle/Draisaitl/Peterka hatte Torwart Philipp Grubauer von hinter heraus und erkannte „große Gefahr“, wenn das Trio auf dem Eis war: „Du musst immer aufpassen, wo sie gerade sind. Sie können sich überall reinschleichen, gleichzeitig weiß jeder, wo Leons Lieblingsplatz ist, doch er kann aus jeder Lage treffen. Sie haben so viele Fähigkeiten, sind so schnell und so offensiv, dass sie viele Chancen kreieren. Es ist großartig mit ihnen und nicht gegen sie spielen zu müssen.“

Mehr Raum mit Leon

Stützle und Peterka, die nominell die zweite Reihe mit Samanski bildeten, fremdelten keineswegs mit dem reinrotierenden Draisaitl. Im Gegenteil.

„Es ist super spaßig“, befand Peterka. „Wir laufen uns da draußen füreinander frei, versuchen uns gegenseitig in Szene zu setzen. Wenn du mit zwei Spielern zusammenspielst, die so gut sind, dann fühlt sich das gut an. Ich bin super glücklich. Wenn Leon mit drauf ist, dann haben wir ein bisschen mehr Raum, denn der Gegner ist gewarnt, wenn er auf dem Eis ist.“

„Wir haben wirklich eine gute Chemie“, stimmt Stützle mit ein. „Wir müssen uns weiter finden, uns die Pässe zuspielen, dann werden gute Dinge passieren. Jede Reihe, in die du Leon stellst, wird Chancen bekommen. Das haben wir heute gezeigt. Wir hatten viel Momentum in der Offensivzone, auch unser Powerplay war heute viel besser, es war gut, zweimal zu treffen. Es ist schön mit einem Spieler wie ihm spielen zu dürfen. Wir wollen weiter Druck machen.“

Klare Steigerung im Powerplay

Im Powerplay ist die Nummer 29 ohnehin gesetzt. Selbstredend in seinem „Wohnzimmer“ im rechten Faceoffkreis. Genau dort lauerte Draisaitl, als ihn ein Querpass von Samanski erreichte. Der 1,89 Meter große Linksschütze ging mit einem Knie aufs Eis und donnerte den Puck per Direktabnahme zum 1:0 in die Maschen (4.).

„Josh macht einen großartigen Job mit seiner Präsenz vor dem Tor, insbesondere im Powerplay bei seinem Pass mit der Rückhand“, verteilte Kreis ein Sonderlob. „Er ist ein großer Mann, er steht dort und er kennt Leon. Sie unterhalten sich immer und haben richtig gut zusammengespielt.“

Samanski celebrates vs France Feb 17 26

Weil später auch Samanski auf Draisaitl-Zuspiel zum 4:1 im Powerplay traf (48.), polierte Deutschland sein bis dato harmlosen Überzahlspiel von 11,1 Prozent auf 25 Prozent Erfolgsquote auf. Auch das Penalty Killing verbesserte sich von 50 auf 62,5 Prozent.

Eiszeit-Management als Balanceakt

Im Viertelfinale gegen die Slowakei am Mittwoch (12:10 Uhr MEZ) wird sich Deutschland erneut voll auf seinen Superstar verlassen. Genau deshalb jonglierte Kreis im letzten Drittel gegen Frankreich mit Draisaitls Eiszeiten.

„Wir müssen die Eiszeit ein wenig verteilen, weil wir Back-to-Back spielen und auch an morgen denken müssen“, so Kreis. „Wenn wir 5:1 im letzten Drittel führen, dann werde ich Leon keine doppelten Wechsel fahren lassen, denn wir brauchen seine Energie für morgen.“

Viel Eiszeit abzuspulen, ist für den Kölner kein Problem. Bei den Oilers erhält er mit im Schnitt 22:05 Minuten pro Spiel die viertmeiste unter allen NHL-Stürmern.

„Ich bin es aus Edmonton gewohnt, viel auf dem Eis zu stehen“, sagt Draisaitl. „Jungs, die viel spielen, die brauchen diese Eiszeit. Man muss das aber auch gut ausbalancieren können, da die anderen Jungs sind genauso wichtig für unseren Erfolg.“

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