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Es war eine Szene, die sinnbildlich für den Aufbruch stehen könnte. Mit einem dynamischen Schnitt zum Tor ließ JJ Peterka die Null in seiner persönlichen Torschützenliste bei den Olympischen Winterspielen Milano Cortina 2026 hinter sich. Tim Stützle hatte den Angreifer der Utah Mammoth zuvor mit einem gefühlvollen Rückhandpass mustergültig bedient, und Peterka vollendete eiskalt zum zwischenzeitlichen 3:0 (19.). Am Ende setzte sich Deutschland im Qualifikationsspiel für das Viertelfinale in Mailand mit 5:1 souverän gegen Außenseiter Frankreich durch.

Auch wenn der Auftritt der DEB-Auswahl – wie schon in den drei Gruppenspielen – nicht durchgängig überzeugend war, lieferte die Partie wichtige positive Erkenntnisse für Bundestrainer Harold Kreis. Neben dem klaren Ergebnis waren es vor allem strukturelle Fortschritte, die Hoffnung machen, sowie ein wachsendes Selbstverständnis in der Offensive.

Endlich zündet das Powerplay!

Das Überzahlspiel war zuvor ein zentrales Sorgenkind gewesen. In den ersten drei Gruppenspielen war Deutschland bei neun Versuchen lediglich ein Treffer gelungen – mit 11,1 Prozent der schwächste Wert aller zwölf teilnehmenden Nationen. Gegen Frankreich jedoch präsentierte sich das Powerplay wie verwandelt: Zwei Tore bei drei Gelegenheiten bedeuteten eine Erfolgsquote von 66,7 Prozent.

Dieser Effizienzsprung kam nicht nur statistisch zur rechten Zeit. Er unterstrich, dass die Mannschaft deutlich mehr Qualität im Überzahlspiel besitzt, als sie bislang gezeigt hatte. Der Puck lief schneller, die Laufwege wirkten abgestimmter und die Abschlüsse entschlossener. Es war ein Signal an die Konkurrenz – und an die eigene Mannschaft.

„Wir haben heute allen gezeigt, dass wir in der Offensive breit aufgestellt sind“, betonte Stützle. „Und auch unser Powerplay war mit zwei Erfolgserlebnissen heute deutlich besser als zuletzt. Wir wollen auch weiterhin in allen Bereichen Gas geben und uns verbessern.“

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Mehr als nur Draisaitl und Stützle

Im Vorfeld war kritisiert worden, dass sich das deutsche Offensivspiel zu sehr auf die NHL-Superstars Leon Draisaitl von den Edmonton Oilers und Stützle von den Ottawa Senators konzentriere. Gegen Frankreich präsentierte sich die Mannschaft deutlich variabler.

Peterkas Treffer war dabei mehr als nur ein schönes Tor – er war ein Symbol für die wachsende Breite im Angriff. „Das Tor war eine tolle Sache für mich“, sagte der 24-Jährige. „Ich war ganz überrascht, dass ich in der Situation so viel Platz und Zeit hatte. Tim hat einen wirklich super Pass zu mir gespielt. Es hat sich klasse angefühlt, hier meinen ersten Treffer zu erzielen.“

Ob ihm dieses Tor dauerhaft zusätzliches Selbstvertrauen verleiht, wollte Peterka nicht überbewerten. „Aber jedes Spieldrittel in dieser Formation trägt ein Stück weit dazu bei, dass wir immer besser harmonieren. Wir alle wissen ja, wie groß die Herausforderung in diesem Turnier ist. Und da tut natürlich auch jedes Tor auf seine Weise gut.“

Tatsächlich war zu erkennen, dass die Reihe mit Draisaitl, Stützle und Peterka zunehmend besser zueinanderfindet. „Immer, wenn ich mit Leon und Tim zusammen auf dem Eis stehe, haben wir sehr viel Spaß und versuchen, uns bestmöglich anzubieten und freizulaufen“, erklärte Peterka. „Wenn man mit so tollen Mitspielern agieren kann, dann fühlt sich das immer gut an.“

Auch Stützle hob die Chemie innerhalb der Formation hervor: „Für JJ freut mich das sehr. Er hat sich in den Spielen zuvor immer voll reingehängt. Da war es nur eine Frage der Zeit, bis er einmal trifft. Wir haben eine tolle Chemie auf dem Eis. Wir müssen unser Zusammenspiel noch etwas weiter verfeinern, dann geht da auch noch mehr.“

Draisaitl ordnete die Entwicklung realistisch ein: „Das war ein Schritt in die richtige Richtung. Wir haben in dieser Formation ja noch nie zusammengespielt. Das braucht alles etwas Zeit. Bis jeder seine Rolle kennt und weiß, wie der andere tickt, braucht man etwas Geduld. Es ist normal, dass da noch nicht alles auf Anhieb optimal läuft.“

Draisaitl vs France Feb 17 26

Rückenwind für das Viertelfinale

Peterka war nicht der einzige NHL-Protagonist, der sich erstmals in Mailand in die Torschützenliste eintrug. Nico Sturm von den Minnesota Wild traf in der Schlussminute ins leere Tor zum Endstand, als Draisaitl uneigennützig zu ihm abspielte anstatt selbst zu schießen. Auch Frederik Tiffels und Josh Samanski – letzterer ebenfalls ein Oiler – feierten bei diesem Turnier ihre Torpremieren.

Damit dürfte die Diskussion um eine angeblich fehlende Tiefe in der deutschen Offensive zumindest vorerst verstummen. Mehrere Reihen steuerten Treffer bei, das Powerplay funktionierte und die Topformation beginnt zu harmonieren. Die Mischung aus individueller Klasse und wachsender mannschaftlicher Geschlossenheit könnte in den K.-o.-Spielen noch entscheidend werden.

Bereits am Mittwoch wartet im Viertelfinale die Slowakei (12:10 Uhr MEZ). Viel Zeit zur Regeneration bleibt nicht. „Wir sollten das Selbstvertrauen aus diesem Spiel mitnehmen”, forderte Bundestrainer Harold Kreis. „Bis zum nächsten Spiel bleibt nicht viel Zeit, um uns zu erholen. Aber wir werden nicht jammern, sondern uns bestmöglich erholen und im Viertelfinale wieder alles abrufen.“

Für Peterka könnte sein erstes Olympiator genau zur richtigen Zeit gekommen sein. Nicht als isoliertes Erfolgserlebnis, sondern als Baustein einer Entwicklung, die das deutsche Team gefährlicher und unberechenbarer macht. Wenn aus guter Chemie echte Durchschlagskraft wird, dann war der Treffer gegen Frankreich womöglich erst der Anfang.

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