St. Louis Blues

Die St. Louis Blues erlebten am Samstagabend einen bittersüßen Moment: Einerseits feierte die Mannschaft aus Gateway City einen 5:3-Auswärtssieg beim Central-Division-Rivalen Chicago Blackhawks. Andererseits bedeutete der gleichzeitige Sieg der Los Angeles Kings gegen die Edmonton Oilers (1:0) das rechnerische Aus für die Blues im Rennen um die Stanley Cup Playoffs 2026.

„Realistisch betrachtet war klar, dass L.A. nicht fünf Spiele in Folge verlieren würde“, sagte St. Louis‘ Trainer Jim Montgomery. „Ich werde jetzt nicht groß über die Mannschaft reflektieren, aber ich kann über meine eigenen Erfahrungen reflektieren. Es ist das erste Mal, dass ich die Playoffs verpasst habe. Ich weiß, dass ich daraus lernen und daran wachsen werde, denn mir sind einige Fehler bewusst geworden, die ich gemacht habe, und vielleicht auch einige Punkte, bei denen ich mich im Laufe des Jahres nicht an meine Überzeugungen gehalten habe, wie man eine Mannschaft aufbaut.“

Die Highlights und spielentscheidenden Szenen aus dem Spiel zwischen den Chicago Blackhawks und den St. Louis Blues

Die Gründe für das Aus

Die Blues erlebten einen Fehlstart in die Saison 2025/26 mit nur drei Siegen aus den ersten zwölf Spielen (3-7-2; 33,2 Prozent der Punkte). Auch danach wurde es kaum besser: Bis zum 5. Dezember gab es neun Siege aus 28 Partien (9-12-7; 44,6 Prozent der Punkte). Ein schwacher Januar, mit nur fünf Siegen aus 14 Spielen (5-8-1; 39,3 Prozent der Punkte) machte eine Playoff-Qualifikation zu einer Mission Impossible.

Seit dem Re-Start nach den Olympischen Winterspielen Milano Cortina 2026 Mitte Februar war St. Louis mit 70,5 Prozent der Punkte plötzlich das drittbeste NHL-Team (14-5-3; 31 Punkte). Doch diese Aufholjagd kam zu spät.

„Ja, ich denke, seit wir aus der Pause zurückgekommen sind, entwickeln wir uns eindeutig in die richtige Richtung und zeigen gutes Eishockey“, sagte Verteidiger Tyler Tucker. „Das müssen wir in den nächsten drei Spielen einfach so weitermachen und einen würdigen Abschluss finden. Natürlich versuchen wir hier etwas aufzubauen. Wir haben dieses Jahr nicht erreicht, was wir uns vorgenommen hatten. Ich denke, diese nächsten paar Spiele sind für die jüngeren Spieler so wichtig, um Erfahrungen für das nächste Jahr zu sammeln.“

Das Hauptproblem der Blues liegt in der Offensive. Das belegen gerade einmal 2,68 Tore/Spiel (28. Platz in der NHL), 178 Stürmer-Tore (29.), 25,3 Torschüsse/Spiel (29.) und insgesamt nur 4110 Schussversuche (30.) - in allen diesen Kategorien zählt St. Louis zu den fünf schlechtesten Mannschaften der Liga.

Beim Blick auf die Einzelspieler wird schnell deutlich, dass es an Qualität in der Spitze fehlt: Top-Scorer Robert Thomas führt seine Mannschaft mit 58 Punkten (22-36-58) aus 61 Spielen an. Dahinter klafft bereits eine erste Lücke. Nur vier weitere Stürmer schafften es, die Marke von 40 Punkten zu überschreiten: Dylan Holloway (20-26-46), Pavel Buchnevich (17-28-45), Jimmy Snuggerud (18-26-44) und Jordan Kyrou (18-25-43). Auch hinter dieser Gruppe klafft ein gähnendes Loch. Der nächstbeste Scorer ist Jake Neighbors (14-19-33) mit bereits zehn Punkten weniger.

STL@COL: Thomas schießt drei Tore beim Sieg gegen die  Avalanche

Den Blues fehlen spielstarke und torgefährliche Spielertypen, ein überraschender Moment und Konstanz in der Produktivität.

Die Special Teams blieben mit kumuliert 94,2 Prozent deutlich unter dem Qualitätssiegel von 100. Sowohl im Powerplay (17,8 Prozent Erfolgsquote) als auch im Penalty Killing (76,4 Prozent) rangiert St. Louis ligaweit nur auf Rang 26.

Hinzu kamen eine Heimschwäche (18-14-7 auf eigenem Eis; 28.) und fehlende Comeback-Qualitäten: Nur 13 Comeback-Siege sind ein geteilt viertschlechtester Wert, gar nur zwei (!) Comebacks gelangen in der gesamten Spielzeit im dritten Drittel (32.). In den 16 Spielen, die über die reguläre Spielzeit von 60 Minuten hinausgingen, konnten nur deren vier (!) gewonnen werden (32.).

Was für die Zukunft optimistisch stimmt

Mit Neighbors (24), Jack Finley (23), Logan Mailloux (22), Snuggerud (21), Theo Lindstein (21), Otto Stenberg (20) und Dalibor Dvorsky (20) wurden Spieler mit Jahrgang 2002 oder jünger bereits regelmäßig in der NHL eingesetzt. Lindstein (29. Stelle), Stenberg (25. Stelle) und Dvorsky (10. Stelle) sind allesamt Erstrunden-Picks aus dem Draft 2023, der schon fünf Über-100-Punkte-Spieler hervorgebracht hat (Connor Bedard, Leo Carlsson, Adam Fantilli, Will Smith, Matvei Michkov). Hier erhoffen sich die Blues noch viel Rendite in naher Zukunft.

EDM@STL: Dvorsky erzielt per Direktschuss sein erstes NHL-Tor

Gleiches gilt für die noch nicht eingesetzten, aber früh gedrafteten Justin Carbonneau (NHL Draft 2025, 1. Runde, 19. Stelle), Adam Jiricek (Draft 2024, 1. Runde, 16. Stelle), Colin Ralph (Draft 2024, 2. Runde, 48. Stelle) und Lukas Fischer (Draft 2024, 2. Runde, 56. Stelle).

Im kommenden NHL Draft 2026 halten die Blue gleich drei (!) Erstrunden-Picks: Ihr eigenes, das der ebenfalls eliminierten Detroit Red Wings und das der Colorado Avalanche. Höchstwahrscheinlich werden dies ein Top-10- und ein Top-15-Pick sowie ein recht später Pick sein.

Derweil zeichnet sich eine Verjüngung im Tor ab: Jordan Binnington (32) und Joel Hofer (25) erhielten gleichmäßige Spielanteile. Dabei schien Herausforderer Hofer seinen sieben Jahre älteren Kollegen zumindest statistisch den Rang abzulaufen: Hofer kam in 41 Starts auf 22 Siege, einen Gegentorschnitt von 2,59, eine Fangquote von 91,1 Prozent sowie sechs Shutouts. Binnington dagegen kann in 38 Starts zwölf Siege, einen Gegentorschnitt von 3,28, eine Fangquote von 87,5 Prozent und einen Shutout vorweisen. Gut möglich, dass die Blues in Zukunft auf Hofer setzen und Binnington für ein gutes Draftpick eintauschen, um den Umbruch voranzutreiben.

Suter geht in zweites Vertragsjahr

Mit Pius Suter kam ein Schweizer für St. Louis zum Einsatz. In 61 Spielen sammelte der 29-jährige Zürcher 28 Punkte (13-15-28) und hatte mit einer Plus-Minus-Bilanz von +10 den drittbesten Wert in seiner Mannschaft. Zwischenzeitlich fand sich der linksschießende Zwei-Wege-Stürmer auch mal als Healthy Scratch in der Pressbox wieder. Sein Zweijahresvertrag (durchschnittliches Jahressalär: 4,125 Millionen US-Dollar) läuft noch ein Jahr bis 2027.

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