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Die 20-jährige Wartezeit hat ein Ende. Mit einem dominanten 6:1-Sieg gegen die Montreal Canadiens in Spiel 5 des Eastern Conference Finales haben die Carolina Hurricanes am Freitag im Lenovo Center das Ticket für das Stanley Cup Finale gelöst. Zum ersten Mal seit dem historischen Titelgewinn im Jahr 2006 greift das Franchise wieder nach der wichtigsten Trophäe der Eishockeywelt.

Die Mannschaft von Trainer Rod Brind'Amour krönte damit eine herausragende Serie und untermauerte ihre Vormachtstellung in den laufenden Stanley Cup Playoffs. Mit einer fast makellosen Bilanz von zwölf Siegen bei nur einer einzigen Niederlage sind die Hurricanes das erste Team seit 1987, das mit weniger als zwei Niederlagen in die Finalserie einzieht.

NATURGEWALT

Trainer Brind'Amour führt Carolina nach 20 Jahren auf beeindruckende Weise wieder ins Finale

Überfallartiger Start

Die Hurricanes ließen von der ersten Minute an keinen Zweifel an ihren Ambitionen aufkommen und überrollten den Gegner regelrecht. Taylor Hall (ein Tor, zwei Vorlagen) eröffnete den Torreigen nach 9:17 Minuten im ersten Drittel. Er verwertete einen Abpraller nach einem Schuss von Logan Stankoven (ein Tor, zwei Vorlagen).

Stankoven selbst erhöhte später im ersten Abschnitt mit einem präzisen Schuss aus dem rechten Bullykreis auf 2:0 (16.). Es war bereits sein neunter Treffer in dieser Postseason. Als Eric Robinson nach einem perfekt getimten Pass von William Carrier durch die neutrale Zone, per Alleingang, auf 3:0 stellte, war der Widerstand der Canadiens früh gebrochen (17.).

Carolina erdrückte die Frankokanadier mit purer Physis und einem zermürbenden Forechecking. Jordan Staal fand klare Worte für diese taktische Marschroute. „Ich denke, es liegt daran, worin wir investiert haben. Die Körperlichkeit gegen ihre Verteidiger, das Spielen in ihrer Zone, das Zermürben und der Versuch, sie zu Fehlern zu zwingen“, erklärte der Routinier. „Unsere Starts waren unglaublich. Sie wussten, dass es kommt, und wir haben es trotzdem gebracht. Das ist schwer zu bespielen, frustrierend und entmutigend.“

Dieses konsequente System zeigte sich auch beim 4:0 im zweiten Drittel. Hall erzwang einen Scheibenverlust, trug den Puck durch die neutrale Zone und Jackson Blake verwertete schließlich den Rebound (28.).

Die Highlights und spielentscheidenden Szenen aus dem Spiel zwischen den Carolina Hurricanes und den Montreal Canadiens

Spielen für Frederik Andersen

Neben der offensiven Durchschlagskraft, die durch Shayne Gostisbeheres Powerplay-Treffer zum 5:0 im Mittelabschnitt weiter abgerundet wurde (39.), rückte vor allem Schlussmann Frederik Andersen in den Mittelpunkt.

Der Torhüter zeigte 23 Paraden und bildete einen sicheren Rückhalt. Dabei hatte er persönlich schwere Stunden hinter sich, nachdem die Nachricht vom Tod seines Agenten Claude Lemieux bekannt geworden war. Seine Mitspieler spürten diese emotionale Ausnahmesituation und stellten sich bedingungslos vor ihren Fels in der Brandung. Andersen krönte seine Leistung auf dem Eis und ist nun der erst dritte Torhüter in der NHL-Geschichte, der zwölf Siege in seinen ersten 13 Playoff-Spielen eines Jahres verbuchen konnte.

„Ich kann nicht genug über den Torwart sagen, der er ist, aber noch wichtiger, über den Menschen, der er ist“, betonte Jordan Martinook sichtlich bewegt. „Für ihn, diese Nachrichten gestern zu bekommen, zu wissen, dass dies ein wichtiges Spiel war, und dann so zu spielen, wie er es getan hat. Ich liebe diesen Kerl einfach und bin stolz auf ihn.“

Auch Sebastian Aho hob die mentale Stärke seines Torhüters hervor. „Er war unglaublich. Einfach wieder unglaublich“, sagte Aho. „Zu wissen, was er im letzten Jahr und in den letzten Tagen durchgemacht hat, war offensichtlich eine emotionale Zeit für ihn. Aber wie er für das heutige Spiel aufgetaucht ist, das ist unglaublich. Es ist sehr schön, diesen Sieg für Freddie zu holen.“

MTL@CAR, ECF, Sp. 5: Claude Lemieux wird mit einer Schweigeminute geehrt

Schmerzhafter Lernprozess

Für die Canadiens endete eine siebenwöchige Playoff-Reise, die trotz des klaren Aus im Conference Finale als fundamentaler Wachstumsfaktor dienen wird. Cole Caufield sorgte im dritten Abschnitt in Überzahl zwar noch für den Ehrentreffer zum 5:1 (51.), doch die Dominanz der Hurricanes blieb an diesem Abend unangetastet. Montreals Trainer Martin St. Louis legte den Finger nach der Partie schonungslos in die Wunde. Er analysierte den Unterschied zwischen seinem aufstrebenden Team und den abgeklärten Hausherren.

„Carolina hat eine Menge Erfahrung. Man muss ihrer Spielweise Anerkennung zollen, weil sie wirklich passend zu ihrer Identität spielen“, gab St. Louis zu Protokoll. „Sie haben es uns wirklich schwer gemacht. Wir werden aus vielen dieser Dinge lernen. Ich denke, das sollte Benzin ins Feuer gießen. Es sollte uns hungrig machen.“ Der Trainer verdeutlichte, dass seine Mannschaft durch diese bittere Erfahrung wachsen müsse, um auf diesem Niveau dauerhaft bestehen zu können. Für die Canadiens war es der erste tiefe Playoff-Run dieser jungen Generation.

MTL@CAR, ECF, Sp. 5: Caufield nutzt Überzahl zum Treffer

Das wahre Ziel vor Augen

Den sportlichen Schlusspunkt unter die Serie setzte Seth Jarvis mit einem Treffer ins verwaiste Tor der Canadiens zum 6:1-Endstand (57.). Kaum war die Schlusssirene ertönt, richtete sich der Fokus der Hurricanes bereits auf die nächste Aufgabe. Auf dem Eis traf die Mannschaft die bewusste Entscheidung, die Prince of Wales Trophy für den Gewinn der Eastern Conference nicht zu berühren. Dieser Aberglaube unterstreicht den ungestillten Hunger eines Kaders, der jahrelang schmerzhafte Playoff-Niederlagen verdauen musste.

„Das war eine Gruppenentscheidung“, erklärte Aho nüchtern. „Ich kann es kaum erwarten, das echte Ding zu berühren. Das ist das Ziel.“ Auch Trainer Brind'Amour, der nun als erst siebter Akteur der NHL-Geschichte dasselbe Franchise als Kapitän und als Trainer ins Finale geführt hat, richtete den Blick umgehend auf den kommenden Gegner.

Die Vegas Golden Knights werden am Dienstag im Lenovo Center zur ersten Partie der Finalserie antreten. „Es ist ein anderes Kaliber. Ich werde nur das sagen“, analysierte Brind'Amour die bevorstehende Herausforderung. „Wie gesagt, man kommt nicht so weit, ohne erstklassig zu sein. Wir wissen, dass das eine riesige Herausforderung sein wird.“

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