CHI Connor Bedard march 22, 2026

Die Chicago Blackhawks sehen bei ihrem Rebuild noch immer kein Licht am Ende des Tunnels und verpassen im sechsten Jahr in Folge die Stanley Cup Playoffs. Eine 1:3-Auswärtsniederlage bei den Edmonton Oilers am Donnerstagabend sorgte für die mathematische Elimination in der Saison 2025/26.

Abgesehen von der Covid-Saison 2019/20, in der die Blackhawks in einem angepassten Playoff-Modus eine Runde weiterkamen, verfehlte das Team aus Windy City in acht von neun Jahren den Sprung in die Postseason.

Die Gründe für das Aus

Chicago hatte ganz eindeutig ein Offensivproblem: Im Schnitt nur 2,54 Tore pro Spiel bedeuten den zweitschlechtesten Wert in der gesamten NHL, 24,4 Torschüsse pro Partie sogar den schlechtesten. Bei 5-gegen-5 gelangen nur 139 Treffer (T-26.). Auch das Powerplay war mit einer Erfolgsquote von 17,6 Prozent keine große Hilfe (26.). Unterstützung von der blauen Linie blieb weitestgehend aus: 22 Verteidiger-Tore und 118 -Punkte sind jeweils der Liga-Negativwert.

Bei den einzelnen Spielern erreichten bisher nur Connor Bedard (63 Spiele, 30-39-69) und Tyler Bertuzzi (31-24-55) die Marke von 40 Scorerpunkten. Nur sieben Spieler trafen bislang zweistellig. Hinter Bertuzzi (31 Tore) und Bedard (30 Tore) klaffte eine große Lücke. Ilya Mikheyev (15 Tore), Frank Nazar, Ryan Donato (beide 14 Tore), Teuvo Teravainen (13 Tore) und Andre Burakovsky (elf Tore) folgen erst mit großem Abstand.

VGK@CHI: Bertuzzi führt die Blackhawks mit seinem fünften NHL-Hattrick zum Sieg gegen die Golden Knights

Gleichzeitig waren aber auch diese Spieler oftmals mit ihren Defensivaufgaben überfordert, was die Plus-Minus-Bilanzen zeigen: Bedard (-9), Nazar (-17), Bertuzzi (-19) und Teravainen (-22), die unter allen Blackhawks-Stürmern die meiste Eiszeit erhielten, sowie auch Donato (-14) und Burakovsky (-28) standen bei weitaus mehr Gegentoren als Toren bei Gleichzahl auf dem Eis.

So hatte Chicago zwar unerwartet das beste Penalty Killing der Liga (83,6 Prozent), aber gleichzeitig die achtschlechteste Defensive (3,24 Gegentore/Spiel, 25.), die die zweitmeisten gegnerischen Torschüsse (30,4 pro Partie, 31.) zuließ. Bei 5-gegen-5 kassierten die Blackhawks 176 Gegentore, was den drittschlechtesten Wert bedeutet (T-30.).

Dies könnte etwa an einer sehr jungen Abwehr liegen: Alex Vlasic (24), Louis Crevier (24), Wyatt Kaiser (23), Sam Rinzel (21), Kevin Korchinski (21) und Ethan Del Matro (23), die aktuell die Defensivcorps bilden, haben einen Altersschnitt von nur 22,7 Jahren. Der beste Scorer unter den Verteidigern, Artyom Levshunov, ist erst 20 Jahre alt, wird aufgrund einer gebrochenen Hand in dieser Saison aber nicht mehr zum Einsatz kommen. Gleiches gilt für Matt Grzelcyk (Oberkörperverletzung), der mit 32 Jahren der einzige Routinier an der blauen Linie ist. 

Mit 6550 Spielen hat kein Team weniger NHL-Erfahrung als Chicago. Die jüngste Mannschaft der Liga (durchschnittlich 24,96 Jahre alt) zahlte also viel Lehrgeld.

Umso überraschender ist, dass die Blackhawks nicht die Energie aufbringen konnten, Spiele am Ende noch zu drehen. Mit nur acht Comeback-Siegen sind sie Liga-Schlusslicht und haben mit -21 zudem das fünftschlechteste Torverhältnis im dritten Drittel.

Hinzu kommt eine nicht von der Hand zuweisende Heim-Schwäche: Im American Airlines Center konnten nur 13 von 37 Heimspielen gewonnen werden (13-16-8; 34 Punkte; 29.).

Die Highlights und spielentscheidenden Szenen aus dem Spiel zwischen den Chicago Blackhawks und den Winnipeg Jets

Was für die Zukunft optimistisch stimmt

Chicago hat unentfesseltes Potenzial in Hülle und Fülle! Levshunov (NHL Draft 2024, 1. Runde, 2. Stelle) hat das Zeug, ein Top-Verteidiger der Liga zu werden, war angesichts eines Plus-Minus-Werts von -41 aber noch überfordert und könnte einen erfahrenen Nebenmann an seiner Seite gebrauchen, an dem er weiter wachsen kann. 

Anton Frondell (18, NHL Draft 2025, 1. Runde, 3. Stelle) debütierte jüngst in der NHL, spielte direkt in der Top-Sturmreihe neben Bedard, zeigte seinen Ausnahme-Schuss (sechs Spiele, 1-4-5) und hat das Zeug, ein Elite-Stürmer zu werden. 

Bedard selbst ist erst 20 Jahre alt, trägt schon jetzt die Verantwortung einer ganzen Original-Six-Franchise auf seinen Schultern und spielt ein Karriere-Jahr (63 Spiele, 30-39-69). Der First-Overall-Pick von 2023 gilt als eines der größten Talente aller Zeiten und dürfte noch sehr viel besser werden. Zur neuen Saison dürfte ihm das „C“ für den Kapitän winken.

Hinter den genannten Spielern schlummern noch viele weitere Talente: Oliver Moore (21, Draft 2023, 19. Stelle), Sacha Broisvert (20, Draft 2024, 18. Stelle), Marek Vanacker (19, Draft 2024, 27. Stelle), Vaclav Nestrasil (18, Draft 2025, 25. Stelle) und Mason West (18, Draft 2025, 129. Stelle) sind allesamt Stürmer, die in den letzten drei Jahren in der 1. Runde gedraftet wurden und mittel- und langfristig die Offensivflaute in Chicago beheben sollen.

Im kommenden NHL Draft 2026 besitzt Chicagos vielversprechende Draftpicks: Die Blackhawks ziehen zweimal in der ersten und dreimal in der zweiten Runde. Ein Jahr später, im Draft 2027, werden sie Stand heute zweimal in der ersten sowie zweimal in der zweiten Runde wählen dürfen. Die nächste Welle an Top-Talenten steht also schon vor der Tür.

Viel verspricht sich Chicago von Torwart Spencer Knight. Der 24-jährige US-Amerikaner spielt aktuell seine erste volle Saison bei den Blackhawks und erwies sich mehrfach als Fels in der Brandung: Zwar konnte Knight in 51 Spielen (51 Starts) nur 18 Siege festhalten, doch seine Fangquote von 90,8 Prozent, sein Gegentorschnitt von 2,71 und drei Shutout zeigen, dass er nicht der Grund für eine oftmals wackelige Defensive ist. Auf einer Schlüsselposition sehen sich die Blackhawks auch für die Zukunft gut besetzt: Knight hat Vertrag bis 2030.

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