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Gaetan Haas peilt mit den Oilers die Playoffs an

"Breaking the Ice": Der Schweizer spricht mit NHL.com/de über die Herausforderungen in Nordamerika

von Axel Jeroma @NHLde / NHL.com/de Freier Autor

Während der regulären Saison 2019/20 bringt NHL.com/de jeden Donnerstag eine Story aus der Rubrik "Breaking the Ice". Darin stellen wir jeweils einen Spieler vor und holen von ihm in fünf abschließenden Fragen seine Meinung zu verschiedenen Themen rund ums Eishockey und auch darüber hinaus ein.

In dieser Folge: Gaetan Haas (Edmonton Oilers)

Das NHL-Debüt von Gaetan Haas von den Edmonton Oilers dürfte als eines der ungewöhnlichsten in die Geschichte der Liga eingehen. Der Grund dafür ist die äußerst kurze Einsatzzeit bei seiner Premiere am 2. Oktober im Duell gegen die Vancouver Canucks. Nur viermal schickte ihn Trainer Dave Tippett aufs Eis. Einer dieser Shifts dauerte gerade einmal zwei Sekunden. Insgesamt brachte es Haas an diesem Abend im Rogers Place auf eine Eiszeit von 2:11 Minuten. Seinem Glücksgefühl tat dies jedoch keinen Abbruch. "Es war ein super Erlebnis. Ich habe jeden Moment genossen. Besonders gefreut hat mich, dass wir das Spiel am Ende noch mit 3:2 gewonnen haben", sagte der 27 Jahre alte Angreifer im Gespräch mit NHL.com/de.

Haas war der 36. Schweizer, der in der NHL seinen Einstand gab. Die Oilers hatten den ungedrafteten Angreifer bei der Free Agency im Juli verpflichtet und ihn mit einem einjährigen Entry-Level-Vertrag ausgestattet. Zuvor stand er in Diensten des SC Bern, mit dem er im Frühjahr dieses Jahres den Meistertitel in der National League gewann. Für Bern und den EHC Biel-Bienne bestritt er in der obersten Spielklasse der Schweiz insgesamt 392 Partien in der regulären Saison und verbuchte dabei 192 Scorerpunkte (72 Tore, 120 Vorlagen). In den Playoffs kamen 65 Auftritte, 11 Treffer und 17 Assists hinzu. Mit der Nationalmannschaft holte Haas bei der Weltmeisterschaft 2018 die Silbermedaille.

 

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Wegen seiner konstant starken Leistungen in der National League und bei Weltmeisterschaften in den vergangenen Jahren stand er bereits seit geraumer Zeit im Blickpunkt der NHL-Scouts. Im Anschluss an die WM 2019 in Bratislava kam es zu intensiveren Verhandlungen mit dem Schweizer über einen Wechsel nach Nordamerika. "Es gab mehrere Interessenten. Kurioserweise waren die Oilers der letzte Klub, mit dem ich gesprochen hatte", verriet Haas. Bei den Verhandlungen mit den Vertretern aus Edmonton habe er von Beginn an ein gutes Gefühl gehabt und sich deshalb für die Oilers entschieden.

Dass Haas das Zeug besitzt, sich in der NHL zu etablieren, stellte er bei seinem zweiten Einsatz drei Tage nach dem denkwürdigen Debüt unter Beweis. Beim 6:5-Heimsieg gegen die Los Angeles Kings gelang ihm der erste Assist im Trikot der Oilers. Und auch die Einsatzzeit betrug mit 12:18 Minuten in 16 Shifts Normalmaß für einen Bottom-Six-Stürmer.

Fünf Fragen an Gaetan Haas:

Was war die größte Herausforderung zu Beginn in der NHL?

Die kleinere Eisfläche in Nordamerika ist definitiv die größte Umstellung für mich gewesen. Du hast in der NHL viel weniger Zeit, den Puck anzunehmen oder eine Entscheidung zu treffen, was du mit der Scheibe machst. Es sind sofort zwei, drei Gegenspieler da. Dadurch, dass weniger Platz auf dem Eis vorhanden ist, wirkt das Spiel viel schneller und dynamischer, obwohl es von der Geschwindigkeit der Spieler her gesehen kaum Unterschiede zwischen der National League und der NHL gibt. In Europa kannst du länger nachdenken, um in einer bestimmten Situation die beste Lösung zu finden. Hier musst du dir den nächsten Spielzug im Prinzip schon überlegen, bevor du den Puck überhaupt angenommen hast.

Letztes Jahr hattest du mit dem SC Bern die New Jersey Devils bei der NHL Global Series Challenge am Rande einer Niederlage. In diesem Jahr hat der Lausanne HC die Philadelphia Flyers geschlagen. Macht es dich stolz, dass Schweizer Teams mittlerweile zu solchen Großtaten in der Lage sind?

Für eine NHL-Mannschaft gilt im Prinzip das Gleiche wie das, was ich vorhin gesagt habe - nur mit umgekehrten Vorzeichen. In Europa sind die nordamerikanischen Spieler mit der größeren Eisfläche konfrontiert. Sie brauchen eine gewisse Anlaufzeit, um sich darauf einzustellen und zu ihrem Spiel zu finden. Das hat man beim Match zwischen Lausanne und Philadelphia deutlich gesehen. Nach dem 0:4 haben sich die Flyers gefangen, drei Tore geschossen und die Partie noch einmal spannend gemacht. Natürlich war dieses Spiel eine gute Werbung für das Schweizer Eishockey. Es gibt einige Leute in der National League, die das Potenzial besitzen, um den Sprung nach Übersee zu schaffen. Es ist kein Zufall, dass in den vergangenen Jahren immer mehr Schweizer in die NHL gekommen sind.

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Gibt es Parallelen zwischen Edmonton und Bern oder sind das zwei verschiedene Welten?

Nein, das lässt sich überhaupt nicht miteinander vergleichen. Die Unterschiede sind gewaltig, nicht nur wegen der Sprache und der Kultur. Die Arena der Oilers ist riesig, die Spielerkabine ebenso. Außerdem gibt es viel mehr Personal, das sich um die Mannschaft kümmert. Es ist eine völlig andere Welt.

Wie schwer fiel dir persönlich die Umstellung auf diese neue Welt?

Das war schon herausfordernd, vor allem anfangs. Meine Muttersprache ist Französisch. Schweizerdeutsch spreche ich selbstverständlich auch fließend. Hier läuft jedoch alles auf Englisch. Daran musste ich mich erst gewöhnen. Zum Glück gibt es Leon Draisaitl, mit dem ich mich zumindest auf Hochdeutsch unterhalten kann. Mit Alex Chiasson und einigen Leuten vom Oilers-Personal rede ich auf Französisch. Ich lerne sehr viel Neues im Moment. Aber das macht mir nichts aus. Im Gegenteil: Ich finde das super.

 

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Was hast du dir für die Saison vorgenommen?

Ich will auf jeden Fall die gesamte Saison im NHL-Team der Oilers bleiben. Darüber hinaus möchte ich versuchen, von Spiel zu Spiel besser zu werden und meinem Team zu helfen, so gut es geht. Eine feine Sache wäre es, wenn wir uns dieses Jahr für die Playoffs qualifizieren. Ich denke, dass wir die Qualität haben, um dieses große Ziel zu erreichen.
 

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