Todd McLellan wusste, bei wem er sich für den Sieg zu bedanken hat. "Er war heute einfach heiß. Jeder Schuss, den er abgegeben hat, war gefährlich", sagte der Trainer der Los Angeles Kings über seinen Stürmer Anze Kopitar. Vier Tore steuerte dieser dem 6:5-Shootout-Sieg gegen die Winnipeg Jets am Dienstag bei. "Er hat diese vier Tore erzielt. Aber er hätte vermutlich auch sechs Tore machen können. Wir freuen uns wirklich für ihn. Er hat das Team super angeführt. Er hat das Team mitgezogen, als es nicht gut für uns ausgesehen hat. Die Jungs sind ihm gefolgt."

Die Kings lagen im Verlaufe der Begegnung dreimal mit jeweils zwei Toren zurück, ließen sich aber nicht abschütteln, weil Kopitar seine Mannschaft immer wieder zurück ins Spiel brachte. Sein Mitspieler Adrian Kempe lobte den Routinier: "Kopitars Spiel insgesamt und sein Denken in allen drei Zonen ist großartig. Deshalb ist er schon so lange so erfolgreich. Er ist normalerweise eher ein Passgeber, aber heute Abend war er heiß. Also haben wir versucht, ihm den Puck so häufig wie möglich zu geben. Er ist ein großartiger Anführer, der einfach die Verantwortung übernimmt. Es macht Spaß, ihm zuzusehen."
Mit 35 Jahren und 188 Tagen ist Kopitar der älteste Spieler in der Franchise-Geschichte, dem vier Tore in einem Spiel gelangen. Damit hat er seinen ehemaligen Teamkollegen Dustin Brown abgelöst, dem dies am 5. April 2018 im Alter von 33 Jahren und 152 Tagen gelang. Kopitar freute sich über seine Tore, vor allem aber über die wichtigen Punkte im Kampf um die Stanley Cup Playoffs. "Es war ein großer Sieg", sagte er. "Ich bin natürlich glücklich, einen Beitrag geleistet zu haben und dass wir Charakter gezeigt haben. Wir waren mehrmals unten, sind aber zurückgekommen und haben letztendlich im Shootout gewonnen. Das sind zwei sehr wichtige Punkte für uns."
Kopitar ist der dienstälteste Spieler von Los Angeles. Beim NHL Draft 2005 in der 1. Runde an Position 11 ausgewählt, gab er am 6. Oktober 2006 sein Liga-Debüt im Dienste der Kings und hat seither nie für ein anderes Team gespielt. Kopitar hat die erfolgreiche Ära der Organisation mitgeprägt, gewann mit Los Angeles 2012 und 2014 den Stanley Cup, erlebte allerdings danach auch den sportlichen Abschwung mit. Nach 2014 haben die Kalifornier nicht mehr die 1. Runde der Playoffs überstanden, nahmen in fünf der vergangenen acht Spielzeiten nicht einmal mehr an der Postseason teil. In der zurückliegenden Saison scheiterten sie mit 3:4 knapp an den Edmonton Oilers.

LAK 6, WPG 5 F/SO

Derzeit befinden sich die Kings auf einem guten Weg zur erneuten Playoff-Qualifikation. Mit 76 Punkten aus 62 Spielen belegen sie Platz zwei in der Pacific Division und somit einen direkten K.o.-Runden-Platz. Im Februar haben sie in sieben der neun Spiele gepunktet und sechs davon gewonnen. Kopitar hat großen Anteil daran. Mit 57 Scorer-Punkten in dieser Saison, darunter 17 in seinen letzten zehn Spielen (9-8-17), hat er bewiesen, noch immer ein wichtiger Faktor im Kampf um die Playoffs zu sein.
Selbst seine Gegenspieler sind voller Respekt. "Er wirkt noch immer genauso wie früher, als ich ihn als Kind spielen gesehen habe", sagte der Jets-Verteidiger Josh Morrissey. "Es ist ziemlich beeindruckend, dass er auf diesem Niveau spielen kann. Unglücklicherweise für uns hat er gerade heute ein 1A-Spiel gemacht." Die Situation von Winnipeg, für die der Schweizer Nino Niederreiter sein erstes Spiel (18:13 Minuten Eiszeit, kein Torschuss) nach dem Trade von den Nashville Predators absolvierte, ist gefährlich. Die Kanadier haben nun vier Spiele in Folge verloren, auch wenn diesmal ein Punkt dabei heraussprang. In nur einem der letzten sieben Partien verließen sie als Sieger die Eisfläche.

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Und dennoch sind die fünf Tore gegen Los Angeles ein Schritt in die richtige Richtung, weil in den vorherigen drei Partien zusammengerechnet nur magere zwei Treffer zusammenkamen. Im Training hatten die Jets daher an ihrer Offensive gearbeitet. "Wir mussten das Netz angreifen. Das haben wir jetzt bereits viel besser gemacht. Wir müssen genauso weitermachen", erklärte Trainer Rick Bowness. Mit 72 Punkten aus 61 Spielen belegt Winnipeg noch immer den zweiten Wildcard-Platz, darf sich allerdings nicht mehr allzu viele Ausrutscher erlauben.
Die Jets sind am Freitag (9 p.m. ET, NHL.tv, Sa. 3 Uhr MEZ) bei Leon Draisaitl und den Oilers gefordert. Die Kings empfangen am Donnerstag (10:30 p.m. ET, NHL.tv, Fr. 4:30 Uhr MEZ) die Montreal Canadiens.