Die NHL-Saison 2026/27 rückt mit großen Schritten näher. NHL.com/de hat mit NHL Deputy Commissioner Bill Daly über aktuelle Entwicklungen, den geplanten World Cup of Hockey und das besondere Engagement der Liga in Deutschland gesprochen.
Wo steht die Liga im Moment?
Die Liga befindet sich in einer starken Position und wird jeden Tag stärker. Das ist erfreulich. Wir hatten in der vergangenen Saison einige Rekorde zu verzeichnen, was die Zuschauerzahlen, die TV-Quoten und die Einnahmen der Liga anbelangt. Von daher sieht es im Moment hervorragend aus.
Was verheißen Offer Sheets und Monster-Verträge wie jüngst im Falle von Leo Carlsson für die Zukunft der NHL?
Das sind die Zeichen der Zeit. Wir haben eine Steigerung beim Salary Cap zu verzeichnen. Das führt zwangsläufig zu höheren Spielergehältern. Der genannte Vertrag ist gewiss kein singuläres Ereignis, sondern ein Indikator für etwas, das sich in den nächsten Jahren sicherlich fortsetzen wird. Zumindest solange der Salary Cap steigt.
Die NHL bringt in den nächsten Jahren etliche Spiele der regulären Saison nach Deutschland und will so zusätzliche Begeisterung fürs Eishockey schaffen und neue Fans für die Liga gewinnen. Wie kam es zu dieser für Europa in dieser Form bislang einzigartigen Engagement?
Die Eishockey-Infrastruktur ist hier noch nicht so ausgeprägt, wie dies beispielsweise in Schweden, Finnland oder Tschechien der Fall ist. Dennoch hat Deutschland ausgezeichnete Spieler hervorgebracht. Die Profiklubs in der DEL und der Verband leisten gute Arbeit. Man hat Maßnahmen ergriffen, um ein erstklassiger Standort für die Entwicklung von Spielern zu werden, die es bis in die NHL schaffen können. Wir möchten bei diesem Prozess behilflich sein und das Wachstum in einem wirtschaftlich potenten Markt wie Deutschland beschleunigen. Die Menschen sind sportbegeistert und ich glaube, sie werden sich noch mehr dem Eishockey zuwenden, wenn man Neues angeht und das mit Bewährtem verknüpft. Wir wollen gerne unseren Teil dazu beitragen, unseren Sport hier auf das nächste Level zu bringen.
Welche Maßstäbe legt die Liga an dieses Engagement an?
Natürlich macht man sich vorab Gedanken zu den Investitionssummen und dem Kosten-Nutzen-Effekt. Doch das sind vorwiegend Prognosen. Dass im Laufe der Zeit alles genau so eintrifft wie erhofft, lässt sich nicht garantieren. Wir konzentrieren uns daher einfach auf die Umsetzung. Wenn uns diese gut gelingt, werden die Grundlagen, die wir jetzt schaffen, hoffentlich Früchte tragen.
2028 findet wieder der World Cup of Hockey statt. Was sind die schwersten Entscheidungen, die mit Blick auf die Teilnehmer zu treffen sind?
Aufgrund der Russland-Problematik haben wir noch keine Ankündigung zu den acht teilnehmenden Mannschaften gemacht. Dieses Thema bestimmt bis zu einem gewissen Grad unser Vorgehen. In einer idealen Welt – in der wir uns allerdings nie befinden werden – würden wir uns wünschen, dass Russland teilnehmen kann. Nach unserer Meinung würde das Turnier dadurch gewinnen. Davon abgesehen müssen wir jedoch der Realität ins Auge blicken. Wir werden abwarten, wie sich die Lage in den kommenden Monaten entwickelt, bevor wir zum gegebenen Zeitpunkt die Entscheidung treffen.
Wie kann es gelingen, mehr Europäer in Führungspositionen in der NHL zu bringen, gerade was Bereiche wie Coaching, Management oder Front-Office betreffen?
Wir haben in diesem Bereich in der Vergangenheit bereits einige Anläufe und Verbesserungen erlebt. Doch es ist schon richtig, dass es in der NHL nicht so viele europäische Führungskräfte gibt, wie es sein könnte. Die meisten unserer Klubs beschäftigen zwar europäisches Personal. Ich wünschte mir aber, dass es noch mehr wird. Das wäre aufgrund der Weiterentwicklung des Spiels und seiner Akteure in Europa durchaus gerechtfertigt. Ich bin überzeugt davon, dass die Franchises den Nutzen für sich erkennen und entsprechende Entscheidungen treffen.
In der kommenden Saison absolviert jede Mannschaft 84 Spiele. Was wird sich dadurch verändern?
Es gibt einige Punkte, die ich hervorheben würde. Zum einen verläuft die Saisonvorbereitung weniger chaotisch. Sie ist stärker standardisiert. Es bleibt aber noch abzuwarten, wie sich das konkret auf die Ansetzungen auswirkt. Da es diesmal nur vier Vorbereitungsspiele für jedes Team gibt – zwei zu Hause und zwei auswärts –, wird Zeit gespart. Die kann man besser für die Saisonwettbewerbe nutzen. Die Verkürzung des Trainingscamps um sieben Tage ist wichtig, da man so eher im Kalenderjahr beginnen kann. Ein früherer Start ermöglicht auch einen etwas früheren Abschluss der Saison. Es war auf jeden Fall der richtige Zeitpunkt für diesen Schritt.
Wie erlebt der Eishockey-Fan Bill Daly eine neue Saison?
Meine liebsten Momente sind definitiv der Saisonauftakt und der Beginn der Playoffs. Ich finde, beides sind spannende Phasen im Jahr. Ich freue mich darauf, wieder Eishockey zu sehen, und bin immer gespannt darauf, wie sich die Zusammensetzung der Teams in der Offseason verändert hat und wie sich die Mannschaften im Laufe der Saison weiterentwickeln. Letztes Jahr habe ich eine solche tiefgreifende Entwicklung bei (Macklin) Celebrini miterlebt: Er startete als Rookie und ist nun ein Spieler, der eine ganze Generation prägt. Diesen Wandel zu beobachten, war wirklich faszinierend. Auch Matthew Schaefer hat sich sein Starpotenzial gezeigt.
Und nach der regulären Saison gibt nichts Spannenderes als die Erste Runde der Stanley Cup Playoffs. Die Leidenschaft, die Intensität, der Wettbewerbsgeist: Zu verfolgen, wie sich all das entfaltet, ist für einen Sport- und Eishockeyfan schlicht und einfach großartig.






















