Alexander Sulzer #52 of the Buffalo Sabres warms up to play the Detroit Red Wings at First Niagara Center on November 24, 2013 in Buffalo, New York. (Photo by Jen Fuller/Getty Images)

Im International Ice Spezial führt NHL.com/de Interviews mit Spielern aus den nationalen Ligen in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

In dieser Ausgabe: Alexander Sulzer (Trainer Fischtown Pinguins)

Alexander Sulzer arbeitet seit Jahren erfolgreich als Trainer in der DEL. Nach zwei Spielzeiten als Assistenzcoach bei den Fischtown Pinguins agiert er mittlerweile in der zweiten Saison als Cheftrainer in Bremerhaven. Seitdem der 41-Jährige aus Kaufbeuren im hohen Norden hinter der Bande steht, schaffte es seine Mannschaft immer in die Playoffs, 2023/24 wurde er sogar Hauptrunden-Sieger und Vize-Meister. Sein Talent ist auch dem DEB nicht verborgen geblieben, weshalb er seit 2022/23 auch die deutsche Nationalmannschaft als Assistenztrainer betreut. Zuletzt bei den Olympischen Spielen Milano Cortina 2026.

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Als aktiver Spieler war der 1,88 Meter große Linksschütze ein Verteidiger, der beim NHL Draft 2003 in der 3. Runde an insgesamt 92. Stelle von den Nashville Predators gedraftet wurde. Zwischen 2008/09 und 2013/14 absolvierte er 131 NHL-Spiele (7-15-22) für Nashville, die Florida Panthers, Vancouver Canucks und Buffalo Sabres. In der DEL kam er für Hamburg, Düsseldorf, Ingolstadt und Köln auf insgesamt 451 Partien (36-112-148)

NHL.com/de sprach nach Bremerhavens 6:4-Sieg in Nürnberg am Freitag exklusiv mit Sulzer über Olympia, die Entwicklung seiner ehemaligen NHL-Klubs und die kommenden Global Series in Düsseldorf.

Servus Alex! Die Fischtown Pinguins haben sich für die Playoffs qualifiziert und treffen dort auf die Nürnberg Ice Tigers. Inwiefern hilft es, wenn man schon vier Tage zuvor gegen den kommenden Playoff-Gegner gespielt hat?

Es gibt nicht mehr viele Geheimnisse, wenn man viermal gegen eine Mannschaft gespielt hat. Das Videomaterial für die Vorbereitung ist natürlich etwas neuer. Aber ich denke, dass das keinen großen Unterschied machen wird.

Hinter Bremerhaven liegt eine stressige Saison mit einem engen DEL-Spielplan, der Champions Hockey League und den Olympischen Spielen. Wie stressig war dieses Jahr für dich?

Ich hatte natürlich auch einen vollen und durchgetakteten Terminplan. Ich wusste aber, auf was ich mich einlasse und was noch auf mich zukommt. Ich habe mich da ganz bewusst dafür entschieden, alles zu machen, auch diese Doppelbelastung. Ich bin aber noch voll im Saft.

Wie hast du die Olympischen Spiele erlebt?

Es war natürlich eine ganz, ganz tolle Erfahrung. Für mich waren es die ersten Olympischen Spiele als Coach. Ich hatte ja das große Glück, es zweimal als Spieler erleben zu dürfen. Von daher wusste ich ein bisschen, was auf mich zukommt. Klar ist es als Coach nochmal etwas anderes. Auf diesem Level, wie das Turnier besetzt war, die Qualität der Spieler, das war schon außergewöhnlich. Bis zum jetzigen Zeitpunkt war es das beste Eishockey-Turnier aller Zeiten.

Moritz Seider #53, John Peterka #77 and Tim Stutzle #18 of Team Germany discuss in the third period during the Men's Qualification Playoff match between Germany and France on day 11 of the Milano Cortina 2026 Winter Olympic games at Milano Santagiulia Ice Hockey Arena on February 17, 2026 in Milan, Italy. (Photo by Bruce Bennett/Getty Images)

Wie war es denn, die deutschen NHL-Stars wie Leon Draisaitl, Tim Stützle oder Moritz Seider trainieren zu dürfen?

Es ist etwas Außergewöhnliches, solche Spieler bei sich zu haben und mit ihnen die Tage und Trainingseinheiten zu verbringen. Es ist toll zu sehen, wie sie selbst mit jedem Training umgehen. Wie sie selbst mit sich umgehen. Welchen Anspruch sie an sich selbst haben. Wenn sie aufs Eis gehen, hat alles Sinn und Verstand. Es war toll, dieses Level zu sehen.

Was das Abschneiden der deutschen Nationalmannschaft angeht, gab es sowohl positive als auch negative Stimmen. Mit welchem Gefühl blickst du auf das Turnier zurück?

Es war ein topbesetztes Turnier, bei dem man realistisch sein muss, wie gut auch die anderen Mannschaften besetzt waren. Natürlich hatten auch wir die topbesetzte Mannschaft bis dato. Ich denke, dass wir mit dem Erreichen des Viertelfinals das Verbandsziel erreicht haben. Natürlich hätten wir gerne gegen die Slowakei gewonnen. Doch man hat gesehen, dass die Slowaken frischer und besser beieinander waren als wir. Wir haben an diesem Tag einfach keine Lösung gefunden, das Spiel zu gewinnen.

Gute deutsche Trainer sind mittlerweile auch in der NHL gefragt, wenn man sich Marco Sturm bei den Boston Bruins anschaut. Wie siehst du seinen Weg?
Er macht natürlich einen unglaublichen Job, hat sich über Jahre etabliert und es verdient, diesen Job zu bekommen. Ich freue mich sehr, dass jetzt ein deutscher Headcoach in der NHL ist. Von dem Feedback, was ich so mitbekomme und wenn man sich seine Ergebnisse ansieht, dann kann er sehr stolz sein auf seinen Weg und weiter nach vorne schauen.

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Ist der Weg von Marco Sturm auch ein Weg für dich, es also mittel- oder langfristig in die NHL zu schaffen?

Ich weiß nicht, ob es ein direktes Ziel ist. Klar träumt man davon, mal eine Chance dort drüben zu bekommen. Als ich Spieler war, hat man auch immer von der NHL geträumt und sich schrittweise seine kleinen Ziele gesetzt und diese auch erreicht. So will ich das jetzt auch mit dem Coaching-Job machen.

Mit Lukas Reichel hat Boston kurz vor der Trade Deadline einen Spieler verpflichtet, den du kürzlich erst bei den Olympischen Spielen trainieren durftest. Was hast du bei Olympia von ihm gesehen und was traust du Lukas bei den Bruins zu?

Lukas hat riesiges Potenzial. Ich denke, dass er noch für sich die richtige Nische finden muss, wo er reinpaßt und muss diese Chance dann auch nutzen. Er ist ein unglaublich intelligenter und schneller Spieler sowohl mit der Scheibe als auch ohne die Scheibe. Er liest das Spiel sehr gut. Ich denke, er braucht nur noch den richtigen Platz, um sein Potenzial ausschöpfen zu können.

Mit deinem Ex-Klub Florida Panthers droht der amtierende Stanley Cup Champion die Stanley Cup Playoffs zu verpassen. Wie konnte das passieren?
Sie hatten natürlich zwei, drei Schlüsselverletzungen mit Spielern, die unglaublich wichtig für sie sind. Sie haben zwei Jahre in Folge sehr lange gespielt bis Ende Juni, was man nie außer Acht lassen darf. Gleichzeitig sieht man das an den Edmonton Oilers auch, dass sie am Kämpfen sind. Es ist körperlich und mental schwierig, das so lange aufrecht zu erhalten. Bei Florida kommen die Verletzungen noch hinzu, die ihnen sehr wehgetan haben.

Ganz anders ist der Trend bei den Buffalo Sabres, einem anderen ehemaligen Team von dir, das wider Erwarten mit Vollgas auf die Stanley Cup Playoffs zusteuert. Was ist an den Niagarafällen passiert?

Was intern passiert ist, weiß ich nicht, da kann ich nicht hinter die Kulissen schauen. Aber was man schon deutlich erkennen kann, ist, dass sie mit viel Leidenschaft und Freude spielen. Jetzt haben sie noch diese unglaubliche Fanbase hinter sich. Das alles zusammen kann so eine Strahlkraft und Wirkung entfalten, bei der das Eishockey wieder Spaß macht.

Wie weit kann das die Buffalo Sabres tragen?

Da kann ich ganz klischeehaft sagen: Erstmal in die Playoffs kommen, danach ist alles möglich. In der NHL gibt es immer ein paar Top-Mannschaften, die sich hervorheben, ansonsten sind die Chancen für jeden, der es in die Playoffs schafft, relativ groß.

Die NHL wird in den nächsten drei Jahren im Rahmen der Global Series nach Deutschland kommen, 2026 nach Düsseldorf. Du hast fünf Jahre dort gespielt, kennst die Stadt und das Umfeld sehr gut. Was dürfen wir also erwarten?
Düsseldorf ist eine Sportstadt. Sie haben leidenschaftliche Fans, eine tolle Hockey-Base und eine tolle Arena. Die Location ist super für alle Fans, um dorthin zu kommen. Die Stadt wird ein tolles Event präsentieren.

Wer wird Stanley Cup Champion 2026?
Colorado.

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