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Wohl dem der ihn in seinen Reihen weiß

Caps Stürmer Williams könnte der Serie gegen Toronto die entscheidende Richtung geben

von Bernd Rösch / NHL.com/de Chefautor

Es lief die vorletzte Spielminute als Eric Staal die Scheibe aus dem eigenen Drittel lang herausspielte und sich ein 24-jähriger Rechtsaußen, verfolgt von einem Verteidiger der Edmonton Oilers, auf den Weg in Richtung verwaistes Tor machte, nicht mehr erwischt wurde und schließlich den Puck, untergehend im Jubel von gut 18.000 Zuschauern, im Kasten zum 3-1 versenken konnte.

Auf der Bank umarmte der Schweizer Ersatztorwart Martin Gerber seinen Trainer Peter Laviolette und führte einen Freudentanz auf. 61 Sekunden standen noch auf der Uhr und alle im weiten Rund des RBC Center von Raleigh waren sich sicher: 'Das ist die Meisterschaft'. Wir schrieiben den 19. Juni 2006, das siebte Spiel des Stanley Cup Finales zwischen den Oilers und Carolina Hurricanes war angesetzt und der Torschütze, der den Hurricanes Gewissheit gab, dass sie den Cup bald in ihren eigenen Händen halten durften, hieß Justin Williams.

Für die Hurricanes sollte es der erste und bis dato letzte Cup-Gewinn gewesen sein, doch der Außenstürmer schaffte es die Trophäe im Laufe seiner Karriere noch zwei weitere Male, nun in den Reihen der Los Angeles Kings, in Empfang zu nehmen (2012, 2014).

Es gibt sie eben diese Siegertypen, jene Spieler, die nicht nur das Glück haben bei einem wettbewerbsfähigen Team unter Vertrag zu stehen, sondern die ihr bestes Eishockey abrufen können, wenn es wirklich darauf ankommt - in den Playoffs.

Video: TOR@WSH, Sp5: Williams zieht direkt zum OT Siegtor ab

In der ersten Runde der diesjährigen Stanley Cup Playoffs liefern sich die Toronto Maple Leafs und die Washington Capitals einen harten Kampf um das Weiterkommen. Drei der ersten vier Partien wurden erst in der Verlängerung entschieden, Spiel 4 gewann der Favorit aus Washington in Toronto mit einem Tor Vorsprung (5-4). Somit wurde die Serie, nach Siegen ausgeglichen, am Freitagabend im Verizon Center der US-Hauptstadt fortgesetzt.

Laut hockey-reference.com entschieden 80,5% der Mannschaften, die beim Stande von 2-2 zuhause Spiel 5 gewannen auch die Serie für sich. Alle Beteiligten wussten, dass das fünfte Aufeinandertreffen richtungsweisend sein kann.

Das Eröffnungsdrittel gehörte den Hausherren, die nicht unverdient mit einer 1-0 Führung in die erste Pause gingen, im zweiten Spielabschnitt hielten die Maple Leafs dagegen, erzielten den Ausgleich, und im Schlussabschnitt der regulären Spielzeit hatten beide Teams mehrmals das Siegtor auf dem Schläger, doch es bedurfte eines 34-Jährigen, der mit all seiner Erfahrung genau wusste, wo er hinzulaufen hat - zentral in den Freiraum zwischen den Bullypunkten. Evgeny Kuznetsov sah Williams kommen und dieser ließ mit einem wuchtigen Schuss Maple Leafs Schlussmann Frederik Andersen keine Abwehrchance.

132 Playoffpartien hat Williams, der im Sommer 2015 als Unrestricted Free Agent einen Vertrag bei den Capitals unterschrieben hatte, bereits in seiner NHL-Laufbahn bestritten. In den fünf Partien der diesjährigen Playoffs gelangen ihm bereits drei Tore und zwei Assists, womit er seine Playoffausbeute auf 90 Scorerpunkte (36 Tore, 54 Assists) ausbauen konnte.

"Ich habe nicht viele wichtige Tore erzielt. Heute Abend war ich halt zur rechten Zeit am richtigen Ort", gab sich gegenüber NHL.com Williams nach der gestrigen Partie durchaus bescheiden, angesichts von sieben Stanley Cup Playoffs Game Winnern, die er in seiner Laufbahn schon erzielen konnte.

Dementsprechend hörte sich das Urteil von T.J. Oshie über seinen Teamkollegen auch anders an: "Ich habe es schon mehrfach beobachtet. Vielleicht bekommt er nicht die Achtung, die er verdient hätte. Du siehst, wie er kämpft, wie er noch einmal zulegen kann, wenn es in Spielen eng zugeht. Umso wichtiger die Begegnung, umso besser spielt Justin."

Video: TOR@WSH, Sp5: Oshie im Nachfassen zum Powerplaytor

"Er ist halt ein Schmeichler", antwortete Williams mit einem Schmunzeln auf dem Gesicht gegenüber den ihn umringenden Reportern. "Ich lobe ihn auch ganz gerne."

Den Capitals fehlt, Williams sei Dank, noch ein Sieg zum Einzug in das Conference Finale, in dem sie dann auf die Pittsburgh Penguins treffen würden. In deren Reihen steht mit dem 40-jährigen Center Matt Cullen ein guter Bekannter des gestrigen Matchwinners - gemeinsam gewannen sie 2006 den Stanley Cup.

Spiel 6 der Erstrundenserie gegen die Maple Leafs findet in der Nacht von Sonntag auf Montag im Air Canada Centre von Toronto statt (7 p.m. ET).

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