Die Schwächen
Bei aller Spielfreude ließen die Golden Knights zwischendurch die Effizienz im Abschluss vermissen. Besonders augenfällig war das in der Serie gegen die Canucks. Trotz drückender Überlegenheit in Spiel 5 (Torschussverhältnis 43:17) und Spiel 6 (48:23) brachten sie den Puck in 120 Minuten lediglich ein einziges Mal im gegnerischen Gehäuse unter. Einen derartigen Chancenwucher sollte Vegas im Conference Finale nicht mehr betreiben. Das könnte gegen einen ausgebufften Gegner wie den Stars ins Auge gehen.
Obwohl sie kein wirklich schlechtes Spiel ablieferten, besteht bei den beiden Torleuten Robin Lehner und Marc-Andre Fleury noch Luft nach oben. Das ein oder andere Gegentor, das die Golden Knights im Verlauf der Playoffs kassierten, schien durchaus vermeidbar. Aber das ist eher ein Luxusproblem. Noch dazu, wenn man bedenkt, dass Lehner bei seinen zwölf Einsätzen im Schnitt nur 1,99 hinter sich greifen musste.
Die Stars galten lange Zeit als eines der abwehrstärksten Teams der Liga. Davon war in den Playoffs nichts mehr zu spüren. Immerhin brachten sie das Kunststück fertig, mit einem negativen Torverhältnis von 53:56 ins Conference Finale zu kommen. So viele Gegentreffer zu kassieren, sind die Torhüter Anton Khudobin und Ben Bishop nicht gewohnt. In der regulären Saison waren sie lange Zeit aussichtsreiche Kandidaten für den Gewinn der William M. Jennings Trophy, die an das Goalie-Tandem mit den wenigsten Gegentoren verliehen wird. Am Ende landeten sie mit 177 Gegentoren aus 69 Spielen auf Platz 2.
Hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist bislang die Top-Reihe der Stars mit Jamie Benn, Tyler Seguin und Alexander Radulov. Nur Benn belegt derzeit mit 13 Punkten (fünf Tore, acht Assists) einen Platz in den Top 5 der teaminternen Scorerwertung.
Die Prognose
Die Golden Knights gewinnen das Conference Finale, wenn es ihnen gelingt, weiterhin ihr Offensivfeuerwerk abzubrennen und ihre Torgelegenheiten konsequenter zu verwerten.
Die Stars behalten die Oberhand, wenn sie ihre Löcher in der Abwehr stopfen und die Routiniers im Angriff ihre Punkteproduktion deutlich steigern.
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Der X-Factor
Die Verpflichtung von Lehner bei der NHL Trade Deadline im Februar hat sich für die Golden Knights als Volltreffer erwiesen. Seit dem Re-Start ist er die unumstößliche Nummer 1. Um eine Offensive vom Schlage der Stars in Schach zu halten, braucht es einen Schlussmann, der jederzeit über sich hinauswachsen kann. Genau diese Fähigkeit besitzt Lehner. Das hat er in seiner Laufbahn schon häufiger nachgewiesen.
Für die Stars scheint keinen Rückstand zu geben, den sie nicht aufholen können. Das ist die wichtigste Lehre, die sich aus ihren Vorstellungen in den Playoffs ergeben hat. Die Gegner dürfen sich wegen dieser außergewöhnlichen Comeback-Fähigkeit zu keinem Zeitpunkt in Sicherheit wiegen. Zumal Dallas dazu neigt, bei den Aufholjagden gleich mehrere Tore innerhalb kurzer Zeit zu erzielen. Bestes Beispiel dafür ist Spiel 6 der Erstrundenserie gegen die Flames. In sechseinhalb Minuten machten sie im zweiten Drittel aus einem 1:3 ein 5:3. Am Ende hieß es gar 7:3. Rookie Denis Gurianov zeichnete sich als vierfacher Torschütze aus.