scf_vgk_hart_061316

Die Saison der Vegas Golden Knights steht vor Spiel 6 des Stanley Cup Finales 2026 gegen die Carolina Hurricanes auf Messers Schneide. Sie verloren die vorherigen beiden Partien und liegen in der Serie nun mit 2:3 Spielen zurück. Eine weitere Niederlage würde für Vegas das Aus bedeuten und den Hurricanes den Stanley Cup einbringen. Vor dem entscheidenden Spiel steht vor allem Torwart Carter Hart in der Kritik. Im Vorfeld des Heimspiels am Sonntag (8 p.m. ET; Mo. 2 Uhr MESZ) hält Trainer John Tortorella aber an seinem Torwart fest und spricht ihm, genau wie seine Mitspieler, vollstes Vertrauen aus.

„Torts und ich kennen uns noch aus unserer Zeit in Philadelphia“, erklärte Hart. „Wir haben eine gute Beziehung. Ich war in dieser Serie aber nicht auf meinem besten Niveau und ich werde im nächsten Spiel besser und bereit sein.“

Durchwachsene Saison, erstklassige Playoffs

Hart stieß erst im Dezember zu den Golden Knights und kam in der regulären Saison nur zu 18 Einsätzen. Seine Bilanz von 11-3-3 konnte sich sehen lassen, doch seine 89,1 Prozent Fangquote war leicht unter dem Durchschnitt der NHL.

In den Playoffs zeigte sich Hart von einer ganz anderen Seite. In den ersten Spielen strauchelte er noch etwas, doch ab Spiel 6 der ersten Runde gegen die Utah Mammoth, war er überragend. Am Ende der Conference Finals war er mit einer Fangquote von 92,4 Prozent der zweitbeste Torwart der gesamten Playoffs. Allerdings sind die Playoffs eine besondere Belastung. Immerhin kommt er mittlerweile auf 21 Partien in acht Wochen, drei Spiele mehr als in der gesamten regulären Saison. Die körperliche Belastung hat laut Hart aber nicht mit seinen Leistungen im Finale zu tun, für die er viel Kritik einstecken muss.

„Ich fühle mich gut“, sagte Hart. „Ich habe eine ziemlich durchstrukturierte Routine. Man muss sich um seinen Körper kümmern, das mache ich immer gleich. Man will jedes Spiel spielen. Man will immer bereit sein. Ich folge schon meine ganze Karriere der gleichen Routine und damit fühle ich mich gut.“

Torwart-Tortur im Finale

Das diesjährige Finale ist definitiv nicht die Serie der Torhüter. Carolinas Frederik Andersen wurde in Spiel 3 nach zwei Dritteln ausgewechselt und wird seitdem durch Brandon Bussi ersetzt. Andersen kam auf 81,5 Prozent Fangquote, nachdem er in den ersten drei Runden mit 93,1 Prozent als einziger Torwart Hart überboten hatte.

Dem Vegas-Torhüter ergeht es nicht viel besser. Er hält nur 85,6 Prozent aller Schüsse und wurde zum ersten Torwart in der NHL-Geschichte, der in jedem der ersten fünf Spiele einer Finalserie mindestens vier Tore kassierte.

„Sie hatten ein paar glückliche Tore. In ein paar Situationen hätte ich besser halten müssen“, gab Hart zu. „Aber ich bereite mich weiter wie auf jedes andere Spiel vor.“

CAR@VGK: Hurricanes und Bussi übernehmen die Kontrolle in Spiel 5

Bussi hat die mit Abstand besten statistischen Werte der Torhüter im Finale (90,8 Prozent Fangquote). Die Golden Knights stärken ihrem Schlussmann aber den Rücken und bieten eine geschlossene Front, um ihn zu unterstützen und ihr Vertrauen in ihn zu versichern.

„In ein paar Spielen hat er natürlich ein paar Tore zu viel kassiert, aber Carter ist einer der Gründe dafür, dass wir überhaupt hier sind“, betonte Stürmer Brett Howden. „Er war in den Playoffs unglaublich für uns und man sieht an der Art, wie er sich vorbereitet, um jeden Abend sein Bestes geben zu können, dass er ein absoluter Profi ist. Ich habe vollstes Vertrauen in ihn.“

Tortorella glaubt an Hart

Harts größter Unterstützer ist genau derjenige, der am Ende auch darüber entscheidet, wer zwischen den Pfosten steht. Als Trainer John Tortorella nach der Niederlage in Spiel fünf gefragt wurde, ob er darüber nachdenke, Hart durch Adin Hill zu ersetzen, reagierte er sichtlich gereizt. Das wäre vielleicht die dümmste Frage, die er je gehört habe, platzte es aus dem Trainer heraus.

Bei der Pressekonferenz am Samstag antwortete Tortorella auf die Torwartfrage nach wie vor auf seine typisch schroffe Art, jedoch nicht annähernd so emotional, wie noch einen Tag zuvor.

„Ich kenne ihn. Ich weiß, dass mehr in ihm steckt“, versicherte Tortorella. „Das hat man die ganzen Playoffs über gesehen. Er ist ein wirklich guter Torwart. Wir müssen ihm mehr helfen. Man kann sich die Zahlen anschauen, aber ich sehe die Sache anders. Ich schaue mir an, welche Art von Toren er kassiert hat.“

Die Hilfe für Hart muss jetzt kommen und der Torwart muss selbst auch das Beste aus sich herausholen. Im nächsten Spiel haben Fehler ernste Konsequenzen und sollte Hart erneut vier Tore kassieren, stehen die Chancen für Vegas schlecht.

Ähnliches: Vegas bezahlt für Undiszipliniertheiten teuer

Mitspieler geben vor entscheidendem Spiel Unterstützung

Die Zahlen sprechen gegen Hart, doch in Vegas sieht man die Sache offensichtlich anders. Jeder Spieler der Golden Knights steht voll hinter seinem Torhüter. Ein besseres Spiel vor dem Tor und mehr Hilfe für den Schlussmann sind wiederkehrende Themen in den Gesprächen mit Harts Teamkollegen. Tatsächlich ist die Arbeit im Slot und um das Tor eine Auffälligkeit in dieser Serie. Besonders Carolinas Kapitän Jordan Staal, der es in fünf Spielen auf sechs Tore brachte, staubt immer wieder in dem gefährlichen Bereich rund um Hart ab. Mehr Zweikampfstärke und schnellere Reaktionen der Abwehrspieler in dieser Zone würden dem Torhüter das Leben sicherlich deutlich leichter machen. Für Hart gäbe es aber keinen Grund, mit sich zu hadern und sich von Kritikern verunsichern zu lassen, betonte Verteidiger Rasmus Andersson.

„Wir glauben vollkommen an ihn“, bekräftigte Andersson die Unterstützung für Hart, die auch seine Teamkollegen Howden und Brayden McNabb bereits versichert hatten. „Er hat uns an diesen Punkt gebracht und war in den Playoffs echt gut. An diesem Punkt der Saison darf man sich nicht darum kümmern, was die anderen sagen... Wir wissen, was wir an unserem Team haben. Jetzt kommt Spiel 6, wir liegen zurück und wir müssen gewinnen.“

Ob Tortorella und die Golden Knights Recht behalten, wird sich am Sonntag zeigen. Fest steht, dass Hart sein bestes Spiel der Serie zeigen muss, um seiner Mannschaft eine Chance zu geben, das Finale noch zu drehen. Dass das in ihm steckt, wie Tortorella sagte, hat man in den vorherigen Runden bereits gesehen.

Verwandte Inhalte