Normalität als Auftrag
Genau deshalb fiel in Carolinas Kabine immer wieder ein Wort, das im Angesicht des Stanley Cups beinahe absurd klingt: Normalität. Natürlich ist an einem möglichen Clinching Game in der Finalserie nichts gewöhnlich. Der Cup wird im Gebäude sein. Familien reisen an. Freunde fragen nach Tickets. Jeder Blick über das Spiel hinaus öffnet eine Tür, durch die Ablenkung eindringen kann. Für Brind’Amour besteht die Aufgabe darin, diese Tür so lange wie möglich geschlossen zu halten.
„Es ist offensichtlich nicht normal im traditionellen Sinn“, sagte der Coach. „Aber es geht darum, seinen Job zu erledigen. Es gibt zusätzliche Ablenkungen und all das, was oben draufkommt. Aber wir müssen uns auf die Normalität des Spiels konzentrieren, was das bedeutet und wie man es spielt.“ Diese Nüchternheit ist keine Floskel. Sie ist ein Schutzmechanismus.
Justin Williams kennt die andere Seite. Der frühere Hurricanes-Stürmer gehörte 2006 zu jener Mannschaft, die gegen die Edmonton Oilers eine 3:1-Führung im Finale zunächst nicht nutzen konnte. Spiel 5 ging in der Verlängerung verloren, Spiel 6 wurde in Edmonton zur klaren Niederlage. Williams warnte deshalb davor, dass geplante Feiern, Reisefragen und die Aussicht auf den Moment nach der Schlusssirene den Fokus verschieben können. Sein Rat war simpel: Routine beibehalten, alles Organisatorische delegieren, nicht vorausgreifen.
Der schwerste Schritt
Die Hurricanes haben in dieser Postseason jede ihrer ersten drei Serien beim ersten Versuch beendet. Doch ein Finale folgt anderen Gesetzen. Der Gegner spielt nicht nur um ein weiteres Spiel, sondern gegen das Ende seiner Saison. Vegas weiß, wie man gewinnt, und wird auf eigenem Eis kaum freiwillig Platz für Carolinas Krönung machen. Brind’Amour benannte das ohne Pathos. „Jedes Spiel, das wir gespielt haben, war extrem schwer, und dieses ist nicht anders“, sagte er. „Wir müssen einfach sicherstellen, dass wir unser Bestes geben. Das gibt uns eine Chance.“
Auch Jackson Blake übersetzte diese Haltung in die Sprache der Kabine. Wer den Moment zu groß macht, riskiert, nicht mehr wie gewohnt zu spielen. „Man muss es definitiv so sehen, dass man es gewinnen muss“, erklärte Blake. „Aber man will es auch wie ein weiteres Playoff-Spiel betrachten. Wir müssen bei dem bleiben, was wir tun, und bei den Dingen, die uns erfolgreich machen.“ Für Carolina bedeutet das 60 Minuten Identität statt 60 Minuten Träumerei.