Dann allerdings verliefen die Wege von Draisaitl und Stützle anders: Während Draisaitl bereits mit 17 Jahren nach Nordamerika wechselte und für die Prince Albert Raiders in der Western Hockey League spielte, traf Stützle eine andere Entscheidung. Ursprünglich war zwar angedacht, an der University of New Hampshire zu studieren und für deren Eishockeymannschaft zu spielen. Stattdessen aber blieb er in seiner Heimat. Mit beachtlichem Erfolg: Stützle absolvierte für die Adler Mannheim 2019/20 seine erste Saison in der DEL, hatte in 41 Spielen starke 34 Scorer-Punkte (7 Tore, 27 Assists) zu verbuchen. Der Lohn war unter anderem die Auszeichnung zum DEL Rookie of the Year.
Ab dem NHL Draft könnten die Lebenswege von Draisaitl und Stützle wieder synchron verlaufen. Draisaitl wurde 2014 beim NHL Draft von den Edmonton Oilers an Position drei ausgewählt. Auch Stützle gilt als ein Top-Prospect. "Mein Ziel ist es, auf jeden Fall so hoch wie möglich gedraftet und auch in den Top-3 gezogen zu werden, sagt er. Das würde bedeuten: Stützle könnte bei den Los Angeles Kings oder den Ottawa Senators landen. Bei den Kings würde er auf den ehemaligen Bundestrainer und Ex-NHL Star Marco Sturm treffen, der dort als Assistenztrainer beschäftigt ist. Ob es schon Kontakte zu ihm gab? "Nicht wirklich. Mein Agent hatte ein bisschen Kontakt, die kennen sich halt. Das läuft alles eher über die Manager, mit denen ich Meetings habe", antwortet er.
Stützle weiß, dass er letztendlich wenig Einfluss darauf hat, welches Team ihn auswählen wird. "Ich werde sehen, was passiert", sagt er gelassen. Den NHL Draft wird er in der heimischen Umgebung im Klubhaus verfolgen. "Jeder ist aufgeregt. Ich schaue den Draft gemeinsam mit meiner Familie und meinen Mitspielern, die mir in letzter Zeit sehr geholfen haben."
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Stützle weiß, was er den Adler Mannheim und dem deutschen Eishockey insgesamt zu verdanken hat. Genauso wie Draisaitl würde er seine Popularität gerne nutzen, um den Sport in Deutschland noch mehr in den Fokus zu rücken. "Das hat sehr viel mit den Medien zu tun", weiß er. "In den letzten Tagen wurde in den sozialen Medien sehr viel über Leon geschrieben. Ich denke, dass sich das deutsche Eishockey auf einem sehr guten Weg befindet. Die vielen jungen Spieler in der DEL haben gezeigt, dass sie gutes Eishockey spielen. Wichtig ist auch, dass alle die Nationalmannschaft unterstützen."
Laut Stützle ist es kein Zufall, dass immer mehr Deutsche in die NHL drängen und dort auch erfolgreich sind. Er lobt die deutsche Nachwuchsförderung, vor allem auch den sogenannten Stufenplan zur verstärkten Integration jüngerer deutscher Feldspieler in den DEL-Ligabetrieb. "Dadurch hat jedes Team mindestens zwei bis drei deutsche U 23-Spieler im Kader, die mit der Profimannschaft trainieren und spielen. Sie lernen dabei viel von den Veteranen. Das hilft jungen Spielern sehr", sagt er. "Auch mit der Nationalmannschaft und den vielen jungen Spielern befindet sich Deutschland auf einem guten Weg."
Nicht zuletzt weil Stützle selbst von der deutschen Nachwuchsarbeit profitiert hat, liegt ihm die Entwicklung der DEL am Herzen: "Es ist wichtig, dass die Saison bald wieder losgeht. Das wird ein entscheidender Faktor werden."