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Nach sechseinhalb Jahren in der Organisation der Vancouver Canucks hat der Schweizer Sven Baertschi in diesem Sommer ein neues Kapitel in seiner Karriere aufgeschlagen: Über die Henderson Silver Knights möchte sich der 29-jährige Flügelstürmer in die NHL zurückkämpfen. Die Konkurrenz bei den Vegas Golden Knights ist allerdings groß.

Das NHL-Comeback als Ziel
"Ich will zurück in die NHL", unterstreicht Bärtschi. "Ich will wieder ein Spieler in dieser Liga sein. Das ist das ultimative Ziel. Das ist das, was ich will und wofür ich alles tun werde."
Aktuell spielt der aus Langenthal stammende Schweizer bei den Henderson Silver Knights in der AHL. In sieben Spielen machte der 1,80 Meter große und 86 Kilogramm schwere Linksschütze mit zwei Toren und zwei Assists auf sich aufmerksam. Die große Hoffnung ist ein Anruf aus Vegas: Nachdem die Golden Knights viele verletzte Stürmer haben (Mark Stone, Max Pacioretty, William Karlsson, Neuzugang Jack Eichel) und mit Alex Tuch und Peyton Krebs zwei weitere Angreifer zu den Buffalo Sabres getradet haben, könnte sich eine Chance auftun.

"Das liegt komplett an mir", sagt Bärtschi. "Ich muss auf hohem Level performen, etwas zeigen, aber auch geduldig bleiben. Ich habe schon viele Gespräche mit dem Management geführt. Sie wissen, was ich kann und wollten mich aus einem ganz bestimmten Grund haben: Ich soll einspringen, wenn jemand verletzt ist."
"Der Hockey-Hype ist real"
Bärtschi unterschrieb im Sommer als Free Agent einen Einjahresvertrag bei den Vegas Golden Knights. Im Laufe der Vorbereitung wurde er jedoch ins Farmteam geschickt. "Ich wusste schon im Trainingscamp, dass es schwer werden würde, ins Lineup zu kommen. Die Golden Knights haben eine enorme Qualität und können es weit bringen. Ich will mich erstmal hier eingewöhnen und sichergehen, dass ich mein Spiel auf ein Niveau bekomme, um wieder in der NHL auflaufen zu können", so der Angreifer.
Einen Vorgeschmack auf das, was ihn in Vegas erwartet, kann sich der 29-Jährige aber auch in der AHL holen: "Wir haben hier großartige Fans und ebenfalls eine gute Show. Die Leute genießen das. Der Hockey-Hype ist real. Überall sieht man Autos mit Aufklebern von den Golden Knights und Silver Knights. Ich freue mich sehr, hier zu sein. Es ist eine großartige Organisation."
Ein spielmachender Flügelspieler
An das Spielsystem in der neuen Heimat in der Wüste Nevadas will sich der Schweizer schnell adaptieren. "Es passt gut zu meinem Stil", findet Bärtschi. "Wir sind sehr offensiv ausgerichtet, spielen aber auch verantwortungsvoll in der Defensive. Ich fühle mich wohl."

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Seine Qualitäten konnte Bärtschi bereits in neun Saisons und 291 Spielen in der NHL (66 Tore, 72 Assists, 138 Scorerpunkte) unter Beweis stellen. Sein letztes Spiel in der besten Liga der Welt ist allerdings schon fast zwei Jahre her. Der Stürmer aber glaubt an sich und seine Fähigkeiten: "Ich sehe mich als spielmachender Flügelspieler. Ich habe zuletzt intensiv an meinem Schuss gearbeitet. Ich will wieder gefährlicher sein und nicht, dass alle denken, dass ich einen Pass spiele. Ich denke, ich bin ein cleverer Spieler, der das Spiel gut lesen kann und freie Bahnen erkennt. Ich vertraue meinen Instinkten - sie leiten mich."
Calgary, Vancouver, Vegas?
Bärtschi wurde beim NHL Draft 2011 in der 1. Runde an 13. Stelle von den Calgary Flames ausgewählt. "Es ist eines der Dinge, die du niemals vergessen wirst, wenn ein NHL-Team deinen Namen verkündet", erinnert er sich an einen besonderen Tag. "Damals in der Schweiz haben die Leute immer gelacht, als ich gesagt habe, dass ich in der NHL spielen möchte. Plötzlich wurde es real, der Traum ist wahr geworden, ich hatte es geschafft. Ich hätte nie gedacht, dass das jemals passieren würde, jetzt habe ich schon fast 300 Spiele in der NHL gemacht."
Seine NHL-Premiere absolvierte er am 9. März 2012 im Flames-Trikot gegen die Winnipeg Jets. "Ich habe um 6 Uhr morgens einen Anruf bekommen und wurde vom Trainer in die Arena bestellt. Ich dachte, ich würde getradet werden. Sie haben aber gesagt, dass ich am nächsten Tag mein NHL-Debüt geben werde. Es war etwas ganz Besonderes, denn es war Winnipegs erste Saison seit dem Umzug. Jarome Iginla und Mike Cammalleri saßen neben mir in der Kabine. Ich habe alles aufgesaugt. Es war ein Traum und ich hatte viel Spaß."

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Nach dreieinhalb Jahren in Calgary wechselte Bärtschi nach Vancouver. Bei den Canucks verbrachte er bislang die längste Zeit seiner NHL-Karriere. Entsprechend schwer fiel ihm auch der Abschied in diesem Sommer. "Es hat uns dort gefallen und ich habe viele Freundschaften geschlossen, auch außerhalb des Hockeys. Ich habe dort außerdem viel Wohltätigkeitsarbeit gemacht und Kinder unterstützt, damit sie Hockey spielen können."
Nun arbeitet Bärtschi daran, noch einmal in der NHL auf die alten Kollegen zu treffen. Die Heimspielstätte der Golden Knights, die T-Mobile Arena, hat er sich schon angeschaut und war begeistert: "Es gibt dort großartiges Entertainment. So sollte Eishockey sein."