Finland celebrates goal

Die Schweiz hat im Viertelfinale der Olympischen Winterspiele Milano Cortina 2026 am Mittwochabend in der RHO Arena mit 2:3 n.V. gegen Titelverteidiger Finnland verloren. Lange sah es nach einem Halbfinal-Einzug der Nati aus, die lange läuferisch und kämpferisch überzeugte. Dann aber drehte Suomi das Spiel dank eines Monster-Comebacks spät.

„Das Ende ist enttäuschend“, haderte Torwart Leonardo Genoni. Aber wir haben ein tolles Spiel gezeigt und das umgesetzt, was wir uns vorgenommen hatten. Wir haben defensive extrem gut gespielt und waren nah dran, ins Halbfinale einzuziehen.“

Aufstellung: Schweiz unverändert, Finnland mit Lundell

Nati-Trainer Patrick Fischer vertraute auf dieselbe Aufstellung, die in der Qualifikationsrunde Italien mit 3:0 besiegt hatte. Im Tor erhielt damit erneut Leonardo Genoni (28 Saves, 90,3 Prozent Fangquote) den Start.

Finnlands Coach Antti Pennanen brachte nach dem 11:0-Kantersieg gegen Italien in der Gruppenphase Stürmer Anton Lundell anstelle von Verteidiger Mikko Lehtonen. Zwischen den Pfosten stand Juuse Saros (21 Saves, 91,3 Prozent Fangquote).

1. Drittel: Riat bricht den Bann, Niederreiter erhöht

Das erste Drittel war ein Hochgenuss für Liebhaber von gutem, defensivem Eishockey. Die Schweiz fiel sofort mit aggressivem Forechecking auf. Finnland spielte hart auf den Körper und riegelte die eigene blaue Linie ab. Die Folge waren viele Zweikämpfe, aber kaum Torschüsse, denn die Neutrale Zone konnte nur selten sauber überbrückt werden.

Selbst ein finnisches Powerplay brachte keinen Torschuss ein, auch, weil Pius Suter einen wichtigen Block gegen Miro Heiskanen landete (4.). Erst nach über sieben Minuten stand ein Torschussverhältnis von 1:1 auf dem Statistikbogen.

Ein Ausflug von Saros führte zur Schweizer Führung: Der Torwart verlor den Puck hinter der Grundlinie und blieb dann am Pfosten hängen. Derweil gabelte Ken Jäger die Scheibe auf und spielte sie zu Damien Riat, der ins halbleere Tor zum 1:0 einschoss (15.).

„Wir hatten das Glück, dass sie Fehler gemacht haben, die normalerweise nicht passieren“, sagte Genoni.

Der erste Treffer der Partie wirkte wie ein Büchsenöffner, denn plötzlich tauschten beide Mannschaften gute Chancen aus.

Suter spielte den Puck aus der Rundung hoch Richtung blaue Linie, wo Nino Niederreiter gerade von der Bank aufs Eis gesprungen war. Der Power Forward der Winnipeg Jets fasste direkt ab und erhöhte über den rechten Innenpfosten auf 2:0 (16.).

„Wir sind gut gestartet und hatten alles im Griff“, so Fischer. „Alles ist nach Plan gelaufen.“

Niederreiter Switzerland

2. Drittel: Hohes Tempo, hohe Intensität

Finnland kam mit Wut aus der Kabine und baute direkt Druck auf. Die Schweiz nahm diesen Kampf an und erarbeitete sich rasch wieder selbst Möglichkeiten. Riat traf den Außenpfosten (24.).

Spektakulär im Fallen servierte Timo Meier für Nico Hischier, der in aussichtsreicher Position gegen Saros den Kürzeren zog. Im direkten Gegenzug scheiterte Artturi Lehkonen in einer Doppelchance am glänzend reagierenden Genoni (30.).

Das Spiel war im Vergleich zum ersten Durchgang nun ein ganz anderes. In hohem Tempo und mit hoher Intensität ging es hin und her. Finnland setzte dabei weiter auf seine Physis, während die Schweiz viele Meter machte und in beide Richtungen Vollgas gab.

Kurz vor der Pause kam Suomi noch einmal auf. Gegen eine aufopferungsvoll verteidigende Nati setzte Heiskanen einen abgefälschten Schuss aus dem linken Eck an den linken Pfosten (39.).

„Wir haben ein richtig gutes erstes Drittel gespielt und wussten, dass sie im zweiten drücken würden“, sagte Kapitän Roman Josi. „Ich finde, wir haben dann auch ein richtig gutes drittes Drittel gespielt.“

3. Drittel: Aho und Heiskanen gleichen aus

Im Schlussabschnitt kamen die Schweizer früh zu einem Powerplay, in dem allerdings die Finnen in Unterzahl die beste Möglichkeit verbuchten. Esa Lindell zog gegen die Fanghand von Genoni den Kürzeren (43.). Wieder bei Gleichzahl näherte sich der in dieser Phase auffällig präsente Meier in einer Doppelchance an (45.).

Die Nati verhielt sich enorm clever, spielte die Pucks in einem schnellen Aufbau konsequent aus der eigenen Zone und danach tief hinter die gegnerische Verteidigung. In Folge dessen gingen die Schweizer mit aggressivem Forechecking hinterher und rieben den Gegner somit weit weg vom eigenen Gehäuse auf. Finnland kostete das viel Kraft, die dann meist vorne fehlte. Obwohl es für die Eidgenossen ein Back-to-Back-Spiel war, wirkten sie frischer als Finnland, das drei spielfreie Tage genoss.

6:06 Minuten vor dem Ende machte es Suomi wieder spannend: Sebastian Aho brach über den rechten Flügel durch, zog zur Mitte, verzögerte gekonnt und traf dann mit einem präzisen Schuss ins linke Eck zum 1:2-Anschluss (54.).

„Das erste Tor hat ihnen Momentum gegeben“, so Hischier. „Da ist es normal, dass sie danach gedrückt haben. Sie haben schöne Spielzüge gestartet, die wir nicht verteidigen konnten.“

Eine heiße Schlussphase war damit eingeläutet. Finnland warf alles nach vorne und startete Angriff um Angriff, während die Schweiz kaum noch für Entlastung sorgen konnte und die Scheiben hinten nur noch rauschippte. Granlund hatte den Ausgleich auf dem Schläger, traf aber die Latte und scheiterte an Genoni (58.).

„Ich weiß nicht, was ich alles über Leo sagen kann. Er ist überragend, für mich der beste Torwart des Turniers und hat uns so viele Spiele gewonnen. Es ist verrückt, dass er nie in der NHL gespielt hat.“

Bei noch 2:27 Minuten auf der Uhr zog Pennanen den Torwart für einen Extra-Angreifer. Ein Risiko, das belohnt wurde: Heiskanen gab aus halblinker Position einen Flachschuss aufs rechte Eck ab, den Nati-Verteidiger unglücklich mit der Kelle ins eigene Tor lenkte (59.).

„Wir hätten mit diesen Situationen besser umgehen müssen. Wir sind 2:0 vorne, da musst du das Spiel einfach gewinnen“, ärgerte sich Meier.

Verlängerung: Lehkonen verwandelt Alleingang

In der im 3-gegen-3-Modus ausgetragenen Overtime wogte die Partie rasant hin und her. Lundell spielte in den Lauf von Lehkonen, der frei auf Genoni zulief und eiskalt zum 3:2-Siegtreffer n.V. einschoss (64.).

„Ich wusste genau, was ich zu tun habe“, sagte Lehkonen. „Da war eine kleine Lücke und die habe ich getroffen. Es war ein Wahnsinnspass von Anton. Ich durch ihre Verteidiger schlüpfen.“

Damit zieht Titelverteidiger Finnland ins Olympische Halbfinale ein, das am Freitag (16:40 oder 21:10 Uhr MEZ) ausgetragen wird. Für die Schweiz ist das Turnier auf tragische Art und Weise beendet.

„Am Ende geben wir es aus der Hand. Das ist extrem schade und enttäuschend“, sagte Fischer.

„Ich muss der Mannschaft ein Kompliment machen. Sie hat extrem gut gekämpft“, resümierte Genoni. „Schlussendlich haben wir aber verloren. Das tut weh.“

Artturi Lehkonen Finland

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