In der NHL gilt ein ungeschriebenes Gesetz: An Thanksgiving, also immer am vierten Donnerstag im November, lügt die Tabelle nicht mehr und gibt einen seriösen Indikator, wo ein Team steht. Die Pittsburgh Penguins (12-6-5) stehen wider Erwarten auf Rang vier in der Metropolitan Division sowie auf dem ersten Wildcard-Platz in der Eastern Conference. Mit den Columbus Blue Jackets wurde am Freitagabend in der Nationwide Arena ein direkter Konkurrent mit 4:3 n.V. auf Abstand gehalten. Pittsburghs Kapitän Sidney Crosby (2-0-2) ragte mit einem Doppelpack heraus.

Ob die Penguins tatsächlich auf Kurs Richtung Stanley Cup Playoffs sind, werden allerdings erst die nächsten Monate zeigen, denn das Tabellenbild ist so eng, dass die Penguins ohne den Erfolg gegen Columbus auf dem letzten Platz der Metropolitan stehen würden.

Crosby, ein Meister der Geometrie

Im ersten Abschnitt lenkte Crosby einen Schusspass von Kris Letang gekonnt ins Ziel (7.). Es war das 310. Mal, dass die beiden Routiniers bei einem NHL-Tor zusammenarbeiteten. Sie zogen mit dem Duo Anze Kopitar und Drew Doughty für die zweimeisten Tore zwischen einem Stürmer und einem Verteidiger gleich. Auf mehr kommen nur Wayne Gretzky und Paul Coffey (350 Treffer).

Später erzielte Crosby den wichtigen 3:3-Ausgleich und offenbarte sich dabei als Meister der Geometrie, der in Sekundenschnelle die Regel „Eintrittswinkel gleich Austrittswinkel“ berechnete: Einen scharfen Pass von Tommy Novak durch die neutrale Zone ließ er bewusst durch, damit der Puck von der Bande genau in seinen Lauf sprang. Der 38-jährige Routinier führte die Scheibe einhändig von rechts auf seine linke Schusshandseite und hob sie unter den Arm von Columbus‘ Torwart Jet Greaves (20 Saves, 83,3 Prozent Fangquote) ins Tor.

„Manchmal sieht man, dass er versucht, so einen Pass mit dem Schlittschuh zu verarbeiten. Er hat aber begriffen, dass der Puck von der Bande in seinen Lauf zurückspringen würde. Er hat die Situation gelesen und sein Tempo gehalten. Er ist vielleicht der einzige Spieler, der das so beherrscht“, war Letang begeistert.

„Er ist etwas ganz Besonderes“, schüttelte auch Pittsburghs Torwart Tristan Jarry (26 Saves, 89,7 Prozent Fangquote) ungläubig den Kopf. „Immer, wenn ich da hinten stehe und mir das anschaue, ist er eine spezielle Persönlichkeit und Spieler. Ich bin froh, dass ich mit ihm auf derselben Seite spiele.“

PIT@CBJ: Crosby mit seinem zweiten Treffer

„‚Sids‘ Tor war natürlich enorm wichtig“, unterstrich Penguins-Trainer Dan Muse.

„Er scheint gerne hier zu treffen“, grinste Bryan Rust und spielte damit auf Crosbys 16. Treffer in Columbus an (24 Spiele, 16-20-36).

Crosby zieht mit Andreychuk gleich

Für Crosby war es der 640. Treffer in der NHL. In der Allzeit-Torjägerliste zieht er mit Dave Andreychuk auf Rang 15 gleich. Als nächstes gilt es Brendan Shanahan (656 Treffer) auf Platz 14 zu erreichen. Es war auch Crosbys 109. Multi-Tore-Spiel, womit er in dieser Kategorie mit Jarome Iginla auf Rang 20 gleichzieht.

Der Kanadier ist einer der Hauptgründe für den Aufschwung in der Steel City. Crosby ist aktuell der viertbeste Torjäger in der laufenden Saison (15 Treffer, gleichauf mit Brad Marchand, Jason Robertson und Seth Jarvis). Nur Nathan MacKinnon (19 Tore), Morgan Geekie (18) und Kirill Kaprizov (16) trafen bislang häufiger.

Die Routiniers starten ein Comeback

Nach der Crosby Ouvertüre gerieten die Penguins mit 1:3 in Rückstand. Sean Monahan (14.), Brendan Gaunce (24., in Unterzahl) und Zach Werenski (40.) sorgten für drei unbeantwortete Tore für die Blue Jackets.

„Offensichtlich haben wir im zweiten Drittel nicht gut aufgehört, überhaupt war der gesamte zweite Durchgang überhaupt nicht gut“, so Letang. „Wir haben das in der Kabine angesprochen und wussten, wie wir darauf reagieren müssen. Genau das haben wir dann getan.“

Die Routiniers Bryan Rust (41.), Crosby (49.) und 59 Sekunden nach Beginn der Overtime Kris Letang (61.) sorgten für den zweiten Penguins-Sieg in Folge und verlängerten Pittsburghs Punkteserie auf drei Spiele (2-0-1).

Beim OT-Winner band Evgeni Malkin gleich zwei Gegenspieler an der Bande. Letang übernahm den Puck, spielte einen Doppelpass mit Novak und schoss zum 4:3 n.V. ein.

„Es war ein großartiger Zweikampf von ‚Geno‘ an der Bande. Er musste sich gegen ein paar Jungs durchsetzen und hat den Puck zu Novak gearbeitet“, lobte Letang seine Vorarbeiter. „Unser Gedanke war, einfach zu gewinnen, insbesondere nachdem wir kein gutes Spiel abgeliefert hatten. Wir wollten im dritten Drittel eine Antwort geben und wenn du bis in die Overtime kämpfen musst, um zu gewinnen, dann machen wir es.“

PIT@CBJ: Letang mit dem Siegtreffer

Penguins siegen erstmals nach der regulären Spielzeit

Es war der erste Penguins-Sieg nach der regulären Spielzeit in der laufenden Saison. Zuvor gingen zwei Verlängerungen und drei Penaltyschießen verloren.

„Das ist wichtig. Selbstvertrauen ist entscheidend in dieser Liga. Alleine zu wissen, dass wir das schaffen können, wir so spielen können und einfach weitermachen, wird uns meiner Meinung nach weit bringen“, so Jarry.

Pittsburgh empfängt am Samstag (7 p.m. ET; So. 1 Uhr MEZ) die Toronto Maple Leafs - auch ein Gegner, gegen den Crosby gerne trifft: In 28 Heimspielen gelangen ihm 17 Treffer (17-27-44).

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